Museums-Praktikant Nico Calmund (19): „Und dann hatte ich den Dolch auf der Schaufel“

hzLWL-Römermuseum Haltern

Ein Praktikant der Nasa entdeckte neulich einen neuen Planeten. Auch in Haltern machte ein Praktikant einen Sensationsfund: Er fand einen antiken römischen Dolch. Archäologen sind begeistert.

Haltern

, 14.02.2020, 16:27 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Nachricht entzückt die Fachwelt: In Haltern am See haben Archäologen im vergangenen Jahr einen ungewöhnlich gut erhaltenen römischen Militärdolch samt Waffengürtel entdeckt. Die 2000 Jahre alten Artefakte seien wegen ihres guten Zustandes europaweit einzigartig, heißt es.

Museums-Praktikant Nico Calmund (19): „Und dann hatte ich den Dolch auf der Schaufel“

Nico Calmund betrachtet die restaurierte Waffe gemeinsam mit Restaurator Eugen Müsch vom LWL. © LWL/Carolin Steimer

Aus dem Boden geholt hat den Dolch kein studierter Archäologe, sondern ein Praktikant - Nico Calmund aus Lüdinghausen. Er machte im vergangenen Jahr ein Praktikum im Halterner LWL-Römermuseum und war hauptsächlich für die Ausgrabungsarbeiten im römischen Gräberfeld eingeteilt. Knapp ein Jahr nach dem Fund sitzt der heute 19-Jährige im Cafébereich des Museums und spricht über den Tag, an dem er den Dolch entdeckte.

„Normalerweise findet man dort Keramik“

Die Arbeit habe ganz routiniert angefangen, sie seien auf einem mittlerweile bebauten Privatgrundstück in Haltern im Einsatz gewesen. Nach einem ersten Grabungsschnitt habe man sich das Profil des Bodens angeschaut, und daran schon Ablagerungen gesehen, sagt Nico Calmund. „Normalerweise findet man dort aber hauptsächlich Keramik.“ Ein Detektor habe vorher nichts aus Metall angezeigt. Er habe dann die Schaufel genommen und die Erde hochgenommen. „Und dann hatte ich den Dolch auf der Schaufel, das war sensationell“, erzählt er voller Begeisterung. Dass das etwas Besonderes war, hätten alle sofort gewusst. Auch wenn das rostbraune Ding, das er auf der Schaufel hatte, völlig korrodiert gewesen sei. „Die Form war eindeutig ein Dolch.“

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Der Sensationsfund aus Haltern in Bildern

Einen außergewöhnlichen Fund präsentierten LWL-Archäologen nun in Münster: Ein 2000 Jahre alter Dolch wurde in Haltern entdeckt und aufwendig restauriert.
14.02.2020
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So kam der Dolch aus der Erde.© LWL/Josef Mühlenbrock
Blockbergung: Die vielen Einzelteile des Gürtels wurden mits-amt dem umgebenden Erdreich entnommen, um im Labor untersucht zu werden.© LWL/Jens Schubert
Restaurator Eugen Müsch präsentiert die von ihm restaurierte Waffe.
© LWL/C. Steimer
Der im Block geborgene Gürtel wurde geröntgt, um einen ersten Eindruck von seinem Zustand zu gewinnen.© LWL/Eugen Müsch
Rekonstruktionsversuch: So könnte der Dolch mit dem Gürtel im Graben des römischen Grabhügels gelegen haben.
© LWL/Grafik Elif Siebenpfeiffer
LWL-Römerexpertin Dr. Bettina Tremmel, LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger, LWL-Restaurator Eugen Müsch und LWL-Chefarchäologie Prof. Dr. Michael M. Rind präsentieren den außerordentlichen römischen Fund am Freitag erstmals der Öffentlichkeit (v. l.).

