Endliich wieder shoppen: Kundin Beate Hinshofe (l.) hat die persönliche Beratung, wie hier von Angelika May beim Modehaus van Buer, sehr vermisst. © Jürgen Wolter
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Shoppen auf Termin: Halterner Kunden und Händler froh über Öffnungen

Mit oder ohne Termin: Ein Teil des Halterner Einzelhandels durfte am Montag wieder öffnen. Modegeschäfte haben lange Anmeldelisten, aber noch ist Luft nach oben.

Der Start der Geschäftsöffnungen verlief verhalten: „Der Montag ist immer ein ruhiger Tag“, stellte Günter van Buer vom Modehaus van Buer fest. „Das ist aber normal. Ich glaube auch, dass Kunden noch etwas unsicher sind, wie der Betrieb jetzt läuft.“

Das Modehaus Heckmann hatte direkt im Eingangsbereich einen Empfangstisch aufgebaut. Hier nahm Mitarbeiterin Ilka Schiller die (vornehmlich weiblichen) Kunden in Empfang. Sie nahm die persönlichen Daten auf. Anschließend erhielten die Kundinnen einen Chip.

Niclole Seck sortiert Ware bei Mode Heckmann.
Niclole Seck sortiert Ware bei Mode Heckmann. © Jürgen Wolter © Jürgen Wolter

„So wissen wir immer, wie viele Kunden im Geschäft sind“, sagte Mitarbeiterin Nicole Seck. „Da nur jeweils ein Kunde pro 40 Quadratmetern zugelassen ist, könnten wir maximal 30 gleichzeitig einlassen. Wir haben die Zahl aber auf 25 reduziert. Jeder hat dann eine Stunde Zeit.“

„Das Telefon stand nicht mehr still“

Schon seit Bekanntwerden der neuen Coronabeschlüsse in der vergangenen Woche hatten Kunden versucht, telefonisch Termine zu vereinbart. „Das Telefon stand nicht mehr still“, berichtet Günter van Buer. Trotzdem sind weder bei Heckmann noch bei van Buer alle Termine ausgebucht. „Wenn weniger Kunden da sind, als wir einlassen dürfen, haben auch Spontankunden eine Chance“, so Ilka Schiller bei Heckmann.

Astrid und Marlies Niggemann waren extra aus Selm-Bork nach Haltern angereist, um einen Einkaufsbummel zu machen. „Das ist doch etwas anderes, direkt vor Ort einzukaufen“, sagt Astrid Niggemann. Und Beate Hinsholte, Kundin bei van Buer, fand: „Es ist total schön, wieder hier zu sein und sich persönlich beraten zu lassen. Das habe ich sehr vermisst.“

Elisabeth Bessing (r.) nutzte die Gelegenheit bei Annabell Boehnke von der Buchhandlung Kortenkamp gleich ein Geburtstagsgeschenk zu kaufen.
Elisabeth Bessing (r.) nutzte die Gelegenheit bei Annabell Boehnke von der Buchhandlung Kortenkamp gleich ein Geburtstagsgeschenk zu kaufen. © Jürgen Wolter © Jürgen Wolter

Komplett wieder öffnen durfte der Buchhandel. „Wir brauchen keine Anmeldungen“, freute sich Anne Heine-Hagen von der Buchhandlung Kortenkamp. „Allerdings haben wir trotzdem Anrufe erhalten, in denen nach Terminen gefragt wurde. Manche Kunden sind noch verunsichert.“

Bis zu drei Kunden gleichzeitig dürfen wieder in das Deko- und Geschenkartikel-Geschäft von Martina Brosthaus. Damit die Menschen darauf aufmerksam werden, hat sie einen kleinen Tisch mit Osterhasen, Schneeglöckchen, Geschenkkarten und einem Zettel „bitte anklopfen“ vor dem Laden aufgebaut.

