Gerd Große-Büning vom Imbiss „Esspunkt“ befürchtet Mehrkosten, wenn Plastik-Einwegverpackungen nicht mehr zur Verfügung stehen. © Jürgen Wolter
Einweggeschirr

Plastik-Einweggeschirr wird verboten: Werden Pommes in Haltern teurer?

Seit dem 3. Juli darf in Europa kein Plastik-Einweggeschirr mehr produziert werden. Pommes-Bude und Restaurant mit Lieferservice müssen sich also Gedanken über Alternativen machen.

Einwegbesteck und -geschirr aus Plastik, Trinkhalme, Rührstäbchen aus Kunststoff dürfen ab dem 3. Juli EU-weit nicht mehr produziert werden. Gleiches gilt für To-go-Getränkebecher, Fast-Food-Verpackungen und Wegwerf-Essenbehälter aus Styropor. Ob sich durch dieses Verbot die Preise für Gerichte im Lieferservice oder Thekenverkauf verteuern werden, darüber gehen die Einschätzungen bei Halterner Gastronomen und Imbissbetreibern auseinander.

Verboten werden zudem Wegwerfteller, -becher oder -besteck aus biobasierten oder biologisch abbaubaren Kunststoffen. Das Gleiche gilt für Einwegteller und -schalen aus Pappe, die nur zu einem geringen Teil aus Kunststoff bestehen oder mit Kunststoff überzogen sind. Darüber hat die Bundesregierung aus aktuellem Anlass informiert.

Die klassische Currywurst kommt bald in neuen Verpackungen auf den Tisch.
Die klassische Currywurst kommt bald in neuen Verpackungen auf den Tisch. © picture alliance/dpa © picture alliance/dpa

Vorräte können noch aufgebraucht werden

Gerd Große-Büning betreibt den Imbiss „Esspunkt“ An der Ziegelei im Gewerbegebiet Prozessionsweg. „Zunächst können wir ja noch das bisherige Besteck und Geschirr weiterverwenden, solange die Restbestände nicht verkauft sind“, sagt er. Eine praktikable Alternativlösung hat er bisher noch nicht entdecken können. „Klar kann ich Pommes in einer Pappschale anbieten, das tun wir ja auch schon. Aber zu einer Currywurst gehört die heiße Soße. Und wenn ich die in eine Pappschale fülle, kann man sich vorstellen, wie die aussieht, wenn sie zuhause ankommt.“

Alternativmaterialien wie Bambus seien zwar verfügbar, aber ob die gesundheitlich unbedenklich sind, sei auch nicht ganz klar, so Große-Büning.

Alternatives Material würde mehr Platz benötigen und deutlich mehr kosten. „Wenn ich das auf die Preise aufschlage, muss sich damit rechnen, dass die Kunden protestieren“, sagt er.

Preiserhöhungen erwartet

Auch Rastam Haj Hossein, Besitzer des Biano an der Merschstraße, rechnet damit, dass er höhere Preise für Verpackungsmaterial oder Einwegbesteck bezahlen muss.

Auch Rastam Haj Hossein, der Besitzer des Biano, rechnet mit Preiserhöhungen durch die neuen Verpackungsmaterialien.
Rastam Haj Hossein, der Besitzer des Biano, rechnet mit Preiserhöhungen durch die neuen Verpackungsmaterialien. © Janis Czymoch © Janis Czymoch

„Es gibt noch große Vorräte der bisherigen Verpackungen, das wird noch etwas dauern. Aber danach rechne ich damit, dass es Preiserhöhungen geben wird“, sagt er.

Holzgabeln, die dann als Ersatz für Plastikgabeln eingesetzt werden könnten, seien deutlich teurer als das Kunststoffmaterial. „Während der Coronakrise habe ich trotz Mehraufwand meine Preise nicht erhöht“, sagt Rastam Haj Hossein. „Aber wenn das Verpackungsmaterial teurer wird, lässt sich das wohl nicht mehr vermeiden.“

Christian Zehren, unter anderem Betreiber des Rossini, der Kajüte und Kombüse und des Kolpingtreffs sieht die Situation entspannter. „Ich bin mir nicht sicher, ob es deutliche Preissteigerungen geben wird“, sagt er. „Die Hersteller wussten ja seit Langem, dass diese EU-Regelung jetzt zum Juli 2021 in Kraft treten würde, und die großen haben längst Alternativen entwickelt.“

Christian Zehren setzt auf Alternativen zum Plastikgeschirr.
Christian Zehren setzt auf Alternativen zum Plastikgeschirr. © Jürgen Wolter © Jürgen Wolter

Als Ersatzmaterialien würden unter anderem Zuckerrohr, Palmblätter oder Bambus zum Einsatz kommen, so Zehren. Ob das im Sinne der Ökologie eine nachhaltige Lösung ist, sei aber unklar. „Ich weiß nicht, ob nicht dann für Palmanpflanzungen vielleicht wieder Regenwald gerodet wird“, sagt er.

Suche nach sinnvollen Alternativen

Einige Materialien seien auch ungeeignet, findet Zehren. „Strohhalme aus Papier oder Pappe entwickeln einen Eigengeschmack und sind nicht für alle Getränke geeignet. Glas- oder Metall-Getränke-Halme müssen gespült werden, es ist fraglich, ob ein normaler Spülvorgang reicht, damit sie hygienisch einwandfrei sind. Außerdem besteht die Gefahr, dass es Scherben gibt.“

Zehren setzt in seinen Gaststätten darauf, Trinkhalme weitestgehend zu vermeiden. Nur bei einigen Cocktails könne man darauf nicht verzichten. „Ansonsten haben wir die Halme aus vielen Getränken ganz entfernt“, sagt er.

Eine weitere Alternative wäre ein Pfand-Mehrweg-System. Dann müssten die Kunden das Geschirr aber wieder zurückbringen und würden mit der zusätzlichen Autofahrt auch wieder die Umwelt belasten. Eine ideale Lösung für die Zukunft ist für keinen der drei Gastronomen in Sicht.

Die Notwendigkeit, Plastikmüll zu reduzieren ist dagegen für alle grundsätzlich unbestritten. Hintergrund für die neuen Gesetze, die die Bundesregierung beschlossen hat, ist unter anderem, dass stündlich allein rund 320.000 Einweg-Becher für heiße Getränke in Deutschland verbraucht werden – davon bis zu 140.000 To-go-Becher, so das Bundesumweltministerium. Die Abfall-Bilanz von Einweggeschirr und To-go-Verpackungen betrug im Jahr 2017 mehr als 346.000 Tonnen, ergab eine Erhebung der Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung. Die Menge der Kunststoffabfälle insgesamt stieg laut Umweltbundesamt zwischen 2015 und 2017 um 3,9 Prozent auf 6,15 Millionen Tonnen. Deshalb sieht die Politik die dringende Notwendigkeit zu handeln.

Über den Autor
Redaktion Haltern
Studium der Germanistik, Publizistik und Philosophie an der Ruhr Universität Bochum. Freie Autorentätigkeit für Buchverlage. Freier Journalist im nördlichen Ruhrgebiet für mehrere Zeitungshäuser. „Menschen und ihre Geschichten faszinieren mich nach wie vor. Sie aufzuschreiben und öffentlich zugänglich zu machen, ist und bleibt meine Leidenschaft.“
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Jürgen Wolter

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