Hunderte Besucher campierten am letzten Juniwochenende im Nord-Ostbereich des Silbersee II in Haltern und hinterließen Müllberge. Der Aufenthalt dort ist verboten - und birgt Gefahren.

Haltern

, 01.07.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es ist noch mehr als sonst. Am Nordufer des Silbersees II hinterlassen Besucher in diesem Jahr noch größere Mengen an Müll als bisher schon. Am letzten Juniwochenende sollen es bis zu 1000 Menschen gewesen sein, die sich dort aufgehalten haben.

So viel Müll wie in diesem Jahr lag noch nie im Nordbereich am Silbersee II.

So viel Müll wie in diesem Jahr lag noch nie im Nordbereich am Silbersee II. © privat

„Wir beobachten die Situation mit wachsender Sorge“, sagt Marwin Gedenk. Er gehört zum Team der Louis-Service-Dienste, die im südlichen Seebereich am Strandbad im Auftrag der Halterner Silbersee Vermietungsgesellschaft für die Umsetzung der Sicherheitskonzepte zuständig sind.

Der Badebetrieb funktioniert reibungslos

Seit 14 Jahren ist das Unternehmen am Silbersee vor Ort. In diesem Jahr stellte die neue Sicherheitslage wegen der Corona-Pandemie eine besondere Herausforderung dar. „Der Silbersee II war ja bis zum 20. Juni zunächst gesperrt. Wer ins Bad möchte, muss jetzt zunächst online ein Ticket erwerben, nur dann können wir ihn einlassen“, sagt Gedenk. „Das funktioniert aber reibungslos, man muss den Badegästen ein großes Lob aussprechen, hier hatten wir bisher keine Probleme.“

Das sieht an der gegenüberliegenden Seite des Silbersees anders aus. Hier beobachten die Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes in den letzten Wochen ein ständiges Anwachsen der Zahl der Besucher, die sich dort im Gelände aufhalten und zum Teil sogar dort zelten. „Die Zahl wächst exponentiell“, sagt Marwin Gedenk. „Am letzten warmen Juniwochende waren es Freitag und Samstag vermutlich an die 1000 Besucher.“

Der Müll verteilt sich über das ganze Gelände.

Der Müll verteilt sich über das ganze Gelände. © privat

„Es gibt keine Stelle mehr ohne Müll“

Auch ein Naturschützer, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, hat die Lage am Nordufer immer im Blick. „In diesem Jahr ist es deutlich mehr Müll als sonst. Und dabei wurde es sowieso schon von Jahr zu Jahr mehr“, sagt er. Zurzeit seien dort immer wieder Jugendliche anzutreffen, die in dem Gelände lagern, zelten, Lagerfeuer machen und ihren Müll einfach im Gelände hinterlassen. „Inzwischen gibt es fast keine Stelle ohne Müll mehr“, so der Naturschützer. „Es wird Zeit, dass da endlich was passiert. Es gibt auch Besucher, die das Gelände nicht zumüllen, sondern sich korrekt verhalten, auch die leiden unter diesen Zuständen.“

Sogar Stühle werden einfach liegengelassen.

Sogar Stühle werden einfach liegengelassen. © privat

Auch die Betreibergesellschaft des Silbersee II ist beunruhigt. „Ich bin zwar nicht so oft vor Ort, aber mir wurde von den wachsenden Müllbergen berichtet“, sagt Geschäftsführer Dr. Eberhard Geisler. Die Gesellschaft ist allerdings für das Gelände im Nordbereich nicht zuständig. „Unser Bereich beschränkt sich auf den Bereich des Strandbades“, sagt Geisler. Auch die Vermietungsgesellschaft sowie der Sicherheitsdienst sind im Norden außen vor.

Gelände wurde renaturiert

Geisler weist darauf, hin, dass der Aufenthalt am Nordufer nicht gestattet ist. „Im Zuge der Renaturierung haben die Quarzwerke einen Weg angelegt, den man wunderbar gehen kann, aber der Aufenthalt am See ist nicht gestattet, denn dort gilt der Landschaftsschutz. Unter anderem nisten Uferschwalben in den Böschungen am See. Sie unterhöhlen aber auch die Lehmschicht, dadurch stürzen ab und zu Uferbereiche ab. Das ist so gewollt, aber auch gefährlich für Menschen, die dort campieren.“

Dr. Eberhard Geisler erlebt gerade ein „Deja vu“. Ähnlich sei die Situation auch auf der anderen Seite des Sees vor 2005 gewesen, was dann zur Gründung der Betreibergesellschaft geführt habe.

Die aktuelle Lage sieht er im Zusammenhang mit den Corona-Regelungen: „Die Leute brauchen jetzt ein Ticket, können nicht mehr spontan zum See kommen. Wenn sie auf der einen Seite keinen Einlass bekommen, weichen sie auf die andere Seite aus, wo der Aufenthalt aber nicht gestattet ist.“

Beteiligte sollen nach Lösungen suchen

Vermietungsgesellschaft und Sicherheitsdienst haben jetzt einen Brandbrief an die beteiligten Institutionen und Eigentümer geschrieben, um noch einmal auf die Situation aufmerksam zu machen. Auch ein Team des WDR aus Münster war inzwischen vor Ort. „Es geht nicht nur um den Müll, im Nordbereich des Silbersees gibt es Abbruchkanten, das Gelände ist renaturiert worden“, sagt Marwin Gedenk. „Das Gelände ist nicht ungefährlich. Dort ist auch keine DLRG vor Ort. Wenn dort jemand ertrinkt, gibt es keine Hilfe.“ Außerdem würden alle Zufahrtswege, auch zum Campingplatz am Dülmener See, zunehmend zugeparkt. Gelegentliche Kontrollen von Ordnungsamt und Polizei brächten nicht viel.

Es gibt kaum noch eine Stelle ohne Müll.

Es gibt kaum noch eine Stelle ohne Müll. © privat

Die Grundstücksgrenzen seien nicht eindeutig klar, sagt Gedenk. Deshalb fühle sich dort zurzeit niemand so recht zuständig. Die Vermietungsgesellschaft und auch der Sicherheitsdienst möchten aber verhindern, dass dort Schlimmeres passiert. Deshalb wollen sie alle Beteiligten, von den Quarzwerken über die Herzog von Croysche Verwaltung bis zu beteiligten Kommunen an einen Tisch bringen, um das Problem zu beraten und nach einer Lösung zu suchen. „Hier muss etwas passieren“, sagt Marwin Gedenk.

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