Ist es schwieriger, Praktikumsplätze zu finden? Schulen und Unternehmen machen teils unterschiedliche Angaben.

Haltern

, 10.10.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Praktika gehören zum deutschen Schulsystem wie Kreide und Tafel. Wird es durch die Coronavirus-bedingte Krise für die Schüler aber schwieriger, Praktikumsstellen zu finden? Das bestätigten einige Halterner Schulleiter. Andere berichten wiederum von anderen Erfahrungen. Und was sagen die Unternehmen selber?

Zwei Praktika stehen für die Schüler der Alexander-Lebenstein-Realschule im Schuljahr 2020/21 noch auf dem Programm. Drei Tage sollen die Achtklässler im Mai Einblicke in Betriebe erhalten, und die Neuntklässler drei Wochen im Januar/Februar. Doch ob alles wie erhofft funktioniert, steht noch nicht fest.

Negative Rückmeldungen von Eltern

„Wir haben von einigen Eltern die Rückmeldung erhalten, dass es momentan nicht einfach sei, einen Praktikumsplatz zu bekommen“, sagt Frank Cremer, Schulleiter der Realschule. Die Betriebe würden – aus Gründen, die der Schulleiter verstehen kann – mit ihren Zusagen warten. Sie wollen erst sehen, wie sich die Lage entwickelt.

Zu diesem Zeitpunkt hätten im Normalfall ein Großteil der Schüler ihren Praktikumsplatz sicher. Nun ist es so, dass viele noch auf Zusagen warten müssen.

Cremer bleibt entspannt, was die Praktikumsfrage betrifft. Doch was tun, wenn kurz vor Toresschluss immer noch ein beachtlicher Teil der Kinder auf einen Platz wartet? „Dann müssen wir sehen, wie wir verfahren.“ Eine wirkliche Lösung hat der Schulleiter noch nicht. Eine mögliche kann aber sein, in Kooperationen mit verschiedenen Betrieben zu arbeiten.

Viele Praktika absolvieren im Normalfall auch die Schüler der Joseph-Hennewig-Gemeinschaftshauptschule in Haltern. Die Zehntklässler haben bereits nach den Sommerferien einige abgeschlossen, die Neuntklässler sind im März dran. Von Problemen, Praktikumsplätze zu finden, kann Schulleiterin Dagmar Perret aber nicht sprechen. „Im Augenblick war und ist es sehr unproblematisch.“

Gymnasium hat die Praktikumszeit verschoben: „Zur Zeit nicht vorstellbar“

Am Joseph-König-Gymnasium ist die Praktikumszeit wegen Corona dagegen von den ersten zwei Wochen nach den Sommerferien auf die beiden Wochen nach den Osterferien 2021 verschoben worden. Alle Gymnasiasten hatten Plätze, die ihnen wahrscheinlich auch im kommenden Jahr zur Verfügung stehen. Aber Schulleiter Ulrich Wessel bleibt zurückhaltend: „Natürlich müssen wir schauen, wie sich die Corona-Pandemie entwickelt.“

Auf keinen Fall wolle das Gymnasium Betriebe bedrängen, denn diese hätten schließlich mit rigiden Einschränkungen zu kämpfen und ließen nicht gern Fremde in ihre Werkstätten und Büros. „Zurzeit jedenfalls ist kein Praktikum vorstellbar“, findet Ulrich Wessel.

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Am Gymnasium werden die Schüler in den 9. Klassen auf das Praktikum vorbereitet, nach dem Wechsel in die Zehn gehen sie in die Unternehmen. Grundsätzlich besitzen diese Praktika einen hohen Stellenwert an den Schulen. Gestaltet werden sie landesweit unter dem Titel „Kein Abschluss ohne Anschluss“. Jugendliche sollen frühzeitig bei der beruflichen Orientierung, bei der Berufswahl und beim Eintritt in Ausbildung oder Studium Unterstützung erhalten. Ziel ist, rasch eine Anschlussperspektive zu bieten.

Praktika sind für die Unternehmen nach wie vor wichtig

Doch wie sehen die Unternehmen die Situation selber? Das BMW-Autohaus Engelmeier & Co.KG sagte in den vergangenen Monaten seinen Praktikanten ab, möchte in Zukunft aber wieder welche aufnehmen. Die Glaserei Fimpeler in Haltern nimmt weiterhin Praktikanten auf. Der Grund ist einfach, sagt Claudia Völkering: „Über Praktikumsstellen finden wir zuweilen Auszubildende.“

Derzeit beschäftigt der Betrieb einen Praktikanten, Anfang des Jahres kommt der nächste. „Deswegen würden wir zurzeit keine weiteren annehmen“, so Völkering. „Aber grundsätzlich sind wir nicht abgeneigt.“
Peter Heckmann, Inhaber des Modehauses Heckmann, würde ebenfalls Praktikanten aufnehmen. Wichtig ist immer eins: „Die Praktikanten müssen Lust auf Klamotten haben.“ Er fügt hinzu: „Wenn wir Zeit haben, sie zu betreuen, nehmen wir sie auf.“

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Ähnliches sagt auch Georg Bockey, Sprecher der Stadtverwaltung: „Wir bewerten alle Praktikumsanfragen jeweils im Einzelfall. Eine Zusage erfolgt, wenn eine Betreuung und angemessene räumliche Unterbringung in den betroffenen Fachbereichen möglich ist.“

Wie sich die Situation bei eventuell weiter steigenden Corona-Fallzahlen in den Unternehmen entwickelt, bleibt allerdings auch ungewiss.

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