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Pfarrhaus-Prozess: Pater James am 25. April als Zeuge geladen

hzLandgericht Bochum

Im „Pfarrhaus-Prozess“ steht in Woche nach Ostern eines der Aufsehen erregendsten Halterner Gewaltverbrechen der letzten Jahre im Fokus – der Raubüberfall auf Pater James von St. Sixtus.

Bochum/Haltern

, 20.04.2019 / Lesedauer: 3 min

Wie das Bochumer Landgericht am Donnerstag auf Anfrage bestätigte, sind für den kommenden Donnerstag (25. April) die mutmaßlichen Opfer der in der Anklageschrift benannten Fälle mit den Nummern „8“ und „9“ geladen.

Beide Vorfälle gehen zurück auf den 4. Februar 2018. Im ersten Fall geht es um einen Einbruchdiebstahl in einem Wohnhaus eines Ehepaars in Lippramsdorf, unweit von St. Lambertus. Angeklagte Tatzeit: neun bis elf Uhr.

Der zweite Fall betrifft den brutalen Überfall im Pfarrhaus von St. Sixtus am Markt wenig später in den Mittagstunden desselben Tags.

Angeklagtes Trio schweigt

Wie berichtet stehen seit Ende Februar zwei Männer (28/44) und eine Frau (47) in Bochum als sogenannte „Pfarrhaus-Bande“ vor Gericht. Das Trio soll zwischen September 2017 und August 2018 mehr als 30 Einbrüche in Einfamilienhäuser, vor allem aber in Pfarrhäuser und -büros in kleineren Gemeinden in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen verübt haben. Alle drei Angeklagte schweigen.

Zahlreiche betroffene Pfarrer anderer Gemeinden haben inzwischen ihre Zeugenaussagen gemacht. Jetzt geht es um die Halterner Fälle.

Pater James ertappte Einbrecher auf frischer Tat

Der Überfall auf Pater James ist fraglos einer der dramatischsten Fälle, die die Anklage geschildert hat. Die angeklagte Frau soll gegen 11.45 Uhr an der Tür des Pfarrhauses geklingelt haben, um festzustellen, ob sich dort jemand aufhielt. Anschließend sollen der 44-jährige Mitangeklagte und drei weitere unbekannte Bandenmitglieder über die Rückseite des Pfarrhauses eingebrochen sein und dann die Büros sowie weitere Räume durchwühlt haben. Als Pater James gegen 12.35 Uhr nach Hause zurückgekehrt sein und das Einbrecher-Quartett entdeckt haben soll, reagierten die Täter laut Anklage mit brutaler Gewalt.

Mit Elektro-Kabeln gefesselt

Pater James soll mit einem Schraubendreher ins Gesicht geschlagen, von den Tätern auf einen Stuhl gesetzt und immer wieder zur Herausgabe des Tresorschlüssels gezwungen worden sein. Später sollen die Täter den Seelsorger mit verbundenen Augen in den Heizungskeller gebracht, und ihm mit abgeschnittenen Elektro-Kabeln die Hände und Füße zusammengebunden haben. Danach wurde der Pater mit seiner Jacke über den Kopf gefesselt und in dem Heizungskeller eingesperrt. Sein Mitbruder Pater Antony soll ihn schließlich gegen 13 Uhr aus der Lage befreit haben.

Pater James soll ab 12 Uhr als Zeuge aussagen

Um 12 beziehungsweise 13 Uhr wollen die Richter der 7. Strafkammer am 25. April in Saal A0.10 die beiden Pater als Zeugen befragen. Dabei wird es vor allem um die seelischen Folgen des Raubüberfalls gehen. Daneben aber wohl auch um die Frage des Wiedererkennens. Denn diese Tat war eine der wenigen angeklagten Taten, bei denen die Täter überraschend direkten Kontakt zu einem der späteren Opfer hatten.

Durch den Einbruch im Pfarrhaus von St. Sixtus entstand laut Staatsanwaltschaft ein Sachschaden in Höhe von mehr als 3000 Euro. Bei dem Einbruch in Lippramsdorf sollen die Täter unter anderem ein 72-teiliges Silberbesteck sowie Schmuck mitgehen lassen haben. Teile der Besteck-Beute waren laut Anklage bei der Festnahme der Angeklagten im August 2018 unter dem Küchentisch ihrer Gelsenkirchener Wohnung in einem Jutebeutel entdeckt worden.

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