Homeoffice, Homeschooling und dann noch der Haushalt - viele Mütter sind schon seit Monaten extrem belastet. © dpa
Kuren des Müttergenesungswerks

Raus aus dem Hamsterrad: Caritas hilft Familien – Frauen stark betroffen

Corona setzt den Familien schwer zu. Homeschooling, Homeoffice - insbesondere Mütter leiden nach Angaben der Caritas unter der Krise. Das Müttergenesungswerk soll Abhilfe schaffen.

Das Müttergenesungswerk gewinnt an Bedeutung. Seit mehr als 70 Jahren unterstützt die Einrichtung der Elly-Heuss-Knapp-Stiftung Mütter und Väter. In Zeiten von Corona werden Mütterkuren aber immer häufiger nachgefragt, stellen die Beratungsstellen fest. „In dieser Zeit wird mir klar, dass die Kuren wichtiger denn je sind“, sagt Silke Petersen von der Beratungsstelle des Caritasverbands Ostvest in Haltern. Familien seien zurzeit besonders hohen Belastungen ausgesetzt.

Schulen und Kitas sind überwiegend geschlossen oder in Notbesetzung geöffnet. Kinder müssen zu Hause bleiben. Wegen des Kontaktverbots können Eltern nicht auf die Hilfe der Großeltern zurückgreifen. Hinzu kommt das Homeschooling. Und dann ist da noch der eigene Job, dem man im Homeoffice nachgeht. Nicht zu vergessen der Haushalt. Solche Situationen führen in einigen Familien zu Überlastung und Erschöpfung.

Die Nachfrage steigt seit einigen Monate enorm

Die Frauen trifft es nach Angaben der Caritas-Mitarbeiterin besonders. „Die Hauptlast liegt bei ihnen“, betont Silke Petersen. Sie kämen aus allen Berufsgruppen – Überlastung ist nicht zwingend ein soziales Problem. Mehr als 600 Beratungsgespräche hat Petersen in den vergangenen beiden Jahren geführt, rund 140 Anträge gestellt, 125 Müttern, zwei Vätern und rund 190 Kindern geholfen. Die Zahl der Beratungen sei 2020 mit 201 zwar zunächst eingebrochen, weil die Verunsicherung wegen der Corona-Krise zu hoch und Kliniken zunächst geschlossen gewesen seien. „Seit ein paar Monaten stellen wir aber eine enorm hohe Nachfrage fest“, sagt Petersen.

Silke Petersen hilft bei der Vermittlung von Mütterkuren. © Caritas Ostvest © Caritas Ostvest

Die Sozialpädagogin berät und hilft dabei, einen Platz in einer Klinik des Müttergenesungswerks zu finden. In Haltern ist das Caritas-Zentrum die einzige Beratungs- und Vermittlungsstelle für Mütterkuren.


Zur Ruhe kommen und sich verwöhnen lassen

21 Tage lang raus aus dem Hamsterrad, einmal richtig zur Ruhe kommen und entspannen – das ist das Ziel der Kur. Je nach Klinik gibt es auch besondere Schwerpunkte – beispielsweise Diabetes, Trauerbegleitung, Migräne, Gewichtsreduzierung.

Ansonsten stehen unter anderem Sport, Ernährung, psychologische Beratung und Entspannungstechniken, aber auch gemeinsame Aktivitäten auf Wunsch auf der Tagesordnung. „Und das besonders Schöne an der Kur ist, dass die Mutter sich um nichts kümmern muss, sich an den gedeckten Tisch setzen und verwöhnen lassen kann“, erklärt Silke Petersen. Die Mütterkuren sind, anders als man wegen der Bezeichnung meinen möchte, auch für Väter offen. Es gibt sogar spezielle Kurkliniken für sie. „Der Anteil der Väter ist aber sehr gering“, sagt Petersen. Auch pflegende Angehörige gehören zum Kreis der Kur-Berechtigten.

Online-Beratung in der Corona-Krise

Die Beratungsgespräche müssen derzeit wegen der Pandemie telefonisch oder online stattfinden. Petersen bedauert, auf den direkten Kontakt im Büro verzichten zu müssen. „Im direkten Gespräch lässt es sich einfach besser sprechen. Man spürt sehr schnell, was los ist, wo die Probleme liegen.“

Die Antragsunterlagen werden zugeschickt. Erforderlich ist auch ein ärztliches Attest (z. B. Angst-, Schlaf- oder Essstörungen, Burnout). Die Caritas-Beratungsstelle stellt dann den Antrag an die Krankenkasse und ist bei negativem Bescheid auch beim Widerspruch behilflich. „In der Regel geht der Antrag nach dem Widerspruch durch und die Kassen übernehmen schließlich doch die Kosten“, weiß Silke Petersen. Der Eigenanteil beträgt 10 Euro pro Tag. Bei ganz geringem Einkommen kann ein Antrag auf Befreiung von der Zuzahlung erfolgen.

Corona sorgt auch für längere Wartezeiten. Petersen: „Vor der Corona-Pandemie betrug die Wartezeit auf eine Kur vier bis fünf Monate, heute dagegen einige Monate mehr.“ Wolle man ohne Kind in die Kur, müsse man sogar mehr als ein Jahr warten. „Es gibt hier zu wenig Kur-Plätze.“ Weil die Kliniken vorübergehend wegen Corona geschlossen waren und inzwischen mit den erforderlichen Hygienemaßnahmen umstrukturiert wurden, wuchs die Warteschlange entsprechend. Petersen: „Man muss Zeit und Geduld mitbringen.“

Das Warten lohnt sich offenbar. Drei Wochen Kur können viel bewirken. Das hat Silke Petersen bei vielen Frauen festgestellt. „Die meisten Mütter sind danach richtig happy.“

Caritas bittet um Spenden

  • Für viele Mütter und Väter ist es nach Angaben der Caritas schwierig, die zusätzlich erforderlichen Beträge für freiwillige Angebote wie Ausflüge, Wanderungen und Bastelarbeiten sowie das empfohlene Taschengeld in Höhe von 150 Euro aufzubringen. Die Beratungsstelle unterstützt (nach Bedürftigkeitsprüfung) mit Spenden, damit den Müttern und Vätern eine Teilnahme an den üblichen Angeboten ermöglicht werden kann.
  • Die Beratungsstelle bietet auch Angebote zur Nachsorge an und ist dabei auf Spenden angewiesen.
  • Das Spendenkonto: Caritasverband Ostvest e.V., DKM-Darlehnskasse Münster eG, IBAN: DE56 4006 0265 0004 0176 02, Verwendungszweck: Kur 220200
  • Die Kurberatung ist unter folgendem Link erreichbar: https://beratung.caritas.de/kurberatung
  • Silke Petersen ist im Caritas-Centrum Haltern am See (Sixtusstraße 39) unter der Telefonnummer 02364/109011 oder per Mail unter s.petersen@caritas-ostvest.de erreichbar.
Über die Autorin
Redaktion Haltern
Geboren in Dülmen, Journalistin, seit 1992 im Medienhaus Lensing - von Münster (Münstersche Zeitung) über Dortmund (Mantelredaktion Ruhr Nachrichten) nach Haltern am See. Diplom-Pädagogin und überzeugte Münsterländerin. Begeistert sich für die Menschen und das Geschehen vor Ort.
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Ingrid Wielens

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