Diese grüne Fläche soll künftig mit einem Tiny-House bebaut werden. © Schrief
Tiny-Houses

Stadt Haltern verkauft Mini-Grundstücke für Tiny-Houses gegen Höchstgebot

Die Stadt verkauft in Lippramsdorf zwei kleine Grundstücke für den Bau von Tiny-Houses. In Kürze startet sie das Bieterverfahren, obwohl Anlieger das Vorhaben mit Argwohn sehen.

Tiny-Houses als Erstwohnsitz soll es bald auch in Haltern geben. Die Stadt verkauft nach mehrheitlichem Beschluss des Hauptausschusses im Lippramsdorfer Ortsteil Mersch zwei rund 220 Quadratmeter große Grundstücke. Diese sollen in Kürze gegen Höchstgebot den Besitzer wechseln. Als das Vorhaben im April bekannt wurde, gab es ziemlichen Ärger. Anwohner der Finken- und Falkenstraße fühlten sich von der Stadt übergangen: Sie hatten aus der Zeitung vom Verkauf der beiden Parzellen erfahren.

Das eine Grundstück hat die Stadt seit 40 Jahren als Gartenland verpachtet. Bei der letzten Aktualisierung des (jährlich kündbaren) Pachtvertrages im vergangenen Jahr sei von einem Verkauf keine Rede gewesen, ärgerte sich anfangs Andrea Berse, Tochter der Hausbesitzerin. Das andere Grundstück war einst Kinderspielplatz. Damit die Stadt nicht noch weiter in die Schulden rutschte, schloss sie bis zum Jahr 2020 insgesamt 28 Kinderspielplätze, sieben Bolzplätze und die Skater-Anlage am Lippspieker, einige Plätze verkleinerte sie. Der Spielplatz in der Mersch an der Finkenstraße zählte zu denen, die aufgelöst wurden.

Fünf Interessenten haben sich schon gemeldet

Das Bieterverfahren für die beiden Tiny-House-Grundstücke in der Mersch an der Römer-Lippe-Fahrradroute werde in den nächsten Wochen starten, kündigte Baudezernent Siegfried Schweigmann an. Dafür habe die Stadt zwischenzeitlich eine eigene Internetseite entwickelt. Sie werde das Bieterverfahren mit Bekanntmachung im Amtsblatt und auf der städtischen Internetseite eröffnen.

„Wir haben bislang fünf Interessensbekundungen vorliegen, so dass ich sicher bin, dass die Grundstücke auch tatsächlich vermarktet werden können“, ist Siegfried Schweigmann zuversichtlich, dass es am Ende einen Vertragsabschluss geben wird.

Es gibt die Verpflichtung, ein Tiny-House zu bauen

In dem Aufgebot wird die Stadt ausdrücklich darauf hinweisen, dass mit dem Kauf auch die Verpflichtung einhergeht, das Grundstück mit einem Tiny-House bebauen zu müssen. Im entsprechenden Kaufvertrag wird sie sich eine Rückgabeverpflichtung für das Grundstück einräumen lassen, falls das Minihaus nicht in zwei oder drei Jahren errichtet wird. Die Pächterin des Gartenlandes sei von dem baldigen Bieterverfahren unterrichtet worden. Den Garten nutzt ihr Mieter Peter Fuhrmann seit 13 Jahren. Er sei nicht bereit, dieses grüne Fleckchen aufzugeben. Ein Mitspracherecht aber hat er nicht.

„In einer 500-Seelen-Siedlung, die zum großen Teil aus jungen Familien besteht, erst den Spielplatz einebnen und dann ein Tiny-House drauf bauen wollen, ist schon ein starkes Stück“, hieß es vor Monaten unter anderem in den sozialen Netzwerken. Die Stadt ließ sich nicht beirren. Sie kündigte bereits im April an, dass sie an ihrer Entscheidung festhalten werde.

So kann ein Tiny-House von innen aussehen – für ein Leben auf kleinstem Raum. © picture alliance / Paul Zinken/dpa © picture alliance / Paul Zinken/dpa

Der Bodenrichtwert liegt in der Mersch bei 180 Euro. Er ist ein Anhaltspunkt, in Haltern werden bekanntlich für Grundstücke mindestens 30 Prozent aufgeschlagen.

Im Hauptausschuss stimmten SPD und FDP gegen den Verkauf der kleinen Parzellen, auf denen Baurecht gilt. Die SPD vermisste ein echtes Konzept für minimalistisches Wohnen, sie schlug statt der zwei kleinen Grundstücke in dem abgelegenen Ortsteil stadtnahe ungenutzte Freiflächen oder Baulücken vor, die für den konventionellen Wohnungsbau nicht in Betracht kommen.

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Elisabeth Schrief

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