Schaden geht in die Tausende

Nach heftigem Unwetter

Den Nachmittag des 7. Juni werden die Menschen in Lippramsdorf und Bergbossendorf sicher noch lange in Erinnerung behalten. Ein Unwetter mit Starkregen setzte innerhalb von Minuten zahlreiche Keller unter Wasser. Besonders die Freiheit hat es schwer getroffen. Auf der Heerstraße schoss das Wasser fontänenartig aus den Abwasserkanälen durch die Gulliöffnungen und Kellerabflüsse in die Häuser. Anwohner berichten uns nun von ihren Erlebnissen.

LIPPRAMSDORF

, 17.06.2016, 17:03 Uhr / Lesedauer: 2 min
Reinhard Golder sortiert die Bilder

Reinhard Golder sortiert die Bilder

Video zum Unwetter in Lippramsdorf:

Die Kellerräume von Carsten und Claudia Gloddeck sind komplett leer geräumt. An den Wänden sieht man noch, wie hoch das Wasser stand, Trockenlüfter machen ohrenbetäubenden Lärm. Das schlimme Unwetter am 7. Juni hat das Einfamilienhaus in Lippramsdorf Freiheit empfindlich getroffen. "Wir hatten viele Sachen im Keller gelagert. Private Erinnerungen, jede Menge Fotos und andere wichtige Unterlagen. Vieles davon ist nun zerstört", erzählt Claudia Gloddeck.

Innerhalb von Minuten geflutet

Zahlreiche Nachbarn haben das selbe Schicksal erlitten. Die Wassermassen von außen waren so stark, dass sie über Fenster und Treppen eingedrungen sind und die Räume innerhalb von Minuten geflutet haben. Mehrere Stufen hoch habe das Wasser gestanden, bei einigen Anwohnern erreichte der Wasserpegel über einen Meter. "Der Schaden geht in die Tausende. Bis alles wieder hergestellt sein wird, werden wohl noch Monate vergehen", sagt Carsten Gloddeck.

Keine Soforthilfe vom Land

Für solche Schicksale, bei denen die Natur das Hab und Gut von Anwohnern zerstört hat, hat das Innenministerium eine Soforthilfe bereitgestellt. Bis zu 2500 Euro gibt es, um zumindest einen Teil des Schadens zu ersetzen. Aber: Die Lippramsdorfer sind von der Soforthilfe ausgeschlossen. Die Hilfe bekommt nur, wer einen Schaden in den Kreisen Borken, Kleve, Rhein-Sieg, Wesel oder Bonn, wo stellenweise Bäche und Flüsse über die Ufer getreten waren, erlitten hat.

Kriterien festgelegt

Carsten Gloddeck hat dafür kein Verständnis. "Warum wird da ein Unterschied gemacht?" fragt er. Eine Sprecherin des Ministeriums erklärt auf Anfrage unserer Redaktion: "Es mussten aufgrund der Vielzahl der Wetterschadensereignisse gewisse Kriterien festgelegt werden." Innenminister Ralf Jäger (SPD) hatte zuletzt betont, dass aufgrund des Klimawandels die Wahrscheinlichkeit für Naturkatastrophen steige. Deshalb soll eine Richtlinie für einen Härtefonds erarbeitet werden, um künftig umgehend Soforthilfen leisten zu können.

Dafür hat uns die Stadtverwaltung toll unterstützt", erzählt Carsten Gloddeck. "Sogar der Bürgermeister war persönlich vor Ort."

Ich war auf der Arbeit im Chemiepark, als meine Mutter mich anrief, um mir mitzuteilen, dass unser Keller absäuft", erzählt Thomas Pachowsky. "Als ich ankam, war es schon zu spät. Das Wasser stand über einen Meter hoch. Das war heftig. Kassetten, Karl-May-Bücher, Elektrogeräte... Alles ist dem Wasser zum Opfer gefallen."

Partykeller verwüstet

"Eigentlich wollte ich mit Freunden meinen Geburtstag feiern. Aber die Party ist dann im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser gefallen", blickt Steffi Budde zurück. Den Partykeller, den man vor einigen Jahren mühevoll eingerichtet hatte, gibt es nicht mehr. "Alles ist raus", erzählt ihr Mann Barthold Budde. "Wenn man das sieht, dann blutet einem das Herz. Da steckte sehr viel Arbeit drin." Sein Vater Barthold Budde sen. sagt: "Man konnte sehen, wie das Wasser über die angrenzenden Felder wie eine Flutwelle angeschossen kam. Man war machtlos." Ein Lob möchte die Familie den Einsatzkräften der Feuerwehr aussprechen. "Sie haben alles getan, um Schlimmeres zu verhindern." Auch die Nachbarn hätten sich jederzeit hilfsbereit gezeigt. "Selbst eine 80-jährige Dame kam mit Besen unterm Arm und fragte, ob sie helfen könne." Die Nachbarschaft sei eng zusammengerückt.

Wirtschaftlicher Totalschaden

Auch Sebastian Weimer und seine Freundin Katharina Hanke hat das Unwetter schwer getroffen. "Als ich zu Hause eintraf, wurde ich in unserem Hausflur von schwimmenden Schuhen begrüßt", erzählt Sebastian. "Eines unserer Kellerfenster konnte dem schlammigen Wasser nicht standhalten und ist rausgebrochen. Wir hatten zwischenzeitlich Angst, dass Wasser bis zum Erdgeschoss ansteigt." Auch das Auto der beiden ist den Fluten zum Opfer gefallen. "Der Motor hat Wasser gezogen. Laut Gutachten ist es ein wirtschaftlicher Totalschaden." 

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