© LWL/ C. Steimer
Der Waffengürtel ist für die Archäologen von ebenso großer Bedeutung wie der Dolch. © dpa
Der Dolch besitzt Einlagen aus rotem Email und ebenfalls rotem, echtem Glas. © dpa
Vorsichtig wurde der Dolch bei der Restaurierung aus der Holzscheide entfernt.© dpa
Finder Nico Calmund und LWL-Restaurator Eugen Müsch sind stolz auf ihre Arbeit.© LWL/C.Steimer

Die Leiterin der Ausgrabung, LWL-Archäologin Dr. Bettina Tremmel, habe dann übernommen. Im Boden steckten noch die metallenen Plättchen des Waffengürtels. Der ganze Block wurde dann zur weiteren Untersuchung von den Restauratoren komplett aus dem Boden gehoben.

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LWL präsentiert 2000 Jahre alten Dolch eines Legionärs aus Haltern

Der römische Dolch ist jedoch nicht das erste bedeutende Fundstück, an dessen Entdeckung der Praktikant beteiligt war. „Nico ist unser Trüffelschwein“, scherzt LWL-Museumsdirektor Dr. Josef Mühlenbrock. „Er sollte immer bei den Ausgrabungen dabei sein.“ Bei einem weiteren der insgesamt drei Praktika, die er im Museum absolvierte, fand Nico Calmund zwei ineinandergesteckte römische Helme - kein Allerweltsfund. „Ich war einfach zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort“, entgegnet Nico Calmund bescheiden.

Museums-Praktikant Nico Calmund (19): „Und dann hatte ich den Dolch auf der Schaufel“

Im Oktober 2018 stellte sich Nico Calmund mit weiteren Laiendarstellern als einer der „Römer für Aliso“ vor, die besondere Aktionen des Römermuseums begleiten. © Ingrid Wielens (Archiv)

Schon als Kind hätten seine Eltern bei ihm das Interesse für Archäologie geweckt, sie seien mit ihm viel in Museen gegangen, und durch die Nähe zum Römermuseum habe er sich irgendwann am meisten für die Römische Geschichte interessiert. „Bei Schnuppertagen habe ich die Archäologen oft angesprochen“, sagt Nico Calmund. Mehrere Schulpraktika im Museum folgten. 2018 habe ihn dann Bettina Tremmel gefragt, ob er bei den Ausgrabungen dabei sein wolle.

Seit zwei Jahren macht er zudem bei dem Projekt „Römer für Aliso“ mit, und ist einer der Laiendarsteller, die an Aktionstagen als römische Soldaten auftreten. Teile der Ausrüstung fertigen die Teilnehmer selbst an, darunter auch den Waffengürtel, an dem der Dolch befestigt ist. Das sogenannte „Cingulum“ ist ein Lederband mit verzinnten Plättchen aus Metall und kunstvollen Verzierungen, die die Waffe am Gürtel halten. Eben jenes Cingulum, was bei den Arbeiten im Original gefunden wurde.

Museums-Praktikant Nico Calmund (19): „Und dann hatte ich den Dolch auf der Schaufel“

Nico Calmund zeigt das „Cingulum“, den Waffengürtel, den er zurzeit nach antikem Vorbild fertigt. © Ilka Bärwald

Der Weg in die Archäologie scheint für Nico Calmund vorgezeichnet - doch so ganz sicher ist er sich noch nicht. Zurzeit macht er in Bochum eine Ausbildung zum geowissenschaftlichen Präparator. „Vielleicht studiere ich auch Geowissenschaften.“ Ein weiteres Praktikum im Römermuseum ist aber auf jeden Fall eingeplant - im Boden gibt es noch viel zu entdecken.

Vortrag über römische Uniformen

Am Sonntag (16. Februar) um 17 Uhr gibt es im LWL-Römermuseum einen öffentlichen Vortrag, der thematisch gut passt: Unter dem Titel „Gut gerüstet an Rhein und Lippe - Tracht und Ausrüstung der römischen Soldaten zur Zeit des Augustus“ will Dr. Boris Alexander Burandt (Postdoktorand an der Goethe-Universität Frankfurt am Main) mit gängigen Klischees aufräumen und den neuesten Forschungsstand präsentieren. Dauer: ca. 1,5 Stunden, Eintritt frei.
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