RAG bohrt für ihre Aufgabe, Grubenwasser von Trinkwasser fernzuhalten

hzSchacht AV 8

Seit Monaten wird auf dem Parkplatz von Schacht AV 8 gebohrt, zum Teil sogar Tag und Nacht. Auftraggeber ist die RAG Aktiengesellschaft. Es geht um sauberes Grundwasser nach dem Kohleabbau.

Haltern, Lippramsdorf

, 09.08.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Bergbau ist zu Ende, aber es bleiben Ewigkeitsaufgaben. Dazu gehört der Schutz des Grundwassers, wenn das Grubenwasser ansteigt. Deshalb verantwortet die RAG ein Grundwassermonitoring auf ihren zuvor industriell genutzten Flächen: Die RAG hat mehrer Messstellen eingerichtet, um regelmäßig Daten zu den Gruben- und Grundwasserständen zu gewinnen. Drei Messstellen entstehen gerade am Schacht Auguste Viktoria 8 in Lippramsdorf.

Im September 2019 baute eine Firma aus dem Münsterland den Bohrplatz auf dem ehemaligen Parkplatz zwischen Lippe und Bergwerksgelände auf, um dann - wie es der Abschlussbetriebsplan vorsieht - Grundwassermessstellen einzurichten. Es geht kontinuierlich um die Frage: Hat das ansteigende Grubenwasser Auswirkungen auf die Grundwasserleiter? In der Nachbergbauzeit gilt es auszuschließen, dass sich Grubenwasser mit dem Oberflächen nahen, als Trinkwasser genutzten Grundwasser vermischt.

Abpumpen und Regulieren bleibt Ewigkeitsaufgabe

Das Grubenwasser versiegt nach Beendigung des Bergbaus nicht. Das fließende und steigende Wasser löst dabei im Gestein auch Sedimente und Mineralien, zum Beispiel Salze. Deshalb wird der Kontakt mit höher gelegenen, trinkwasserführenden Schichten im Erdreich verhindert. Das Abpumpen und Regulieren des Grubenwassers bleibt für die RAG eine „Ewigkeitsaufgabe“.

Eine Spezialfirma bohrt im Schatten des prägnanten AV Turms.

Eine Spezialfirma bohrt im Schatten des prägnanten AV Turms. © Elisabeth Schrief

Die Bohrungen in Lippramsdorf sind nach der Flur, auf der sie stattfinden, benannt: Pferdekamp 1, 2 und 3. Auftraggeber ist die RAG Aktiengesellschaft, die Fachbauleitung hat ein Büro für Geotechnik aus Kamen.

Die erste Bohrung (Pferdekamp 2) in der sogenannten Recklinghäuser Formation bis in eine Tiefe von 355 Metern ist fertig. Diese Gesteinsschicht ist ein Grundwasserleiter und teilweise mit der Haltern Formation verbunden.

Die tiefste Bohrung reicht bis zum Emscher Mergel

Weitaus tiefer, nämlich auf eine Tiefe von 780 Metern, fraß sich der Bohrmeißel im Bereich Pferdekamp 1 durch den Emscher Mergel in die Erde. „Hier haben wir Tests gemacht, um die Dichtigkeit dieses Schichtpakets zu beweisen“, erklärt die verantwortliche Geowissenschaftlerin Christine von Kleinsorgen. Bei Emscher-Mergel handelt es sich um eine bis zu 600 Meter mächtige, sehr homogene tonig-kalkige wasserundurchlässige Schutzschicht. Diese verhindert, dass Grubenwasser mit Grundwasser in Berührung komme. Für diese Bohrstelle wurde gerade das Material (Filter und Edelstahlrohre) für den Ausbau angeliefert.

In der frühreren Imbiss-Stube sind die Bohrproben gelagert.

In der frühreren Imbiss-Stube sind die Bohrproben gelagert. © Elisabeth Schrief

Diese Bohrung wurde mit einer Sondergenehmigung der Bezirksregierung Arnsberg im 24-Stunden-Betrieb niedergebracht. Hier herrschen andere Druckverhältnisse. Bei Unterbrechungen hätte die Gefahr bestanden, dass sich das Gebirge immer wieder zurück ins Bohrloch drängt, erklärt dazu Christine von Kleinsorgen.

Ende September sind die Bohrungen abgeschlossen

Pferdekamp 3 ist mit 90 Metern die flachste Bohrung. Sie liegt in der Haltern Formation, aus diesen bis zu 300 Meter mächtigen Sanden wird Trinkwasser gewonnen. Hier laufen die Arbeiten seit dem 4. August ausschließlich im Tagesbetrieb.

Ende September werden die Bohrungen am Schachtgelände komplett abgeschlossen sein. Zurück bleiben die Messstellen, die mit einer Art Gullideckel verschlossen werden. Den Spaziergängern an der Lippe liegen sie zu Füßen, sie sind ansonsten nicht weiter sichtbar.

Die Baustelle wird aktuell regelmäßig von Behörden und der Feuerwehr auf ihre Sicherheit hin überprüft. Außerdem wird sie rund um die Uhr überwacht.

Diese Arbeiten in Lippramsdorf sind nur ein kleiner Teil einer viel größeren Maßnahme, die das gesamte Ruhrgebiet betrifft. Im Kern geht es um ein umfassendes Monitoring-System, das beispielsweise Auskunft über die Zusammensetzung und die Fließrichtung des Grubenwassers gibt.

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