Stadt Haltern ist bei der Neugestaltung des Wasag-Geländes mit im Boot

hzUmweltzentrum

Es ist ein gewaltiges Projekt. Der Kreis Recklinghausen will die Stadt Haltern und die Bevölkerung an der Entwicklung des Wasag-Geländes beteiligen. Derzeit werden Ideen gesammelt.

Sythen

, 12.08.2019 / Lesedauer: 3 min

Bei der Entwicklung eines Konzepts zur künftigen Nutzung des ehemaligen Geländes der Wasag (Westfälisch-Anhaltische Sprengstoff AG ) will der Kreis Recklinghausen eng mit der Stadt Haltern zusammenarbeiten. Das hat Peter Haumann, Leiter des Fachbereichs Kreisentwicklung und Wirtschaft beim Kreis, jetzt mitgeteilt. Gemeinsam mit Halterns Baudezernentin Andrea Rüdiger hob er die besondere Bedeutung des Großprojekts in Sythen-Lehmbraken hervor. Zurzeit stecken die Planungen allerdings noch in den Anfängen.

Sprengstoffspuren belasten Böden und Grundwasser

Erst zum 1. Juni 2019 - sechs Monate später als geplant - hatte die Behörde das 209 Hektar große Gelände von der Wasagchemie Grundstücksverwertungsgesellschaft Haltern übernommen. Mehr als 120 Jahre lang war dort Sprengstoff produziert worden. Dabei gelangten bei der Produktion im Ersten Weltkrieg und dem späteren Rückbau der Munition zwischen 1916 und 1922 Rückstände in Boden und Grundwasser, die bis heute gefährlich sind. „Nicht die Wettersprengstoffe sind unser Problem“, sagt Haumann mit Blick auf die damalige Herstellung von Sprengstoff für die westdeutschen Kohlereviere und das Saarland. Vielmehr habe die Kriegsproduktion zur extremen Verseuchung der Böden beigetragen. Die sogenannten Schadstofffahnen mit Spengstoffspuren ziehen bis heute Richtung Talsperre Haltern. In Sythen herrscht in weiten Teilen ein Grundwassernutzungsverbot. Das Thema Altlasten bleibe daher ein großes.

Rahmenplan soll nächstes Jahr vorgestellt werden

Wie der Geograph erklärt, werde derzeit ein Rahmenplan für die Wasag-Fläche erstellt. „Wir wollen den Plan relativ allgemein fassen, um flexibel bleiben zu können.“ Bis 2020 soll er fertiggestellt sein. Dann auch werde die Bevölkerung beteiligt. „Wir wollen entwickeln, nichts vorgeben“, betont Haumann.

„Maßgeblich mitgestalten“ möchte dabei auch die Stadt Haltern nach Aussage von Baudezernentin Andrea Rüdiger. Haumann erwidert: „Ohne die Stadt Haltern können wir nicht planen.“

Gebäude zum Teil marode

Die Geschichte des Geländes soll erhalten werden. Darüber sind sich die Verantwortlichen einig. „Einen so großen Standort für Wettersprengstoffe wie in Sythen gibt es in der gesamten Region nicht“, erklärt Peter Haumann. Inwieweit aber auch die zum Teil sehenswerten Jugendstil-Gebäude saniert werden können, müsse noch intensiv geprüft werden. „Die Gebäude sind zum Teil sehr marode“, gibt der Kreisverwaltungsdirektor zu bedenken. Damit seien sie mitunter auch nicht mehr verkehrssicher. Zum Beispiel dort, wo Zünder hergestellt worden seien. „Die Bunkeranlagen sind möglicherweise einsturzgefährdet.“ Der Altlastensanierungsverband unterstützt den Kreis beim Rückbau der Anlagen.