Im Dekogeschäft von Martina Brosthaus können bis zu drei Kunden gleichzeitig einkaufen.
Im Dekogeschäft von Martina Brosthaus können bis zu drei Kunden gleichzeitig einkaufen. © Pia Stenner © Pia Stenner

Doch am Montagmorgen ist es noch leer – auch auf Martina Brosthaus‘ Terminliste. „Die Kunden sind verunsichert und trauen sich noch nicht so richtig. Die Regeln sind so wirr.“ Gleichzeitig sei der Arbeitsaufwand sehr hoch: Alles muss dokumentiert werden. „Aber es ist immerhin eine Chance“, sagt Brosthaus. Sie freue sich, überhaupt wieder öffnen zu dürfen.

Vor ihrem Laden hat Martina Brosthaus einen Tisch mit dem Hinweis „bitte anklopfen“ aufgebaut, um auf das Angebot aufmerksam zu machen.
Vor ihrem Laden hat Martina Brosthaus einen Tisch mit dem Hinweis „bitte anklopfen“ aufgebaut, um auf das Angebot aufmerksam zu machen. © Pia Stenner © Pia Stenner

„Hauptsache das Licht brennt wieder“

Einige Meter weiter hängt am Schuhgeschäft Eikelschulte ein Zettel mit einer Telefonnummer zur Terminvereinbarung. Wer noch nicht vorher angerufen hat, wird aber auch so hinein gewunken, wenn noch ein Termin frei ist. Inhaberin Petra Eikelschulte trägt die Kontaktdaten in ihre Liste ein. Die ist bei ihr schon gut gefüllt. „Es läuft eigentlich ganz gut“, sagt sie und betont, dass sie streng darauf achte, alles zu desinfizieren und die maximal sechs Kunden gut in unterschiedliche Ecken des Geschäfts aufzuteilen.

Stefanie Heinzel aus Marl hat direkt am Montagmorgen die Gelegenheit genutzt, mit ihrem siebenjährigen Sohn neue Schuhe auszusuchen. „Ohne Anprobieren ist das eine Katastrophe“, erzählt die Kundin. Jetzt waren neue Schuhe dringend nötig. Insbesondere bei Kinderschuhen bräuchten die Kunden gute Beratung, sagt Petra Eikelschulte. Sie ist optimistisch, dass das Geschäft jetzt wieder gut anläuft.„Alles ist besser als nichts. Hauptsache, das Licht brennt wieder.“

Werner, Ursula und Petra Eikelschulte empfangen in ihrem Schuhgeschäft wieder Kunden nach Terminabsprache.
Werner, Ursula und Petra Eikelschulte empfangen in ihrem Schuhgeschäft wieder Kunden nach Terminabsprache. © Pia Stenner © Pia Stenner

„Froh, dass es wieder losgeht“ war auch Johannes Joachim Heckmann, langjähriger Seniorchef des Modehauses Heckmann. Aber er fand auch mahnende Worte: „Es ist gut, wenn der Handel wieder öffnet, aber ohne Gastronomie ist das nur die halbe Miete. Handel und Gastronomie beleben gemeinsam die Innenstädte. Eine Säule allein reicht auf Dauer nicht.“

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Ich studiere Journalistik und Politikwissenschaft an der Technischen Universität Dortmund, komme aber immer wieder gerne zurück nach Haltern am See. Zum Beispiel, um dort für die Lokalredaktion Haltern unterwegs zu sein und so meine Heimatstadt und ihre Menschen jedes Mal noch ein bisschen besser kennenzulernen.
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Redaktion Haltern
Studium der Germanistik, Publizistik und Philosophie an der Ruhr Universität Bochum. Freie Autorentätigkeit für Buchverlage. Freier Journalist im nördlichen Ruhrgebiet für mehrere Zeitungshäuser. „Menschen und ihre Geschichten faszinieren mich nach wie vor. Sie aufzuschreiben und öffentlich zugänglich zu machen, ist und bleibt meine Leidenschaft.“
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