Politikern aufs Haupt geschaut: Ratsmitglieder setzen ihre Haarpracht humorvoll in Szene. Nach langem Lockdown freuen sie sich für die Friseurbranche über das baldige Ende der Schließungen. © Grafik Klose
Corona-Frisuren

Politik und Humor – ist das in Haltern eine haarige Angelegenheit?

Prominente Politiker und Fußballer erscheinen meist perfekt frisiert vor den Kameras, obwohl die Friseursalons noch zu sind. Und die Halterner Politiker - wie halten sie es mit der Frisur?

Am 16. Dezember mussten die Friseure in Haltern wie überall ihr Handwerkszeug beiseite legen und die Salons im Rahmen des Corona-Lockdowns zum zweiten Mal schließen. Dass sie mit finanziellem Einsatz akribisch alle Hygiene-Verordnungen umgesetzt hatten, spielte keine Rolle.

Seither wachsen die Haare und bei den Kunden die Sehnsucht, die Politik möge doch bitte die Salons wieder öffnen. Für das eigene Selbstwertgefühl, aber vor allem, um die Friseure aus ihrer Existenznot zu befreien. Am 1. März soll es soweit sein, darauf hat sich die Ministerpräsidentenkonferenz am 10. Februar in Berlin verständigt.

Warum aber sind nicht nur die Fußballprofis derzeit so gut frisiert, obwohl derzeit alle Friseure geschlossen haben, sondern auch die meisten Politiker, wenn sie vor die Kameras treten? Die Gestylten empfinden diese Frage als Haarspalterei.

„Politik und Jux passen aktuell nicht zusammen“

Wir haben uns auf lokaler Ebene umgeschaut und Ratsmitglieder um aktuelle Fotos gebeten. Nicht alle fanden die Idee sympathisch. Die FDP schrieb, man wolle sich nicht auf Kosten der Friseure amüsieren; ihr Sinn für Humor liege hier nicht. Die CDU erklärte, Politik und Jux passten derzeit angesichts der äußerst ernsten Probleme nicht zusammen.

Doch sehnt sich der Mensch gerade in diesen erzwungenen Zeiten der vielgestaltigen Entbehrungen nicht auch nach Zerstreuung und Inspiration, nach Abwechslung und Humor? Da mag es erlaubt sein, dass wir ein wenig lachen möchten – in diesem Fall nur über Frisuren oder die Idee, wie manch ein Politiker oder eine Politikerin ihre Botschaft an die Friseure – wir vermissen Euch! – ins Szene gesetzt haben.

Dem Geschick der Ehefrau Vertrauen geschenkt

Nicht alle können von Glück reden, eine eigene Friseurin in der Familie zu haben, wie beispielsweise Anne Feldmann (SPD). Ob Andere heimlich eine (schwarze) Adresse aufsuchen, darüber wollen wir hier nicht spekulieren.

Dr. Heinz-Werner Vissmann (WGH) hat dem Geschick seiner Ehefrau vertraut. „Sie hat sich viel Mühe gegeben und es tatsächlich geschafft, meine Haare zu bändigen“, schreibt er aus Hullern.

Beate Pliete (SPD) übt sich dagegen in Geduld. „Das Foto macht aber schon deutlich, wie sehr ich meine Friseurin vermisse.“

Blumen für die nette Friseurmeisterin

Politik und Humor schließen sich niemals aus, findet Antje Bücker (SPD). Sie hat fürs Foto ihre Haare wallen lassen und gibt ehrlich zu, im Alter von zwölf Jahren zum letzten Mal beim Friseur gewesen zu sein. Seitdem habe sie sich die Haare immer wachsen lassen. „Pferdeschwanz, fertig! Wenn die Haare zu lang oder splissig werden, schneide ich einfach die Spitze vom Pferdeschwanz ab“, beschreibt Antje Bücker den Umgang mit ihrem Haar.

Die Haarpracht wird lang und länger: Sarah Radas hat auf unsere Bitte mit einem wunderschönen, humorvollen Foto geantwortet.
Die Haarpracht wird lang und länger: Sarah Radas hat auf unsere Bitte mit einem wunderschönen, humorvollen Foto geantwortet. © Privat © Privat

Sarah Radas (Die Grünen) lässt das Haar wachsen, weil ihr ja leider nichts anderes übrig bleibe. „Ich fühle mich machtlos, weil wir alle den Friseuren im Moment nicht helfen können.“ Ihnen nütze nicht einmal Kreativität, um in der Corona-Pandemie zu überleben. „Sie können ja nur Dienstleistung direkt am Kunden anbieten.“

Auch ihre Parteifreundinnen Susanne Brächer und Ulrike Doebler sowie Parteifreund Rolf Lönnecke warten auf die Öffnung der Friseursalons. Ulrike Doebler schlägt sich seit Mitte November mit viel Geschick und mit Hilfe von Haarpflegemitteln durch. Ihrer Friseurin, einer Meisterin vom Fach, brachte sie aus Sympathie und Mitgefühl jüngst einen bunten Blumenstrauß. Nicht nur schöne Haare machen glücklich.

Über die Autorin
Redaktion Haltern
Haltern am See ist für mich Heimat. Hier lebe ich gern und hier arbeite ich gern: Als Redakteurin interessieren mich die Menschen mit ihren spannenden Lebensgeschichten sowie ebenso das gesellschaftliche und politische Geschehen, das nicht nur um Haltern kreist, sondern vielfach auch weltwärts gerichtet ist.
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Elisabeth Schrief
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