Rudern mit 2000 Jahre alter Technik - Römerschiff „Victoria“ sticht auf Stausee in See

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Die Ruderblattverbindung brach, das acht Kilo schwere Ruder ging in die Arme, doch das hat Interessierte nicht davon abgehalten, ins antike Römerschiff „Victoria“ auf dem Stausee zu steigen.

Haltern

, 28.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Der hölzerne Schiffsrumpf ächzt und knarrt, wenn die „Victoria“ in See sticht. Am Samstag und am Sonntag lag der Nachbau eines römischen Patrouillenbootes, wie es in ähnlicher Form vor rund 2000 Jahren auf der Lippe verkehrt haben dürfte, auf dem Halterner Stausee. Und Gäste hatten die Möglichkeit, mitzurudern.

Normalerweise liegt die „Victoria“ auf dem Gelände des Römermuseums und kann dort besichtigt werden, wenn sie nicht mit der Stammbesatzung aus der 1. Römerkohorte Opladen unterwegs ist, die das Schiff bundesweit vorführt. Die sorgte auch am Wochenende dafür, dass auf dem Schiff alles glatt ging.

Rudern mit 2000 Jahre alter Technik

Ganz problemlos ist das Rudern mit der 2000 Jahre alten Technik nämlich nicht, das merkten auch die Gäste auf den Touren. Nachdem die „Victoria“ am Samstagmorgen mit leichter Verspätung am Anleger gegenüber dem Seehof eingetroffen war, legte die erste Besatzung ab. Steuermann Albinus alias Hans-Werner Berg gab erste Einweisungen. Das Ablegemanöver erforderte schon volle Konzentration, da die Ruder auf der Backbordseite erst eingelegt werden konnten, nachdem das Schiff genug Abstand vom Anleger hatte.

Video
Römerschiff Victoria auf dem Halterner Stausee 2019

Es dauerte aber nur wenige Minuten bis die 16 Ruderer, die mitfahren konnten, einigermaßen in den Takt fanden, den zwei Schlagmänner vorgaben. Das etwa acht Kilo schwere Holzruder zu bewegen, geht in die Arme und erfordert hohe Aufmerksamkeit. Steuermann Albinus war aber zufrieden: „Das sieht sehr gut aus“, lobte er nach den ersten Minuten. Und auch eine gebrochene Ruderblattverbindung ließ die Crew nicht aus dem Takt geraten.

Vorsicht war trotzdem geboten, denn bei einer falschen Bewegungen konnte man dem schweren Ruder auch gefährlich nah kommen. Albinus legte deshalb immer wieder Pausen ein und erläuterte die Geschichte des Schiffes. Vorbild für den Nachbau sind zwei Funde römischer Patrouillenboote auf der Donau. Dass die Römer allein auf dem Rhein eine Flotte von rund 1000 Schiffen unter ihrer Flagge fahren ließen, das überraschte alle Mitfahrer.

„Das ist doch noch etwas anderes“

Wie schnell und wendig das Boot sein kann, auch das erlebten Ruderer mit einem selbst ausgeführten Wendemanöver: Die „Victoria“ drehte fast auf der Stelle, dann konnte es zurück zum Anleger gehen. Julia Rauhut aus Haltern war begeistert von der Fahrt. Sie fand es „einfach schön“, einmal auf diese Weise über den See zu fahren. Ein bisschen Erfahrung hat sie bereits: „Ich habe schon zweimal bei den Drachenbootrennen mitgemacht, aber das ist doch noch etwas anderes.“

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Römerschiff Victoria auf dem Halterner Stausee 201

Viele Interessenten nutzen am Wochenende die Gelegenheit, als Ruderer auf dem römischen Kriegsschiff Victoria, Rudern zu lernen. Veranstaltet wurde die Aktion vom LWL Römermuseum Haltern am See.
28.07.2019
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Die Victoria steuert auf den Anleger zu© Jürgen Wolter
Als die Victoria anlegt räumt die Schwanenfamilie den Anleger.© Jürgen Wolter
Die Victoria steuert auf den Anleger zu© Jürgen Wolter
Das Anlegemanöver erfordert Konzentration© Jürgen Wolter
Das Anlegemanöver erfordert Konzentration© Jürgen Wolter
Am Ufer warten schon die ersten Rudergäste© Jürgen Wolter
Die Ruder werden mit Fett bestrichen© Jürgen Wolter
Die Statue der Victoria wird befestigt© Jürgen Wolter
Steuermann Albinus hisst die Standarte der VI. Legion© Jürgen Wolter
Die Rudergäste gehen an Bord© Jürgen Wolter
Die Rudergäste gehen an Bord© Jürgen Wolter
Steuermann Albinus übt die Kommandos ein.© Jürgen Wolter
Steuermann Albinus kommandiert das Schiff© Jürgen Wolter
Die Victoria sticht in See© Jürgen Wolter
Die Victoria sticht in See© Jürgen Wolter
Die Victoria in voller Fahrt© Jürgen Wolter
In voller Fahrt zurück zum Anleger© Jürgen Wolter
In voller Fahrt zurück zum Anleger© Jürgen Wolter
Am Seehof-Anleger hatten die Römer eine Wache aufgebaut.© Jürgen Wolter
Die Victoria sticht wieder in See.© Jürgen Wolter

„Schwerer als gedacht“, fanden auch zwei Archäologie-Studentinnen der Uni Trier das Fahren auf dem See. Jasmina Leporin und Vanessa Wirth helfen in den Sommerferien bei den Ausgrabungsarbeiten auf dem Halterner Tumulifeld und nutzten gemeinsam mit weiteren Kommilitonen die Möglichkeit, einmal wie die alten Römer in See zu stechen.

Ihr Lager hatten die Römer, zu denen auch die neue Halterner Kohorte gehörte, mit Original-Lederzelten im hinteren Bereich von Jupps Biegarten aufgeschlagen, außerdem hielt eine Gruppe direkt am Anleger der „Victoria“ Nachtwache. Den Lagerplatz fanden die Legionäre ideal. So nah an jeglicher leckerer Verpflegung campieren sie sonst selten.

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