Tierseuche erreicht Deutschland: Halterner Landwirte in Sorge

hzAfrikanische Schweinepest

Erstmals ist jetzt ein Fall der afrikanischen Schweinepest in Brandenburg bestätigt worden. Auch Halterner Landwirte sind deshalb nun alarmiert.

Haltern

, 13.09.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Halterner Landwirte hatten zwar damit gerechnet, geschockt sind sie aber trotzdem: Der erste Fall von afrikanischer Schweinepest auf deutschem Boden wurde jetzt offiziell vom Bundeslandwirtschaftsministerium bestätigt. „Es war zu erwarten, aber es erschreckt uns trotzdem“, sagt Ludger Winkelkotte, der Vorsitzende des Ortsverbands Haltern im Landwirtschaftlichen Kreisverband Haltern.

Für Menschen ist die Afrikanische Schweinepest ungefährlich, aber die infizierten Tiere sterben fast ausnahmslos daran. Und sie trifft nicht nur Hausschweine, sondern wird vor allem auch durch Wildschweine übertragen und verbreitet. In den letzten Jahren hatte sie sich von Litauen über Polen immer weiter westwärts verbreitet. „Es war eigentlich nur eine Frage der Zeit“, sagt Ludger Winkelkotte. „Man kann davon ausgehen, dass sich die Schweinepest etwa 100 bis 300 Kilometer pro Jahr verbreitet.“

Schweinepest kommt zu ungünstigem Zeitpunkt

Dass die Krankheit gerade jetzt nach Deutschland überschwappt, trifft die Landwirte zu einem besonders ungünstigen Zeitpunkt. Die Überhänge der Fleischproduktion, die durch die Schlachthofschließungen wegen Corona auftraten, seien gerade abgearbeitet. „Jetzt besteht die Gefahr, dass erste

Länder den Schweinefleisch-Import aus Deutschland stoppen, als erstes hat das Korea getan“, sagt Ludger Winkelkotte. Auf jeden Fall sei mit sinkenden Preisen zu rechnen, auch wenn die Schweinepest noch nicht in NRW angekommen ist.

In Brandenburg wird durch einen Zaun ein Sperrbezirk eingerichtet, in dem Wildschweine jetzt verstärkt bejagt werden. „Wir hoffen, dass die Maßnahmen der Behörden Wirkung zeigen“, sagt Ludger Winkelkotte. Die Betriebe, die in Haltern die Schweinezucht und Schweinemast betreiben, müssen jetzt vor allem dafür sorgen, dass ihre Bestände nicht mit Wildschweinen in Kontakt kommen. „Dazu gibt es Sperrgitter, die die Höfe abriegeln, auch Silage als Futter muss so gelagert werden, dass sie für Wildschweine nicht zugänglich ist“, sagt Ludger Winkelkotte. „Hygiene ist natürlich oberstes Gebot.“

Erreger ist sehr widerstandsfähig

Eine Impfung gegen die afrikanische Schweinepest gibt es bislang nicht. Der Erreger ist sehr widerstandsfähig, in der Umwelt kann er lange überleben, etwa im Kot von kranken Tieren. Auch wenn ein erkranktes Wildschwein stirbt und im Wald verwest, bleibt das Virus mehrere Wochen bis Monate infektiös. Im Rohschinken überlebt das Virus über Monate, in Gefrierfleisch bleibt es sogar jahrelang ansteckend. Deshalb können auch weggeworfene Lebensmittelreste plötzlich für Infektionsherde sorgen.

Vom Verzehr von kontaminiertem Fleisch geht aber keine Gefahr für den Menschen oder andere Säugetiere aus. Der Verband der Fleischwirtschaft versichert, der Verzehr von Schweinefleisch und Schweinefleischerzeugnissen sei „unbedenklich“.

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