Eine schwere Erkrankung zwang Helga Schmidt schon vor über zehn Jahren in die Erwerbslosigkeit. Ihre Rettung kam aus Haltern. © Janis Czymoch
Besondere Operation

Rettung aus Haltern: Arzt operierte Halternerin mithilfe von 3D-Drucker

Eine Halternerin erhält im St.-Sixtus neue Gelenke aus dem 3D-Drucker. Sie hofft auf das Ende ihrer Leidenszeit – bis es zum Unglück beim Kuraufenthalt kommt. Die Rettung erfolgt aus Haltern.

Jahrzehntelang litt die Halternerin Helga Schmidt (63) an einer immer schwerer werdenden Erkrankung, die sie vor 13 Jahren sogar dazu zwang, ihren Beruf als Verkäuferin im Einzelhandel aufzugeben. Viele unterschiedliche Behandlungsmethoden probierte sie aus, keine konnte ihre Schmerzen dauerhaft lindern. Ganz im Gegenteil, ihr Leid wurde immer schlimmer:

„Ich habe seit 25 Jahren mit der Arthrose zu tun und bekomme seit 13 Jahren eine Erwerbslosenrente“, erzählt Helga Schmidt. Ärzte hätten ihr immer wieder gesagt, dass die Technik, um ihr zu helfen, erst noch entwickelt werden müsste. Deswegen wurde die heute 63-Jährige selbst aktiv.

Meniskus Operation scheitert

Doch egal, welche Behandlungen sie für ihr lädiertes Knie ausprobierte, ob Naturheilklinik, Magnettherapie oder Blutegel auflegen, nichts davon konnte sie dauerhaft von ihren Schmerzen befreien. „Vielleicht war mal ein halbes Jahr Ruhe dabei, dann ging es von vorne los“, erzählt Helga Schmidt.

Im vergangenen Jahr sollte eine Meniskus-Operation ein weiterer Versuch sein, die Schmerzen in den Griff zu bekommen. Doch es blieb beim Versuch. „Insbesondere in der Nacht hatte ich auch Monate nach der OP noch unerträgliche Schmerzen. Es war kaum auszuhalten“, erinnert sich die 63-Jährige.

Also kontaktierte sie Dr. Ralf Asholt, der als Orthopäde Belegbetten im St.-Sixtus-Hospital hat. Schon im ersten Gespräch hätte der Arzt ihr vermittelt „Ganz klar, Frau Schmidt, wir werden sofort versuchen, ihnen zu helfen“ – was sie zu Tränen gerührt habe.

Halterner Orthopäde nutzt Instrumente aus dem 3D-Drucker

Der Halterner Orthopäde war der Meinung, dass die vorherigen Behandlungsversuche nicht ausreichend gewesen seien: „Die vorangegangene Operation am Meniskus von Frau Schmidt war nicht ausreichend und wir mussten eine andere Methode anwenden, um die Beschwerden zu bessern.“, erklärt Ralf Asholt.

Neue Gelenkoberflächen im Knie mussten her. Diese erstellte der Arzt auf eine ganz spezielle Art und Weise – nämlich mit einem 3D-Drucker. Eine Technik, die noch nicht lange im Einsatz ist. „Diese Kniegelenksprothesen werden erst seit etwa zwei Jahren angewendet“, sagt Ralf Asholt. Zusätzlich wurden auch die OP-Instrumente passend mit ausgedruckt.

Für diesen gesamten Prozess musste das komplette Bein der 63-Jährigen ausgemessen werden. „Diese interaktive 3D-Web-Planung garantierte eine absolut präzise Positionierung des Instrumentariums und damit auch der endgültigen Knieprothese“, erläutert der Halterner Arzt.

Nach dem Aufenthalt im St. Sixtus-Hospital folgt der nächste Schock

Nach der Operation im St.-Sixtus-Hospital durfte die Halternerin wegen der Corona-Auflagen nur einmal Besuch von ihrem Ehemann empfangen. „Die Schwestern haben sich aber sehr herzlich um mich gekümmert. Im St.-Sixtus-Hospital war es wirklich gut“, sagt Helga Schmidt.

Eine große Narbe bleibt Helga Schmidt von ihrer schweren Operation. Die neuen Gelenkoberflächen und OP-Instrumente wurden aus dem 3D-Drucker erstellt.
Eine große Narbe bleibt Helga Schmidt von ihrer schweren Operation. Die neuen Gelenkoberflächen und OP-Instrumente wurden aus dem 3D-Drucker erstellt. © Janis Czymoch © Janis Czymoch

Doch die Freude währte nur kurz: Als sie im Anschluss an ihren Krankenhausaufenthalt für eine 14-tägige Kur abgeholt wurde, sei sie falsch transportiert worden. „Ich habe geschrien vor Schmerzen“, erinnert sich die Halternerin.

Im Kurort angekommen blieben die Schmerzen. „Ich war wirklich am Boden zerstört“, sagt Helga Schmidt. Umso dankbarer war sie daraufhin über die Unterstützung von Dr. Asholt. „Halten Sie durch, wir lassen Sie nicht im Stich“, hieß es aus der Praxis am Telefon. Kurz darauf konnte sie zurück nach Hause und erhielt sofort einen Behandlungstermin.

„Das Gefühl, die Nachricht aus der Heimatstadt zu bekommen ‚Wir lassen Sie nicht alleine‘, hat mir viel Kraft gegeben. Mein Mann und ich wohnen jetzt seit 20 Jahren in der Stadt und man hat das Gefühl, Haltern ist wie eine große Familie“, sagt Helga Schmidt.

Deswegen wollte sich die Halternerin auch noch mal explizit beim St.-Sixtus-Hospital und Ralf Asholt bedanken.

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Ist passionierter und aktiver Sportler aus dem schönen Bergischen Land und seit 2011, ursprünglich wegen des Studiums, im Ruhrgebiet unterwegs. Liebt die Kommunikation mit Menschen im Allgemeinen und das Aufschreiben ihrer Geschichten im Speziellen.
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