Sargträger gesucht: Halterner Bestatter sehen erste Engpässe bei Beerdigungen

hzBestattungen Haltern

Das Personal für das letzte Geleit wird knapp. Auch in Haltern müssen Bestatter zunehmend Sargträger engagieren. Wir haben die Unternehmer gefragt, woran es liegt.

von Thomas Schlüter

Haltern

, 07.12.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bei einer Erdbestattung sind sie nicht wegzudenken. Sie warten vor der Kirche, tragen den Sarg zum Grab und senken ihn gleichmäßig ab. Eine „sehr ehrenvolle und sinnstiftende Tätigkeit“ nennt Christian Jäger, Geschäftsführer des Bestatterverbands NRW, die Aufgabe der Sargträger.

Inzwischen wird das Personal für das letzte Geleit allerdings knapp. „Es herrscht kein so akuter Notstand, dass Erdbestattungen verschoben werden müssten, aber die Personalengpässe sind spürbar“, berichtet Christian Jäger. Besonders in Großstädten können sich die Bestatter nicht mehr nur auf ehrenamtliche Sargträger verlassen. Und wie sieht es in Haltern aus?

Probleme auch in Haltern

Anna Kämper vom Bestattungshaus Mertens in Haltern sucht immer häufiger Sargträger für Beerdigungen. „Die Nachbarschafts- und Familienverhältnisse sind nicht mehr wie früher. Viele Menschen bekommen für eine Beerdigung nicht mehr frei.“

Früher sei es selbstverständlich gewesen, dass zum Beispiel die Nachbarn eines Verstorbenen den Sarg getragen haben. Heute arbeitet das Unternehmen mit einer Firma aus Bochum zusammen. „Wenn die Angehörigen keine Sargträger stellen können, greifen wir auf die Mitarbeiter dieser Firma zurück“, berichtet Anna Kämper.

Veränderte Nachbarschaften

Carsten Drees führt ein Bestattungsunternehmen in Lippramsdorf. „Die Nachbarschaften verändern sich. Es fehlen immer häufiger Leute, die bei Beerdigungen den Sarg tragen“, hat er in letzter Zeit festgestellt.

„Wir haben selbst eigene Sargträger, die zunehmend aushelfen müssen“, erzählt Drees. Früher hätten oft auch Mitglieder betroffener Vereine den Sarg getragen. Mittlerweile habe sich aber die Altersstruktur in vielen Vereinen stark verändert, die Mitglieder seien älter. Für die körperlich anspruchsvolle Aufgabe, den Sarg auf dem Friedhof zu tragen, müsse er daher oft auf eigene Träger zurückgreifen.

Ehrenamtliche Unterstützung

Ingo Richter kann solche Probleme in seinem Bestattungshaus bislang noch nicht feststellen. „Ich sehe hier aktuell keine Schwierigkeiten. Bislang kriegen wir das noch ganz gut geregelt“, sagt der Bestatter.

Grund dafür sei die Unterstützung durch viele ehrenamtliche Helfer. „Bei unseren Beerdigungen tragen sehr oft die Nachbarn den Sarg“, berichtet Ingo Richter. Dennoch beobachte er, dass die Teilnahme an Beerdigungen für viele Menschen aus zeitlichen oder beruflichen Gründen schwieriger werde. Das treffe möglicherweise auch auf die Sargträger zu.

Urnenbestattungen nehmen zu

Ob es in Zukunft vermehrt Probleme gebe, könne er nur schwer beurteilen, erklärt Richter. Das liege auch an der Zunahme von Urnenbestattungen, bei denen keine Sargträger benötigt werden. Die Urne trägt dann häufig ein Angehöriger oder der Pfarrer.

„Angehörige entscheiden sich immer häufiger für eine Urne“, sagt auch Anna Kämper. Ob sich das Problem der fehlenden Sargträger dadurch erübrigen werde, könne sie aber auch nicht einschätzen.

Feuerbestattungen nehmen stark zu und machen bundesweit inzwischen einen Anteil von 70 Prozent aus.

Servicegesellschaften werden gegründet

Um aktuell dem Mangel an Sargträgern zu begegnen, gründen sich im Land vermehrt Servicegesellschaften, die den Bestattern aus ihrem Pool Sargträger zur Verfügung stellen. Für einen Einsatz auf dem Friedhof erhält ein Sargträger nach Angaben des Dortmunder Bestatters Michael Wasch um die 25 Euro. Anna Kämper ist überzeugt: „Bei den künftigen Erdbestattungen werden wir vermehrt auf Sargträger solcher Servicegesellschaften zurückgreifen müssen.“

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