„Pfarrhaus-Prozess“: Telefonate der Angeklagten lassen Dolmetscherin teils ratlos zurück

hzLandgericht Bochum

Nach vierwöchiger Verhandlungspause ist am Bochumer Landgericht der Prozess gegen die mutmaßliche „Pfarrhaus-Bande“ fortgesetzt worden. Ab sofort stehen abgehörte Handy-Telefonate im Fokus.

Haltern, Castrop-Rauxel, Dortmund

, 16.09.2019, 16:42 Uhr / Lesedauer: 2 min

Jetzt geht es ins Detail: Im Prozess um eine Serie von Einbrüchen in Pfarrhäuser in Haltern, Castrop-Rauxel, Dortmund und Umgebung haben die Richter am Montag begonnen, mitgeschnittene Telefonate der drei Angeklagten auszuwerten. Gleich nach den ersten zwei Gesprächen wurde mehr als deutlich, dass die verwendete Sprache („Romanes“) offenbar nicht immer einheitlich ins Deutsche zu übersetzen ist.

Eine Dolmetscherin musste beim Abhören der Tondateien mit Blick auf bestimmte Satzbausteine nicht nur einmal passen: „Das ist zwar die Sprache ‚Romanes‘. Aber teilweise spricht insbesondere die weibliche Person einen Dialekt, von dem ich nur Fragmente verstehen kann. Es kann sein, dass sie aus einem anderen ‚Roma-Land‘ kommt, als die Männer mit denen sie spricht.“

Angeklagte belächelt ratlose Dolmetscherin

Auf der Anklagebank sorgten die vorgespielten Telefonate und die anschließende Übersetzung für ungläubige Mienen. Die 48-jährige Frau schüttelte mit Blick auf die ratlosen Angaben der Dolmetscherin mehrfach heftig mit dem Kopf und konnte sich nicht selten sogar auch ein kleines Lächeln nicht verkneifen.

Fakt ist: Im Gegensatz zu den beiden angeklagten 44 und 29 Jahre alten, in Serbien geborenen Männern (Vater und Sohn) kommt die Frau aus Ungarn. Alle drei Angeklagten schweigen seit dem Prozessbeginn.

Die Richter hatten den Angeklagten im Juni bei einer vorläufigen Bewertung der Beweislage auch bei Geständnissen empfindliche Gefängnisstrafen von bis zu elfeinhalb Jahren signalisiert. Die Angeklagten hatten danach allesamt weiter geschwiegen, so dass die Beweisaufnahme ungehindert weiter fortgeführt wird.

Staatsanwaltschaft hat zahlreiche Beweismittel

Die polizeiliche Ermittlungskommission Phoenix war der „Pfarrhaus-Bande“ nach einem Zeugenhinweis auf die Spur gekommen. Anschließend waren Telefone angezapft und Pkw mit Peilsendern versehen worden.

Nach der Festnahme der drei Angeklagten Mitte August 2018 war bei den Durchsuchungen ihrer Wohnungen in Gelsenkirchen mögliches Diebesgut, unter anderem Uhren und Schmuck mit christlichen Symbolen entdeckt worden.

Dem Trio werden vor der 7. Strafkammer insgesamt 32 Einbrüche und Raubüberfälle zur Last gelegt. Die Gesamtbeute soll insgesamt weit über 100.000 Euro betragen haben.

In Haltern war am 4. Februar 2018 im Pfarrhaus von St. Sixtus der dort anwesende Pater James brutal attackiert, mit Kabeln gefesselt und im Heizungskeller eingesperrt worden. In Dortmund war am 29. Juli 2018 ein Geistlicher im Pfarrhaus der Gemeinde St. Urbanus angegriffen worden. In Castrop-Rauxel hatten die Täter am 15. Juli 2018 im Pfarrhaus der St. Lambertus Gemeinde einen Tresor aus der Verankerung gehebelt.

Der Prozess wird fortgesetzt.

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