Stadt Haltern ist bei der Neugestaltung des Wasag-Geländes mit im Boot

Imposanter Bau: Das Pförtnerhaus des ehemaligen Wasag-Geländes ist nach wie vor besetzt. © Ingrid Wielens

Wie aber kann das Wasag-Gelände überhaupt genutzt werden? „Umwelt, Bildung, Wirtschaft“ - das sind die Stichworte, denen mit konkreten Projekten Leben eingehaucht werden soll. Über ein Umweltzentrum, das Bildung, Forschung und Unternehmen der Umweltwirtschaft zusammenführt, wird nachgedacht. Auch die Möglichkeit der naturnahen Erholung behält der Kreis im Blick: „Es gibt hochwertige ökologische Flächen wie beispielsweise seltene Hochmoore auf dem Gelände“, sagt Peter Haumann. Momentan werde dort eine Biotoptypenkartierung vorgenommen.

Stadt Haltern ist bei der Neugestaltung des Wasag-Geländes mit im Boot

Die Gebäude auf dem ehemaligen Wasag-Gelände - hier eine Halle, in der Sprengstoff gemischt wurde - sind zum Teil in einem maroden Zustand. © Ingrid Wielens

Eingebunden werden sollen die Naturflächen des Wasag-Geländes möglichst in die umliegenden schützenwerten Naturgebiete - die Truppenübungsplätze Lavesum und Borkenberge, den Stausee und die Silberseen.

Kein Platz für Wohnprojekte

Klar ist unterdessen bereits, was auf keinen Fall in Sythen-Lehmbraken entstehen soll. „Das Wasag-Gelände wird kein Freizeitschwerpunkt werden“, sagt Haumann. Soll heißen: Gastronomische oder Freizeitangebote sind nicht geplant. Und auch der Wohnungsbau ist nach Haumanns Worten ausgeschlossen.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Eindrücke vom ehemaligen Wasag-Gelände

Das ehemalige Wasag-Gelände ist in den Besitz des Kreises Recklinghausen übergegangen. Die Halterner Zeitung hat das Areal besichtigt.
03.06.2019
/
Die Pforte des Wasag-Geländes: Nur Befugte kommen aufs Gelände.© Ingrid Wielens
Das ehemalige Verwaltungsgebäude© Ingrid Wielens
Das Wasag-Areal, das der Kreis übernommen hat, ist 209 Hektar groß.© Ingrid Wielens
Alte Fabrikhallen gibt es viele auf dem Wasag-Areal.© Ingrid Wielens
Eine Trafostation© Ingrid Wielens
Eindrücke vom Versand-Gebäude© Ingrid Wielens
209 Hektar groß ist das neue Gelände des Kreises Recklinghausen. Auf dieser Fläche wurden unter anderem zwei Holzbaracken kontrolliert abgebrannt.© Ingrid Wielens
Viele alte Fabrikgebäude sind auf dem Areal zu sehen.© Ingrid Wielens
In diesen Hallen wurde Sprengstoff produziert.© Ingrid Wielens
Der Eingang zur Sprengstoff-Mischanlage© Foto:Ingrid Wielens
Eine Verladestation© Ingrid Wielens
Ein Bunker© Ingrid Wielens

An einen konkreten Zeitplan sei zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht zu denken, hieß es weiter. Wenn es aber nach den Vorstellungen Peter Haumanns geht, „hätte es doch einen gewissen Charme“, die Entwicklung der Wasag-Fläche auch im Rahmen der Internationalen Gartenausstellung „IGA“ 2027, bei der die Metropolregion Rhein-Ruhr im Mittelpunkt steht, entscheidend vorangetrieben zu haben.

Lesen Sie jetzt
Halterner Zeitung Exklusiver Einblick

Im Video: Der letzte Sprengstoff-Transporter rollt vom Sythener Wasag-Gelände

32 Sprengstoff-Kisten sind am Mittwoch vom Wasag-Gelände in Sythen abtransportiert worden. Damit ist ein Großteil der erforderlichen Rückbau-Arbeiten auf dem belasteten Areal beendet. Von Ingrid Wielens

Lesen Sie jetzt