Solidarisch gegen das Coronavirus – Nachbarschaftshilfen in Haltern gegründet

Coronavirus

Das Coronavirus trifft vor allem ältere Menschen. In Haltern wollen Bürger, Vereine und Gemeinden das Virus von ihren Mitmenschen fernhalten und bieten ihre Hilfe an – etwa beim Einkauf.

Haltern

, 18.03.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Vereine, Gemeinden und Bürgern in Haltern wollen ihren Mitmenschen helfen und gründen Nachbarschaftshilfen. Sie bieten etwa an für Coronavirus-Risikogruppen einkaufen zu gehen.

Vereine, Gemeinden und Bürgern in Haltern wollen ihren Mitmenschen helfen und gründen Nachbarschaftshilfen. Sie bieten etwa an, für Coronavirus-Risikogruppen einkaufen zu gehen. © picture alliance/dpa

Die Ausbreitung des Coronavirus fordert nicht nur das Gesundheitssystem und die Wirtschaft in unserem Land, sie ist vor allem auch eine Solidaritätsprüfung für unsere Gesellschaft. Wie schützen wir gefährdete Gruppen vor dem Virus?, ist in diesem Zusammenhang eine entscheidende Frage.

In Haltern haben sich die ersten Nachbarschaftshilfen auf verschiedenen Wegen zusammengefunden, um diese Frage aktiv anzugehen:

Das Netzwerk „Brücken bauen“, „Anti Rost“, die Caritaskonferenzen, die Pfarrei St. Sixtus, die evangelischen Kirchengemeinde und der Asylkreis haben etwa gemeinsam eine „nachbarschaftliche Hilfe“ ins Leben gerufen. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es sinnvoll ist, gemeinsam solidarische Hilfe anzubieten“, sagt David Schütz, Ehrenamtskoordinator der Caritas. „Wir wollten keinen Wettbewerb schaffen, sondern ein gemeinsames Netzwerk aufbauen, dem sich auch jeder anschließen kann.“

Vereine und Gemeinden vermitteln

In Abstimmung mit der Stadtverwaltung bietet das Netzwerk einen Notfalleinkaufsdienst für Halterner Bürger in Quarantäne und individuellen Notsituationen an. „Anti Rost“ nimmt Anfragen von betroffenen Bürgern telefonisch entgegen (Tel. 02364-9236-267 / Mobil: 01523/1807472). Die Sprechzeiten sind von Montag bis Freitag von 10 bis 18 Uhr.

Die Daten werden dann über einen Ansprechpartner im Stadtteil an die freiwilligen Helfer weitergegeben. Der Einkaufsdienst meldet sich dann bei den Hilfesuchenden, um die Einkaufsliste, die Uhrzeit und weitere Details zu besprechen.

Freiwillige, die sich dem Solidaritätsnetzwerk anschließen möchten, können sich bei einer der genannten Gruppierungen, per Mail an info@st-sixtus.de oder an die Ehrenamtskoordination im Caritasverband Ostvest bei David Schütz melden (d.schuetz@caritas-ostvest.de).

Halterner organisieren sich über Facebook

Am Sonntagnachmittag wurde außerdem auf Facebook die Gruppe „Nachbarschaftshilfe Haltern am See“ ins Leben gerufen. Am Mittwochnachmittag hat sie 452 Mitglieder. In Beiträgen bieten manche von ihnen Hilfe beim Einkaufen an, andere bieten an, mit dem Hund Gassi zu gehen.

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Auch Joachim Artz hat dort hineingeschrieben, dass er beim Einkauf helfen kann. „Da ich gerade entsprechend Freizeit habe, kann ich die auch sinnvoll nutzen“, sagt der 62-jährige Halterner. Bisher habe sich aber noch niemand bei ihm gemeldet. Er wolle das dann aber ganz unkompliziert regeln: „Vertrauen gegen Vertrauen.“

Junge Union ruft „Einkaufshelden“-Portal ins Leben

Über einen anderen Weg möchte Lukas Eichstaedt Menschen, die Hilfe benötigen, mit Einkäufen versorgen. Der Vorsitzende der Jungen Union in Haltern hat sich auf dem Portal „Die Einkaufshelden“ registriert. Es ist eine Aktion der Jungen Union (JU), die deutschlandweit läuft.

Eichstaedt betont aber, das Angebot sei überparteilich und richte sich nicht nur an Mitglieder der JU oder der CDU – weder aufseiten der Helfenden noch der Menschen, denen geholfen wird. Insgesamt haben sich dort bisher über 4000 Helfer eingetragen, in Haltern sind es aktuell 15, teilt die Junge Union mit. Eichstaedt ist einer von ihnen.

Der 24-Jährige will sich darum kümmern, dass die Aktion, die am Freitagabend in sozialen Netzwerken gestartet ist, in Haltern auch wirklich die Menschen erreicht, die Hilfe benötigen – also die Risikogruppen und damit vor allem ältere Menschen. Auf der Seite der „Einkaufshelden“ gibt es die Möglichkeit, vorgefertigte Aushänge auszudrucken.

Eichstaedt will Aushänge verteilen

Die will Eichstaedt in den nächsten Tagen in Supermärkten, in Mehrfamilienhäusern und an Straßenlaternen aufhängen, damit sie möglichst viele Leute erreichen. Aber könnten die Einkäufer nicht auch die Leute, für die sie einkaufen, anstecken? „Das ist natürlich möglich“, sagt Eichstaedt, „aber grundsätzlich vermindert es das Risiko einer Ansteckung. Es ist um einiges sicherer, als dicht an dicht an der Kasse zu stehen.“

Wie man die Übergabe der Einkäufe handhabe, müsse individuell abgesprochen werden, sagt er. „Man kann ja zum Beispiel die Einkäufe vor die Tür stellen. Auch ob jemand in Vorkasse geht oder das Geld vorher bekommt, wird dann abgesprochen.“ Da setze man auf beidseitiges Vertrauen. „Und auch darauf, dass die Leute auf sich selbst hören und nicht für andere einkaufen, wenn sie sich krank fühlen.“

Auch Lensing Media möchte helfen

Auch Lensing Media möchte helfen, deshalb haben wir die Aktion „Wir halten zusammen“ ins Leben gerufen. Denn auf Zusammenhalt kommt es in dieser Situation, die wir alle so noch nicht erlebt haben, an. Zwar ist die Zahl der Infizierten noch überschaubar, aber immer mehr Menschen müssen in häusliche Quarantäne. Das öffentliche Leben wird herunter gefahren. Da gewinnen neue Dinge an Bedeutung: Unter anderem steigt zurzeit die Zahl der Hilfsangebote unter Nachbarn und Familienmitgliedern, aber auch im Internet. Immer mehr gesunde Menschen, die nicht zur Risikogruppe derer zählen, die besonders anfällig für eine starke Lungenerkrankung (Covid-19) sind. Wir wollen helfen, deshalb stellen wir ein Poster zum Download bereit, das man sich ausdrucken kann. Dann kann man es aushängen und so Nachbarn seine Hilfe anbieten. „Wir halten zusammen“ ist die Überschrift zu einem gesellschaftlichen Zusammenrücken im Kampf gegen das Virus.
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