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Sicherheit auf Halterner Behelfsbrücke in der Kritik - zwei Unfälle gab es bereits

hzBetroffene berichten

Gut eine Woche ist die provisorische Brücke am Bahnhof in Betrieb. Zwei Personen sind seitdem auf der Stahl-Konstruktion gestürzt. Zum Teil mit sehr ernsten Folgen.

Haltern

, 20.05.2019 / Lesedauer: 4 min

Weil die Unterführung vom Bahnhofsgebäude in Haltern zu den Gleisen 2 und 3 wegen umfangreicher Baumaßnahmen gesperrt werden musste, war am Montag in der vergangenen Woche eine Behelfsbrücke geöffnet worden. Rund 50 Stufen hoch, führt sie über die Gleise zum mittleren Bahnsteig. Zwei Personen sind seitdem dort schwer gestürzt - mit schlimmen Folgen.

Mit einem komplizierten Trümmerbruch im Schienbeinkopf liegt Ilse Korn seit dem 14. Mai im Sixtus-Hospital. Eine aufwendige Operation war notwendig geworden, nachdem sie vormittags auf einer der letzten Stufen vor dem Bahnsteig zu Gleis 2 und 3 mit der Kante ihres Schuhs von der Stahlgitter-Treppe abgerutscht war. „Ich habe mir das Bein verdreht und bin mit dem Knie auf der Stufe aufgeschlagen“, beschreibt Ilse Korn den Unfall. „Dabei wollte ich doch nur meine Freundin zum Bahnhof bringen“, sagt die Dorstenerin.

Schonender Transport durch die Unterführung

Die Freundin eilt schnell zur Hilfe. Auch zwei Bahnbedienstete und zwei Sanitäter sowie ein Notarzt sind schnell vor Ort. Weil ihr Kreislauf mehrmals versagt und Ilse Korn nach eigener Aussage mehrmals ohnmächtig wird, verabreicht ihr der Arzt eine leichte Narkose. Um die verletzte Frau schonend zum Rettungswagen transportieren zu können, geht es nicht über die provisorische Brücke zurück. Statt dessen benutzen die Sanitäter nach Absprache mit den Bauarbeitern, die vorübergehend ihre Arbeit einstellen, die ansonsten gesperrte Unterführung.

Schmerzfrei in vier Monaten

Ilse Korn ist noch immer geschockt von dem Vorfall. Zwei Wochen lang darf sie das verletzte Bein nicht belasten, acht Wochen lang wird sie eine Schiene am Bein tragen und frühestens in vier Monaten wieder schmerzfrei laufen können, sagen die Ärzte. Die 68-Jährige, die selbst absolut fit ist, hat eine klare Meinung zu der Halterner Behelfsbrücke: „Wer Schwierigkeiten mit den Beinen hat oder schweres Gepäck tragen muss, darf nicht auf diese Brücke. Das ist viel zu gefährlich.“

Sicherheit auf Halterner Behelfsbrücke in der Kritik - zwei Unfälle gab es bereits

Ilse Korn liegt nach ihrem Sturz auf der provisorischen Bahnhofsbrücke im Krankenhaus. © Ingrid Wielens

Eva M. (Name ist der Redaktion bekannt) ist Pendlerin. Jeden Morgen fährt die Halternerin mit der Bahn zur Arbeit nach Recklinghausen. Am Montag um 6.55 Uhr in der Frühe stürzt sie beim Hinuntergehen auf einer der unteren regennassen Treppenstufen der Behelfsbrücke. „Ich hatte mich am Geländer festgehalten und trotzdem das Gleichgewicht verloren“, erklärt die 60-Jährige gegenüber der Halterner Zeitung. Sie sei gerutscht, nicht gestolpert, betont die sportliche Frau.

Aufgrund dicker blauer Flecken und Schwellungen an Wade, Oberschenkel und Armen könne sie nun nicht ihre Arbeit ausüben. „Ich kann nicht sitzen“, beschreibt Eva M. ihr Problem. Die Halternerin suchte nach dem Sturz einen Durchgangsarzt auf. Seitdem ist sie krankgeschrieben. Eva M. hofft, in der kommenden Woche wieder ihre Arbeit aufnehmen zu können.

„Mangelhafte Sicherheit auf der Treppe“

„Die Sicherheit auf der Treppe ist mangelhaft“, sagt Eva M. Sie wünscht sich Aushänge, die auf die Gefahr auf der Treppe hinweisen. „Stellen Sie sich mal vor, da laufen Frauen mit hochhackigen Schuhen entlang“, gibt sie zu bedenken. „Die brechen sich doch das Genick“, vermutet sie. Auch nach Schulschluss, wenn viele Schüler gleichzeitig auf der Brücke unterwegs seien, befürchtet sie, dass aus Unachtsamkeit Schlimmes passieren könnte. „Das ist sowas von gefährlich!“

Sicherheit auf Halterner Behelfsbrücke in der Kritik - zwei Unfälle gab es bereits

Unterschiedliche Gittermuster und Stufen sowie Markierungen verwirren mitunter. © Ingrid Wielens

Die Deutsche Bahn setzt seit einigen Wochen ähnliche Brücken bei Bielefeld und in Eschweiler ein. Wie ein Sprecher des Konzerns am Dienstag auf Anfrage bestätigte, seien dort keine Unfälle wie in Haltern vorgekommen. Aus diesem Grund auch plane der Konzern derzeit keine weiteren Sicherheitsmaßnahmen.

Alternativ die S 9 direkt am Hausbahnsteig nutzen

Rollstuhlfahrern oder gehbehinderten Menschen empfiehlt der Sprecher, alternativ zu den Zügen, die am mittleren Bahnsteig verkehren, die S 9 zu nutzen. Diese halte direkt am Bahngebäude. Die S 9 fährt über Essen bis nach Wuppertal. Man könne in vielen Städten umsteigen.

Wer aus Richtung Münster barrierefrei nach Haltern fahren will, muss bis Essen fahren und dann dort in die S 9 umsteigen, um Haltern auf Schienen zu erreichen. Weil Haltern nach wie vor mit dem Zug angesteuert werden könne, werde die Bahn keinen Schienenersatzverkehr zum Bahnhof Sythen bereitstellen, erklärte der Sprecher weiter. In Sythen allerdings könnten Bahnfahrer grundsätzlich barrierefrei zusteigen.

MSZ und 3-S

Diese Zentralen helfen bei Schäden oder Einschränkungen

Bei Unfällen oder anderen Schadensfällen sollten sich betroffene Personen an die 3-S-Zentrale (Sicherheit, Service, Sauberkeit) wenden. Unter der Telefonnummer 0201/1821055 ist sie zu erreichen. Menschen mit Gehbehinderungen können bei der Streckenplanung die Dienste der Mobilitätsservice-Zentrale in Anspruch nehmen. Entweder per E-Mail (msz@deutschebahn.com) oder telefonisch unter 01806512512.
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