Im Testzentrum Galen-Park hat man auf die kalten Umgebungstemperaturen mit einer Wärmebox reagiert. © Jürgen Wolter

Positiv oder doch nicht? – Temperaturen wirken sich auf Schnelltests aus

Corona-Schnelltests unter freiem Himmel können unter Umständen ein falsches Ergebnis liefern. Grund sind unter anderem niedrige Temperaturen. Die Testzentren haben sich darauf eingestellt.

Nicht immer liefern Corona-Schnelltests verlässliche Resultate. „Das Problem ist, dass es draußen zu kalt ist. Und das kann das Ergebnis verfälschen – in den meisten Fällen wird es dann falsch positiv“, erklärt Lars Heining,

Chefarzt am Katholischen Klinikum Ruhrgebiet Nord (KKRN), zu dem auch das Sixtus-Krankenhaus gehört. Heining ist unter anderem für den Bereich Innere Medizin und Pneumologie zuständig.

Chefarzt empfiehlt erneuten Test

Er erzählt: „Die Familie einer Mitarbeiterin hatte einen Test im Garten gemacht. Da war es etwa 2 Grad kalt. Die Ergebnisse fielen anders aus als bei den Schnelltests, die drinnen gemacht wurden.“ Heining rät daher: Man sollte ein positives Testergebnis, das bei wenigen Plusgraden entstanden ist, prüfen lassen. Sei es durch einen zweiten Schnelltest oder durch einen PCR-Test.

Allerdings sollte man das Testen auch nicht übertreiben. „Zwar tragen die Menschen, die die Tests abnehmen, Schutzkleidung, aber wenn ein möglicher Infizierter dann doch mal niest oder hustet, ist eine Ansteckung möglich“, erklärt der Chefarzt.

Testzentrum am Galen-Park legt sich Wärmebox zu

Zuletzt zeigte eine Studie der Charité in Berlin, dass „die Tests bei Kälte an Spezifität verlieren. Das bedeutet, dass es ein falsch positives Ergebnis geben kann“, sagte Jan Felix Drexler, Virologe und Leiter der Untersuchung, die die Ergebnisse von Schnelltests geprüft hat.

Die Temperatur-Problematik bestätigt auch Peter Münch von SG Medical Solutions. Das Unternehmen betreibt das Testzentrum am Galen-Park. „Wir haben zu Beginn festgestellt, dass es derzeit für optimale Testbedingungen zu kalt ist und haben uns daher eine Wärmebox zugelegt, die an ein Heizsystem angeschlossen ist. Damit wollen wir zuverlässigere Testergebnisse erzielen.“

Bis zu 30 Prozent können falsch positiv sein

Bisher wurden im Testzentrum am Galen-Park 1200 Tests durchgeführt. Drei davon waren positiv. Jedoch stellten sich diese im Nachhinein durch einen PCR-Test als negativ heraus. Münch erklärt: „Ein negatives Ergebnis ist zu 98 Prozent auch tatsächlich negativ. Ein positives Ergebnis kann bei bis zu 30 Prozent falsch positiv sein.“ Der Positivtest kann sich beispielsweise auch auf andere Viren oder Erkrankungen beziehen.

Die Quote von 30 Prozent möglicher falsch positiver Tests ist allerdings nicht verbindlich. Sie hängt vom jeweiligen Schnelltest ab, der verwendet wird. Patrick Schürhoff, der für das Drive-In-Schnelltestzentrum an der Seestadthalle verantwortlich ist, sagt: „Wir haben etwa in einem von 25 Fällen ein falsches positives Ergebnis. Bei einem uneindeutigen Ergebnis machen wir die Gegenprobe. Wenn diese immer noch positiv ist, folgt ein PCR-Test.“

Positivquote unter einem Prozent

Schürhoff weiß von dem Temperaturproblem. „Wir nehmen einen Rachenabstrich durch die Nase. Der ist zwar unangenehm, aber so können viele Fehlerquellen ausgeschlossen werden. Daher sind unsere Tests zuverlässig.“

Im Drive-In-Schnelltestzentrum werden an Werktagen etwa 220 bis 240 Tests durchgeführt, an Wochenenden etwa 300. Bisher lag die Positivquote bei unter einem Prozent, sagt der Betreiber.

Cola und Rotwein können für falsches Ergebnis sorgen

KKRN-Chefarzt Lars Heining empfiehlt bei Schnell- und Selbsttests immer, die Packungsbeilage zu lesen. Zudem fügt er an: „Wenn jemand vor dem Test Cola oder Rotwein getrunken oder aus der Nase geblutet hat, kann sich das Testergebnis auch verfälschen.“

Bei Cola und Rotwein liegt das am hohen Säuregehalt. Die Säure könne die Eiweiße auf dem Teststreifen zersetzen, an denen eigentlich die Eiweiße des Virus andocken sollen.

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Gebürtiger Brandenburger. Hat Evangelische Theologie studiert. Wollte aber schon von klein auf Journalist werden, weil er stets neugierig war und nervige Fragen stellte. Arbeitet gern an verbrauchernahen Themen, damit die Leute da draußen besser informiert sind.
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Maximilian Konrad

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