Pfarrhaus-Prozess: Staatsanwältin will vorbestraften Pfarrer als Zeugen hören

hzLandgericht Bochum

Im „Pfarrhaus-Prozess“ will die Staatsanwaltschaft auch unbedingt noch den Einbruch bei einem nicht unumstrittenen Pfarrer in Niedersachsen aufklären. Die Richter drücken derweil aufs Tempo.

Bochum/Haltern/Dortmund/Castrop-Rauxel

, 20.07.2019, 16:52 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im Pfarrhaus-Prozess um eine Serie von Einbrüchen in Haltern, Dortmund, Castrop-Rauxel und Umgebung hat die Staatsanwaltschaft am Freitag durch mehrere Beweisanträge unbedingt noch die Aufklärung des beutereichsten und gleichsam brisantesten Falles gefordert. Und damit der angeklagten Frau ein von den Richtern zuletzt angebotenes vorzeitiges Prozessende so gut wie endgültig zunichte gemacht.

Die Befragung des hoch betagten, ehemaligen Pfarrers einer katholischen Gemeinde in Cloppenburg über den Einbruch in sein Pfarrhaus am 13. Mai 2018 (Beute: vier Geldtaschen mit insgesamt fast 37.000 Euro Bargeld) war ursprünglich bereits im März geplant gewesen. Damals hatte der Geistliche den Zeugentermin jedoch krankheitsbedingt nicht wahrnehmen können.

Pfarrer in Bargeld-Skandal verwickelt

Brisant: Nach Medienberichten soll dieser Pfarrer vor Jahren ausgerechnet in einen Bargeld-Skandal verwickelt gewesen und im Zuge dessen 2013 per Strafbefehl zu einer einjährigen Bewährungshaftstrafe verurteilt worden sein.

Weil vonseiten des Gerichts der Fall aus Cloppenburg seit der Absage des Zeugen im März von der Beweisaufnahme ausgeklammert worden ist, hat Staatsanwältin Simone Klodt nun förmlich noch einmal „nachgebohrt“. Und in fünf Beweisanträgen sämtliche Beweismittel gegen die drei Angeklagten noch einmal vorgetragen. Dazu gehört auch die Zeugenvernehmung des umstrittenen Pfarrers - zur Not auch per Videovernehmung.

Aus Sicht der Anklägerin ist die Beweislage gegen alle drei Angeklagten – auch die 48-jährige Frau - erdrückend.

Vorzeitiges Urteil für die Angeklagte außer Reichweite

Richter Josef Große Feldhaus erklärte im Anschluss, dass die Kammer nach vorläufiger Bewertung „den Anträgen nachgehen“ wird.

Das Gericht hatte zuletzt angedeutet, dass die 48-jährige Angeklagte möglicherweise bei einer Änderung ihres Prozessverhaltens (Schweigen) bereits in Kürze vorzeitig verurteilt werden könnte. Weil der nun wohl noch aufzuklärende Fall aus Cloppenburg jedoch auch die Angeklagte betrifft, ist ein schnelles Urteil nun wohl sowieso außer Reichweite.

Dem Trio aus Gelsenkirchen werden insgesamt 32 Einbrüche und Raubüberfälle zur Last gelegt. In Haltern war im Pfarrhaus von St. Sixtus der dort anwesende Pater James brutal attackiert, mit Kabeln gefesselt und im Heizungskeller eingesperrt worden. Auch in Dortmund war ein Geistlicher angegriffen worden. In Castrop-Rauxel hatten die Täter im Pfarrhaus der St.-Lambertus-Gemeinde einen Tresor aus der Verankerung gehebelt.

Am Freitag haben die Richter 14 zusätzliche Verhandlungstage bekannt gegeben. Im Herbst soll sogar zwei Wochen lang an allen neun Werktagen vom 28. Oktober bis zum 8. November verhandelt werden.

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