In Lippramsdorf verkauft die Stadt Grundstücke für Tiny Houses und kommt dem Wunsch, auf kleinem Raum Wohnglück verwirklichen zu können, entgegen. © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild
Tiny Houses

Stadt vergibt Grundstücke – die ersten Tiny Houses in Haltern aus Stein?

Das Bieterverfahren für die Grundstücke, auf denen Tiny Houses gebaut werden können, ist beendet. Die Preisvorstellungen der Stadt wurden überboten, es gibt aber auch spezielle Wünsche.

Am 31. Dezember 2021 endete das Bieterverfahren für die beiden Tiny House-Grundstücke in Haltern-Lippramsdorf. Für die gut 250 Quadratmeter großen Grundstücke an der Römer-Lippe-Route rief die Stadt 41.400 beziehungsweise 45.000 Euro auf. Es handelt sich bei den Flächen um einen ehemaligen Spielplatz sowie um ein Gartengrundstück.

Laut Auskunft der Stadt lief das Bieterverfahren erfolgreich. Die Stadt Haltern am See hat zu beiden Grundstücken Gebote von acht Interessenten erhalten, einige lagen fünfstellig über den Vorstellungen der Stadt lagen. Von den Höchstbietenden kam einer aus der Nachbarschaft, einer aus der Nachbarstadt Dorsten. Weitere Einzelheiten will die Bauverwaltung nicht nennen, da es sich um eine Liegenschaftsangelegenheit handele und der Kaufprozess noch nicht abgeschlossen sei.

Festgelegt war zuvor folgende Regelung: Sollten Höchstgebote desselben Bieters für beide Grundstücke vorliegen, muss sich der Bieter für ein Grundstück entscheiden. Der Zuschlag für das andere Grundstück erfolgt dann an den Zweithöchstbietenden.

„Für den Begriff Tiny House gibt es keine feste Definition“

Aus gut informierten Kreisen wurde bekannt, dass ein Bieter von außerhalb das Gebot deutlich überschritten hat. Er soll den Wunsch vorgetragen haben, ein Haus aus Stein mit Garage bauen zu dürfen.

Das bestätigt die Verwaltung. „Es stimmt, dass Wünsche an die Stadt herangetragen wurden, ein Haus aus Stein mit Garage zu bauen“, sagt Stadtsprecherin Sophie Hoffmeier. Die Stadt zeigt sich offen. Für den Begriff Tiny House gebe es schließlich keine feste Definition. Sicherlich käme vielen als erstes ein Bauwagen aus Holz in den Sinn, wenn sie an Tiny-Häuser denken. Tatsächlich sei es aber so, dass es Tiny-Häuser aus den unterschiedlichsten Materialien und in den unterschiedlichsten Formen gebe.

Geplant ist ferner, den kleinen Fußweg zwischen den Grundstücken zu verlegen. Das geschähe umständehalber wegen nicht überbaubarer Versorgungsleitungen (unter dem Gartengrundstück führt eine Gasfernleitung zum Chemiepark her).

Die SPD als Antragsteller vermisst echtes Konzept

Die SPD hatte im Februar 2020 den Antrag gestellt, Grundstücke für Tiny Houses in Haltern zur Verfügung zu stellen. Es gibt in der Stadt durchaus Interessenten, die sich in einer Facebook-Gruppe zusammengeschlossen haben. Doch den Beschluss, die beiden kleinen Grundstücke in Lippramsdorf zu verkaufen, trugen SPD und FDP nicht mit. Die SPD vermisst ein echtes Konzept, sie schlug statt der zwei kleinen Parzellen in dem abgelegenen Ortsteil ungenutzte Frei- und Brachflächen oder Baulücken vor, die für den konventionellen Wohnungsbau nicht in Betracht kommen.

„Statt der üblichen, meist hochpreisigen Neubauwohnungen könnten so auch in unserer Stadt günstige Eigenheimprojekte entstehen. Angesichts des Wohnraum- und Flächenmangels sowie immer weiter steigender Mieten und Immobilienpreise sind die Minibehausungen begehrt“, schrieb die SPD damals in ihrem Antrag.

Wer ein Tiny House als Dauerwohnsitz nutzen möchte, benötigt Baugrund und eine Baugenehmigung und muss laut deutschem Städte- und Gemeindebund Statik und Brandschutzordnungen einhalten. Neben der Ver- und Entsorgung von Wasser/Abwasser, Gas, Strom und Internet müssen die Grundstücke an das Wege- und Straßennetz angeschlossen sein. Das alles in der gewachsenen Wohnsiedlung in der Mersch gegeben.

Der Tenor in der Tiny-House-Gruppe war nach der ersten Freude über die Ausweisung der Grundstücke deutlich verstimmt: „Der Preis ist für Grundstücke in einer Lage mit schwacher Infrastruktur viel zu teuer“, hieß es unter anderem. Für ein Wochenend-Wohnen sei es in der Mersch sicherlich schön, aber alltagstauglich sei die Lage nicht. Weitere Grundstücke über die in der Mersch hinaus hat die Stadt derzeit nicht anzubieten.

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Elisabeth Schrief

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