Dietmar Schröder entschuldigt sich für seinen Post auf Facebook, der ihm einen Shitstorm eingebracht hat. © Silvia Wiethoff
Shitstorm

Rassismus-Vorwurf: Halterner Imbissbetreiber erntet Facebook-Shitstorm

Der Inhaber des Schlemmergrills in Haltern wollte mit einem Post auf Facebook witzig sein, hat aber die Grenze zum Rassismus überschritten. Das Netz antwortet mit einem Shitstorm.

Dietmar Schröder holt in seinem Imbiss an der Glashütte Fritten aus dem heißen Fett und legt sie neben eine Currywurst. Der 58-Jährige hat schlecht geschlafen und ist „fix und fertig“, wie er sagt. Ein Facebook-Post mit Werbung für eines seiner Tagesgerichte im Schlemmergrill an der Recklinghäuser Straße in Haltern ist total daneben gegangen.

Von einem „Zigeunerschnitzel“ ist darin die Rede, und es wird der Begriff „Rotationseuropäer“ verwendet. Das ist noch die harmlose Umschreibung einer rassistischen Sprachentgleisung, die dem Imbissbetreiber einen Shitstorm auf Facebook eingebracht hat. So richtig kann der Halterner das noch immer nicht fassen.

Dietmar Schröder wollte schwarzen Humor zeigen

Eigentlich wollte er witzig sein und mit einem lockeren Spruch auf sein Angebot aufmerksam machen. Dass seine Äußerungen allerdings nicht unter der Kategorie „schwarzer Humor“ einfach abgehakt werden können, ist Dietmar Schröder erst vor Augen geführt worden, als im Netz die Kritik daran explodierte.

Als er den diskriminierenden Post löschte, war es schon zu spät. Er geistert durch die digitale Welt. Dietmar Schröder hat sich mittlerweile in einem neuen Facebook-Beitrag entschuldigt. Beim Besuch der Redaktion in seinem Grill sagt er: „Ich verurteile Rassismus. Meine Freunde sind unterschiedlicher Herkunft. Meine Kunden kommen aus der ganzen Welt. Ich lebe doch von ihnen. Niemals wollte ich sie beleidigen.“

Kunden haben sich vom Schlemmergrill abgewendet

Den Inhalt seines Facebook-Posts, der bei so vielen Menschen Empörung hervorgerufen hat, hatte er sich nicht einmal selbst ausgedacht. „Ich hatte ihn von einer Speisekarte eines Gasthauses kopiert“, gesteht Dietmar Schröder. Mit der Inhaberin des Lokals im südlichen Schwarzwald hat er nun telefoniert.

Die Wirtin hat ihm erzählt, dass ihre Schnitzelwerbung einige Wochen ohne Reaktion von Gästen in der Speisekarte gestanden hätte. Dann habe sich ein Gast beschwert und kurz danach sei sogar die Polizei im Gasthaus aufgetaucht.

Dietmar Schröder hofft, dass seine Entschuldigung bei den Kunden ankommt. Mit einer Reihe von schlechten Google-Bewertungen aufgrund des Vorfalls muss er jetzt leben.

Seine Speisekarte muss er vielleicht noch überarbeiten. „Zigeunerschnitzel“ ist nämlich immer noch im Angebot. Politisch korrekt ist diese Bezeichnung nicht, auch wenn es sich um ein Traditionsessen handelt.

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Redaktion Haltern
Jeder Mensch hat eine Geschichte zu erzählen und hinter jeder Zahl steckt eine ganze Welt. Das macht den Journalismus für mich so spannend. Mein Alltag im Lokalen ist voller Begegnungen und manchmal Überraschungen. Gibt es etwas Schöneres?
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Silvia Wiethoff
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