Rattengift und Mähroboter: Halternerin warnt vor Gefahren für Igel

hz Igel-Gefahren

Die Halternerin Eva Osuch päppelt seit 30 Jahren schwache Igel auf. Vor einigen Wochen hat sie einen Igel im Garten ihres Vaters gesehen: Stark und kräftig, doch am nächsten Tag war er tot.

Haltern

, 17.08.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eva Osuch hat ein Auge für die kleinen, stacheligen Tiere, die sich gerne bei ihr im Garten in der Halterner Stadtmitte in der Nähe der Sundernstraße verstecken. Vor einigen Wochen, Ende Juni, entdeckte sie dann ein „echtes Prachtstück von Igel“ im Garten ihres Vaters in der Nähe. „Da war er noch quicklebendig und relativ groß - der hätte es auf jeden Fall auch ohne Füttern oder andere Hilfe geschafft“, erinnert sie sich.

„Aber am nächsten Tag lag er dann dort tot. Das war irgendwie ein richtiger Schock.“ Eva Osuch weiß nicht, weshalb der Igel so plötzlich gestorben ist, aber sie glaubt nicht, dass er krank war, da er so stark und kräftig wirkte. „Vielleicht war es Rattengift“, meint sie. Doch alle Nachbarn, die sie angesprochen habe, hätten kein Rattengift ausgelegt.

Igel im Keller überwintern

Die 53-jährige Halternerin macht sich schon seit längerem Sorgen um die Igel. Mit Anfang 20 habe sie das erste Mal einen schwachen Igel gefunden und zur damaligen Igelstation nach Dorsten gebracht. Über die Jahre half sie in ihrem Keller immer wieder schwachen Igeln über den Winter, und bekam irgendwann vom Tierarzt, der die kranken Igel behandelte, noch zusätzliche Igel, die andere Menschen gefunden hatten. Im Frühjahr wilderte sie die Tiere dann wieder aus. „Igel schaffen das ganz gut, sich dann wieder neu in der freien Natur zu orientieren“, sagt sie.

Rattengift, Mährroboter, Feuer und Steingärten

Vor zwei Jahren besuchte sie dann ein Igel-Fachseminar des Igelschutzvereins „Pro Igel“ und erkennt mittlerweile auch typische Krankheiten wie Lungen- oder Darmwürmer und kann die Tiere dagegen selbst spritzen. Doch neben den Krankheiten sei die zunehmende Gefahr für die Igel durch die Menschen gemacht: Rundherum zugemauerte Gärten ohne Schlupflöcher, die die Igel zwingen, über befahrene Straßen statt durch die Gärten zu laufen. Verstreutes Rattengift oder andere Pestizide, die auch den Tieren schaden. Mährroboter, die die Igel bei einer hoch eingestellten Schnitthöhe manchmal zu spät erkennen - gerade, wenn sie noch bei Einbruch der Dunkelheit eingeschaltet sind.

Den Igel, den Eva Osuch hier auf dem Arm hält, hatte sie im November 2019 mit einem Körpergewicht von nur 190 Gramm gefunden. Mit 1100 Gramm konnte sie ihn dann im Frühling wieder in die freie Natur entlassen.

Den Igel, den Eva Osuch hier auf dem Arm hält, hatte sie im November 2019 mit einem Körpergewicht von nur 190 Gramm gefunden. Mit 1100 Gramm konnte sie ihn dann im Frühling wieder in die freie Natur entlassen. © Eva Osuch

„Vor einiger Zeit habe ich einen Igel wieder aufgepäppelt, der auch eine Verletzung durch so einen Mähroboter hatte“, erzählt Eva Osuch. Eine andere Gefahr bestehe, wenn Holz für ein Feuer über einen längeren Zeitraum aufgeschichtet und sei und dann angezündet werde, wenn sich möglicherweise schon ein Igel darunter versteckt haben könnte.

Tipps für Igelfreunde

Anderen Gartenbesitzern, die ihr Grundstück möglichst Igel-freundlich gestalten wollen, rät Osuch, Schlupflöcher im Zaun zu lassen und den Garten möglichst wenig aufzuräumen. „Steingärten gehen natürlich gar nicht“, meint sie. „Optimal ist es, wenn man den Igeln Unterschlüpfe bereitstellt, zum Beispiel mit einem Reisighaufen, einem Stück Rohr oder einfach einem an die Wand angelehnten Brett.“

Zwar sehe man im Frühling und Herbst öfter Igel, da sie dann vermehrt auf Nahrungssuche gingen, doch auch im Sommer sei es für die Igel manchmal schwierig, genügend Nahrung zu finden. Deswegen empfiehlt Osuch Blumenwiesen im Garten, wo sich Insekten wohl fühlen, die die Igel dann fressen können. Alternativ könne man am Abend Igeltrockenfutter aus der Tierhandlung in den Garten stellen.

In einer solchen Holzkiste, gefüllt mit Stroh und alten Zeitungen, überwintert Eva Osuch die Igel.

In einer solchen Holzkiste, gefüllt mit Stroh und alten Zeitungen, überwintert Eva Osuch die Igel. © Eva Osuch

Und selbst über gekochtes Ei, gebratenes Rinderhack mit Ei oder Avocadostückchen freuen sich die kleinen Insektenfresser, meint Osuch.

„Da Igel nachtaktiv sind, sollten sie tagsüber nicht herumlaufen, das wäre ein Zeichen, dass irgendetwas mit dem Igel nicht stimmt“, sagt Osuch. Wer einen stark geschwächten oder verletzten Igel findet, sollte den zum Tierarzt bringen und sich auf der Webseite des Igelschutzvereins informieren, wie genau Igeln geholfen werden kann.

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