Das Bild vom Baggerloch in Flaesheim weckt Urlaubsgefühle. Ungebetene Gäste sorgen allerdings für Ärger. © Wolfgang Koehler
Quarzwerke Haltern

„So schön“: Video lockt ungebetene Besucher zum Flaesheimer Baggerloch

Ein Video auf TikTok macht Werbung für das Baggerloch in Flaesheim. Das ärgert die Quarzwerke Haltern, die sich um eine Löschung bemüht haben.

Sonne, Sand und Meer. Seit gut einem Jahr müssen wir auf die Kombination dieser Dinge weitgehend verzichten. Das weckt Sehnsüchte, die ein Video auf der Social-Media-Plattform TikTok mit Hinweis auf das Flaesheimer Baggerloch verstärkt.

Unterlegt mit Musik hat ein User ein Video vom Gelände ins Netz gestellt und unter anderem mit dem Kommentar „So schön bei Gott hier“ versehen. Der Clip stößt auf Interesse und wurde bereits tausendfach angeklickt.

Die Quarzwerke Haltern als Eigentümer des Baggerlochs, haben an der öffentlichkeitswirksamen Werbung allerdings keine Freude. Nicht zu sehen ist nämlich beispielsweise im Video der Hinweis darauf, dass es sich um ein Privatgelände handelt und dass dieses eingezäunt ist, um ungebetene Besucher fernzuhalten.

Früher war das Baggerloch in Flaesheim ein Geheimtipp

Nun sorgt das Video auf TikTok genau für das Gegenteil. War der Ausflug zum Baggerloch in Flaesheim früher noch ein Geheimtipp, so erreicht den Standort jetzt eine ganze Welle von Erholungssuchenden und dabei spielt wohl auch der Reiz des Verbotenen eine Rolle.

Die Abbruchkante kann für Besucher gefährlich werden.
Die Abbruchkante kann für Besucher gefährlich werden. © Archiv © Archiv

Auf Facebook hat das Unternehmen Quarzwerke bereits eine Stellungnahme abgegeben und dieser das Emoji für „fühlt sich stocksauer“ hinzugefügt. „Es ist absolut nachvollziehbar, dass die Menschen sich mehr in der heimischen Natur aufhalten. Dass sie sie zumüllen, ist alles andere als nachvollziehbar. Einige teilen sogar ganz stolz in den sozialen Medien, dass sie illegal auf Privatgrundstücke gehen, um Party zu machen und Müll zu hinterlassen“, schreibt Unternehmenssprecherin Britta Franzheim.

Anwohner hätten den Quarzwerken berichtet, dass sich Besucher mit einem „halben Hausstand im Gepäck“ Zutritt zum Gelände verschaffen und anschließend einfach alles im Sand zurücklassen, berichtet sie im Gespräch mit der Redaktion. Um die Müllberge müssen sich dann die Quarzwerke kümmern.

Anwohner fordern ein härteres Durchgreifen

Anwohner fordern bereits härtere Strafen für das illegale Betreten des Geländes.

„Ob hier ein Parkverbot oder Privat Grundstück ist – interessiert niemanden. Da lachen die drüber, werfen ihren Müll in die Felder/Wald/Sand und pinkeln noch gegen Anwohner Hecken und werden noch frech!!! Es muss endlich richtig durchgegriffen werden“, wird in einem Kommentar unter dem Facebook-Post der Quarzwerke berichtet.

Britta Franzheim macht außerdem darauf aufmerksam, dass das Gelände nicht für Erholungszwecke gemacht ist. „Die Gefahren sieht man nicht“, sagt sie. Deshalb rät sie der TikTok-Gemeinde dringend davon ab, den Weg nach Flaesheim anzutreten.

„Vögel, die im Uferbereich der Baggerseen in Ruhe brüten wollen – egal. Nicht sichere Böschung, da es ja Tagebau ist – egal! Müllhaufen vergrößern – egal! Hausfriedensbruch – egal! Öffentlich andere zu Straftaten aufrufen, die auch geahndet werden können – egal?“, hat die Quarzwerke-Sprecherin auf Facebook formuliert.

Tik Tok will das Video nicht löschen

Sie hat das Video beim Betreiber der Plattform TikTok gemeldet und um eine Löschung gebeten. Es sei aber nur die Antwort per E-Mail zurückgekommen, dass der Inhalt nicht zu beanstanden sei und das Video deshalb weiterhin auf TikTok zu sehen ist.

Bei den Quarzwerken sieht man nun dem bevorstehenden langen Wochenende mit gemischten Gefühlen entgegen.“ Der Werkschutz werde aufmerksam sein, kündigt Britta Franzheim an. „Zum Glück gibt es auch auf TikTok User, die mitdenken. Die in Kommentaren versuchen zu erklären, warum es nicht sinnvoll ist, andere Menschen dorthin zu locken“, freut sie sich. Und: „Bitte liebe Mitmenschen, genießt unsere Plätze, die wir für die Öffentlichkeit geschaffen haben.“ Darunter ist der Silbersee II.

Über die Autorin
Redaktion Haltern
Jeder Mensch hat eine Geschichte zu erzählen und hinter jeder Zahl steckt eine ganze Welt. Das macht den Journalismus für mich so spannend. Mein Alltag im Lokalen ist voller Begegnungen und manchmal Überraschungen. Gibt es etwas Schöneres?
Zur Autorenseite
Silvia Wiethoff
Lesen Sie jetzt