Fahrradfahren in Haltern: Auch die Stadtverwaltung sei „grundsätzlich nicht zufrieden“ mit den Ergebnisse des Fahrradklima-Tests 2020. © picture alliance/dpa
Fahrradklima-Test 2020

Stadtverwaltung will Fahrradklima in Haltern verbessern

Der Fahrradklima-Test des ADFC hatte einige Probleme und Schwachstellen für Fahrradfahrer in Haltern am See benannt. Nun hat sich die Stadt zu den Ergebnissen geäußert.

Halterns Ergebnisse des Fahrradklima-Tests 2020 seien unzureichend, urteilte der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) Haltern. „Die Gesamtwertung für unsere Stadt ist konstant schlecht ausgefallen“, lautete das Ergebnis der Analyse. Nun hat sich die Stadtverwaltung zu den Ergebnissen geäußert. Sie sei „grundsätzlich nicht zufrieden, wenn es die Bürger nicht sind“, hieß es. In ihren Antworten zu den Einschätzungen zum Fahrradklima-Test versuchte sie allerdings, die Kritik zu entkräften.

Am schwächsten schnitt Haltern in den Kategorien „Ampelschaltung für Radfahrer“ (Note 4,4), „Falschparkerkontrolle auf Radwegen“ (4,4) sowie „Führung an Baustellen“ (4,5) ab. Sophie Hoffmeier von der Pressestelle der Stadt Haltern äußerte sich in Bezug auf diese Punkte wie folgt:

  • „Die Ampelschaltungen in der Innenstadt zielen auf die Grüne Welle auf den Hauptverkehrsstraßen ab, sodass Nebenrichtungen leider folglich teilweise lange Wartezeiten haben; gleichzeitig führt auch die Busvorrangschaltung insbesondere zu den Stoßzeiten zu längeren Wartezeiten.“
  • „Falschparker auf Radwegen werden immer sofort aufgeschrieben, wenn sie erwischt werden.“
  • „Die Führung an Baustellen kann nicht pauschal beantwortet werden, aber grundsätzlich gilt die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer zu gewährleisten.“

Ein weiterer deutlicher Kritikpunkt der Halterner Teilnehmer am Fahrradklima-Test 2020 war die „Fahrradförderung in jüngster Zeit“ in der Stadt. 69 Prozent der Befragten waren der Meinung, dass Fahrradfahren in Haltern nicht genug gefördert wird. Dem widerspricht die Stadtverwaltung. Hoffmeier: „Wir arbeiten ständig an der Förderung des Radverkehrs, vieles bleibt aber vermutlich von der Bevölkerung unbemerkt.“

Prioritätenliste Radwegebau

Als Beispiele werden kleinere Maßnahmen wie die Radabstellanlage Mühlenstraße genannt. Zudem laufe im Hintergrund eine Reihe von Maßnahmen: So erwarte die Stadt unter anderem einen Förderbescheid für Radwegebau in Haltern-Mitte 2021.

Die Verwaltung wurde zudem vom Klima-, Umwelt und Mobilitätsausschuss (KUMA) beauftragt, noch in diesem Jahr eine Prioritätenliste Radwegebau zu erarbeiten. Im KUMA wurde am 4. März mit mehrheitlichem Beschluss des Ausschusses gefordert, die Radwege zu sanieren und neue zu schaffen. Hohe Priorität genießen demnach die Bereiche Schüttenwall, Recklinghäuser Straße, Stever-Lippe-Passage und Stockwieser Damm zwischen Wallweg und Grotekamp.

Haltern schnitt beim Fahrradklima-Test mit der Note 3,6 ab, was der Schulnote 3- entspricht. Im bundesweiten Vergleich belegt die Stadt Platz 78 in der Ortsgrößenklasse 20.000 bis 50.000 Einwohner von 415 teilnehmenden Städten der gleichen Ortsgrößenklasse.

Im Landesvergleich schneidet Haltern auf Rang 26 von 116 Kommunen und Gemeinden ab. Im Vergleich mit den kreisangehörigen Städten der gleichen Ortsgrößenklasse ist Haltern auf Rang 1. Waltrop (4,19), Oer-Erkenschwick (4,45) sowie Datteln (4,67) schnitten deutlich schwächer ab.

Weitere Antworten der Stadt zu den Ergebnissen

  • Fahren auf Radwegen (von 63 Prozent der Teilnehmer negativ beantwortet): „Die Frage zum Sicherheitsgefühl ist grundsätzlich ein stellenweise stark subjektives Empfinden. Es kann durch Wegebreiten, Beleuchtung, Wegeführung etc. beeinflusst werden. Durch unsere Bürgerbefragung haben wir in diesem Bereich einen guten Eindruck gewonnen. Die Stellen, die uns konkret mitgeteilt wurden, an denen versuchen wir auch zu arbeiten.“
  • Breite von Radwegen (von 70 Prozent der Teilnehmer negativ beantwortet): „Die Radwegeanordnung wurde auf sämtlichen Gemeindestraßen aufgehoben, sodass Radfahrer nun die freie Wahl haben, ob sie auf dem freigegebenen Gehweg (mit ggf. aber geringen Breiten) oder auf der Fahrbahn fahren.“
  • Baulicher Zustand der Radwege (von 63 Prozent der Teilnehmer negativ beantwortet): „Die Stadt bessert konstant kleinere Schäden auf Wegen aus. Große Maßnahmen werden anhand von Prioritätenlisten erneuert, wie beispielsweise die in diesem Jahr geplante grundhafte Radwegeerneuerung von ca. 14 km Radwegen in Haltern-Mitte.“
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Niklas Berkel
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