Stadt Haltern kann keine eigenen Gewerbegrundstücke mehr anbieten

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Gewerbetreibende, die sich in Haltern mit einem Betrieb ansiedeln möchten, haben schlechte Karten. Denn die Stadt verfügt derzeit über keine Gewerbe-Grundstücke mehr. Sie will das ändern.

Haltern

, 22.01.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Halterns Gewerbegebiete an der Annabergstraße, an der Recklinghäuser Straße, am Münsterknapp sowie rund um Prozessionsweg und Brinkwiese sind voll. Es sei ein Trauerspiel, dass Haltern keine Grundstücke für neues Gewerbe anbieten könne, hieß es kürzlich im Ausschuss Stadtentwicklung und Umwelt. Verwaltung und Politik haben ein Gebiet ins Auge gefasst, um dieses Manko zu ändern.

In der Verwaltung gibt es einen Fachbereich Wirtschaftsförderung. Die Mitarbeiter beraten und unterstützen Unternehmen bei der Existenzgründung, Standortsuche, Betriebserweiterung oder -verlagerung.

Gesucht werden Grundstücke bis zu zehn Hektar Größe

Regelmäßig, so sagt Maria Lichter, erreiche die Wirtschaftsförderung Anfragen von Consulting Firmen und Maklern aus dem gesamten Bundesgebiet, die die Vermittlung von Gewerbeflächen für nicht konkret benannte Unternehmen anbieten. Ebenso erreichen sie Standortanfragen der Businessmetropole Ruhr und auch der NRW Invest, die an alle Kommunen des zuständigen (Verbands-)Gebietes gerichtet sind. „Davon unterscheiden sich Anfragen von Unternehmen, die gezielt nach einem Gewerbegrundstück in der Stadt Haltern am See fragen“, erklärt sie auf Nachfrage.

Gesucht werden Grundstücke von unter 1000 Quadratmetern bis hin zu zehn Hektar. Während Consultingfirmen und Investmentunternehmen tendenziell eher nach Fachmarktstandorten suchen, richten Handwerksbetriebe ihre Anfragen direkt an die Stadtverwaltung.

Die Stadt Haltern hat alle Potenziale ausgeschöpft

Um die Nachfrage bedienen zu können, reaktivierte die Stadt in den älteren Gewerbegebieten alle Brachflächen. Alternativ wertete sie mindergenutzte Flächen auf und machte sie baureif. „So konnten wir ansiedlungswilligen Unternehmen eine Perspektive aufzeigen“, erklärt Maria Lichter. Allerdings seien diese Potenziale nun auch so gut wie ausgeschöpft.

Mit einem Gewerbeimmobilien-Service versucht die Wirtschaftsförderung, Gewerbetreibenden bei der Suche nach bebauten und unbebauten Grundstücken zu helfen. Dabei berücksichtigt sie sowohl Kaufgesuche und Verkaufsangebote als auch Miet- und Pachtobjekte. Die Stadt führt eine Interessentenliste, Betriebe können sich vormerken lassen.

Die Weichen für ein neues Gewerbegebiet werden gestellt

Falls aber ein Unternehmen kurzfristigen Flächenbedarf hat, aber in Haltern nichts findet, wird auf Wunsch des Unternehmens das Anliegen an die WiN Emscher-Lippe GmbH, die regionale Einrichtung der Wirtschaftsförderung, weitergeleitet.

Die Stadt möchte die Gewerbetreibenden allerdings am liebsten am Ort halten. Deshalb plant sie seit langem ein neues Gewerbegebiet an der Münsterstraße. Noch vor dem Sommer will sie einen Aufstellungsbeschluss für das etwa zehn Hektar große Gebiet stadtauswärts hinter dem Görtzhof in den Rat einbringen.

Falls aber ein Unternehmen kurzfristigen Flächenbedarf hat, wird auf Wunsch des Unternehmens die Standortsuche an die WiN Emscher-Lippe GmbH, die regionale Einrichtung der Wirtschaftsförderung, weitergeleitet.

„Es fehlen Rahmenbedingungen für neue Arbeitsplätze“

Die WiN bietet allerdings keine konkreten Gewerbeflächen an, jedoch wird über das Netzwerk der Wirtschaftsförderer versucht, das Unternehmen in die Region zu vermitteln. „Allerdings ist der Mangel an verfügbaren Gewerbeflächen kein Alleinstellungsmerkmal der Stadt Haltern am See und somit ein spezialisiertes Alternativangebot nicht immer möglich“, erklärte Geschäftsführer Bernd Groß auf Nachfrage. Was bedeutet es für eine Stadt wie Haltern, wenn sie keine Gewerbeflächen mehr anbieten kann?

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Dazu sagt Geschäftsführer Groß klar: „Damit sind die Möglichkeiten der Erweiterung bestehender Unternehmen durch Verlagerung und die Ansiedlung neuer Unternehmen grundsätzlich deutlich eingeschränkt.“ Dementsprechend fehlten Rahmenbedingungen zur Schaffung neuer Arbeitsplätze.

Politik ärgert sich über restriktive Bedingungen

Generell sind im neuen Flächennutzungsplan für die nächsten 15 Jahre lediglich 3,8 Hektar für neue Mischgebietsflächen und 10,1 Hektar für neue Gewerbegebiete ausgewiesen. Halterns Politiker ärgern sich darüber. Bürgermeister Bodo Klimpel ärgert sich seit langem über die restriktive Flächenbedarfsrechnung. Haltern (in der Zuständigkeit des Regionalverbandes Ruhr) habe zugunsten der Ruhrgebietsstädte das Nachsehen. Klimpel: „Münsterland-Kommunen schneiden viel großzügiger ab als wir. Wir müssen als Stadt aber interessant bleiben für die, die hier leben und arbeiten möchten.“

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