Schuldner-Atlas: Sieben Prozent der Halterner Bevölkerung sind überschuldet

hzNeuer Schuldner-Atlas

Immer mehr Bürger im Ruhrgebiet sind überschuldet - allerdings sinken die Zahlen in Haltern. Dahinter verbirgt sich aber noch eine andere Wahrheit.

Haltern

, 01.02.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Haltern am See gehört zu den Kommunen mit der geringsten Überschuldungsquote im Ruhrgebiet. Die Seestadt liegt mit einer Quote von 7,12 Prozent auf Platz 15 hinter bevorzugten Stadtteilen einiger Großstädte wie Essen-Heisingen (4,63 Prozent) oder Bochum-Stiepel (4,65).

Das geht aus dem neuen Schuldner-Atlas Ruhrgebiet hervor, den die Creditreform AG jetzt für 2019 vorgelegt hat. Die Kommunen mit der höchsten Verschuldung im Ruhrgebiet sind unter anderem Duisburg Ruhrort (29,01 Prozent) oder die Dortmunder Nordstadt (28,55).

Die Überschuldung von Privatpersonen ist im Ruhrgebiet seit 2012 inzwischen zum 8. Mal in Folge angestiegen. 485.651 Bürger gelten als überschuldet, das sind 3000 mehr als 2018. Ruhrgebietsweit liegt die Schuldnerquote bei 14,3 Prozent.

Haltern liegt nicht im Trend

In Haltern bestätigt sich der Trend aber nicht. Hier waren 2263 Personen überschuldet, 12 weniger als vor einem Jahr. Diesen Personen gelingt es dauerhaft nicht, mit ihren monatlichen Einnahmen ihre Ausgaben zu decken.

Christian Overmann, Schuldnerberater des Diakonischen Werkes in Haltern, weist allerdings darauf hin, dass in der Seestadt 2017 bis 2019 die Jahre mit der seit zehn Jahren höchsten Quote sind. „Zu den 2263 Personen kann in der Regel noch eine weitere haushaltsangehörige Person hinzugerechnet werden, sodass von 38.700 Halterner Bürgern fast 12 Prozent von Überschuldung betroffen sind“, so Overmann in seiner eigenen Analyse.

Er sieht in Haltern eine bedenklich voranschreitende Polarisierung von Lebenslagen der Bürger, die in gut situierten Haushalten leben, gegenüber denen, die lang anhaltend ökonomische Härten erdulden müssen.

Zudem, das betont Overmann, gebe es in Haltern einen insolvenzgefährdeten Mittelstand, der oft Verbindlichkeiten viel zu lange bedient, auch weil die Betroffnen sich schämen, ihre Überschuldung zuzugeben.

Armut erhöht das Krankheitsrisiko

Creditreform weist auf den steigenden Anteil älterer Menschen an der Überschuldung hin. Christian Overmann sieht außerdem gesundheitliche Risiken. Überschuldung führe nicht nur zu sozialer Isolation und psychischen Problemen, zahlreiche Studien belegten, dass auch das Krankheitsrisiko insgesamt ansteige.

Risikofaktoren, die zu einer Überschuldung führen, sind Arbeitslosigkeit, Trennung, Scheidung, Erkrankung, Sucht oder Unfall. Creditreform fordert einen weiteren Aufbau von Vollbeschäftigung und bedarfsgerechtem Wohnungsbau, gezielte Bildungsinvestitionen und eine Stärkung der Insolvenz- und Schuldnerberatung.

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