Seit dem Fahrplanwechsel funktioniert auf der Linie der S9, die auch Haltern anfährt, ziemlich wenig. Fahrgäste sind genervt vom neuen Dienstleiter Abellio. Der kündigt jetzt Besserung an.

Haltern

, 21.01.2020, 12:12 Uhr / Lesedauer: 3 min

Bahnfahrer der Linie S9 brauchen seit einem Monat ziemlich gute Nerven. Seit dem Fahrplanwechsel und der Übernahme durch das Unternehmen Abellio stockt es auf der Strecke gewaltig. Die Probleme und Beschwerden häufen sich. Für Mike Willeck ist die Situation besonders schwierig.

Der 43-Jährige Halterner sitzt im Rollstuhl. Da am Halterner Bahnhof nur Gleis 1 barrierefrei ist, ist Willeck auf die S9, mit der er nach Essen fährt, angewiesen. Auf die kann er sich in den vergangenen Wochen aber nicht verlassen. Immer wieder fällt sie aus oder kommt zu spät. Weil immer wieder Fahrten gestrichen worden sein, habe er kürzlich nach langer Wartezeit ein Taxi genommen. Zweieinhalb Stunden habe er nach Hause gebraucht. Von Essen nach Haltern ist mit der S9 eigentlich eine Fahrzeit von 46 Minuten genannt.

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S9 fährt von Beginn an einen Ersatzfahrplan

Von Beginn an fährt die S9 einen Ersatzfahrplan. Abellio hat schlicht nicht genug Lokführer, um die Strecke wie geplant zu befahren. Seit dem 15. Dezember fährt die Linie täglich im 30-Minuten-Takt zwischen Wuppertal-Vohwinkel und Bottrop Hbf und darüber hinaus stündlich weiter bis Haltern am See.

Der Vertrag des VRR mit der deutschen Bahn ist Ende des vergangenen Jahres abgelaufen. Ein Wettbewerbsverfahren wurde schon vor einigen Jahren ausgeschrieben. Abellio bekam 2016 den Zuschlag und wird die Strecke 15 Jahre befahren. Damals sei noch nicht abzusehen gewesesen, dass das Unternehmen mit personellen Engpässen zu kämpfen habe, sagt VRR-Sprecherin Tkatzik.

Lokführer fehlen

"Wie andere Unternehmen haben auch wir Schwierigkeiten neue Triebfahrzeugführer zu gewinnen", erklärt Julia Limia y Campos, Pressesprecherin von Abellio eines der aktuellen Probleme bei der S9. Es gebe eine hohe Abbrecherquote bei den Auszubildenden. Außerdem würden nicht alle die Prüfung bestehen. Triebfahrzeugfahrer fehlen also.

Da das abzusehen war, habe sich das Unternehmen vor Inkrafttreten des Fahrplans mit der deutschen Bahn und dem VRR zusammengesetzt, um einen Ersatzfahrplan zu erstellen. Die Konsequenz: Die Linie S3 wird weiterhin von der Deutschen Bahn gefahren. In den kommenden Monaten will Abellio diese Strecke dann übernehmen.

Zu Beginn habe es auch noch einige Probleme mit den neuen Fahrzeugen gegeben. "Es gab so Tücken wie Raureifbildung, mit denen wir zu kämpfen hatten. Wir haben außerdem viele neue Mitarbeiter, die sich mit den Fahrzeugen erst einmal vertraut machen mussten", sagt die Abellio-Sprecherin. Mittlerweile habe sich das aber gut eingespielt. Probleme bei der Infrastruktur hingegen bestehen weiterhin. Eingleisige Streckenabschnitte und ein stark belasteter Essener Hauptbahnhof würden die Situation zusätzlich verschärfen, sagt die Sprecherin.

Mobilitätsgarantie

  • Ab einer Verspätung von 20 Minuten am Abfahrtsbahnhof können Bahnkunden die Mobilitätsgarantie in Anspruch nehmen.
  • Kunden können dann ein Taxi oder einen Fernverkehrszug nehmen.
  • In der Zeit von 5 bis 20 Uhr bekommen sie für eine Taxifahrt bis zu 25 Euro pro Person zurückerstattet.
  • In den Abend- und Nachtstunden von 20 bis 5 Uhr bekommen Kunden bis zu 50 Euro erstattet.
  • Kunden müssen die Taxifahrt oder das Fernverkehrsticket erst einmal selbst bezahlen. Für die Rückerstattung ist die Quittung wichtig.
  • Bei Fernverkehrstickets erhalten Bahnkunden die entstandenen Kosten vollumfänglich zurückerstattet.

Außerdem habe die S9 aktuell nur sehr kurze Wendezeiten in Wuppertal-Vohwinkel und Bottrop, das heißt die Bahn fährt quasi direkt wieder zurück. Das mache es schwierig Verspätungen zu kompensieren, erklärt Limia y Campos. "Es ist eine Verkettung ungünstiger Umstände", sagt die Pressesprecherin "und auch nicht unser Anspruch." Entschädigungen seien aber keine geplant. Limia y Campos verweist auf die Mobilitätsgarantie. "Fällt mal wieder etwas aus, können Kunden sich ein Taxi nehmen. Die Kosten bekommen sie dann erstattet", sagt die Abellio-Sprecherin.

Neues Konzept ab Februar soll Entlastung schaffen

Abellio habe dem VRR gegenüber angekündigt, zum Ende des Monats neue Triebfahrzeugführer ausgebildet zu haben. "Wir hoffen, dass sich mit den neuen personellen Reserven dann auch die Situation auf der Strecke normalisiert", sagt Pressersprecherin Sabine Tkatzik. Auch Limia y Campos kündigte auf Nachfrage an, für den Februar neue Konzepte vorlegen zu wollen, um Entlastung zu schaffen. Unter anderem sollen die Wendezeiten erhöht werden.

"Die stündlich in Bottrop Hbf endenden Fahrten werden dann ab dem 1. Mai 2020 über Gladbeck West bis Recklinghausen Hbf verlängert", schreibt das Unternehmen in einer Mitteilung. Von da an soll der Betrieb dann wie vereinbart laufen.

Solange empfiehlt Abellio zwischen Wuppertal-Vohwinkel und Wuppertal Hbf die neu eingerichtete Linie RE 49 sowie die RB 48 und S8, die von Wuppertal montags bis freitags weiterhin zweimal pro Stunde, am Wochenende einmal pro Stunde bis Hagen Hbf verkehrt.

Als Ergänzung fährt am Wochenende zusätzlich ein stündlicher Bus zwischen Wuppertal-Oberbarmen und Hagen Hbf. Die Fahrzeiten des Ersatzfahrplans hat Abellio in einem Informationsheft zusammengestellt.

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