Steigende Corona-Zahlen: Verschärft die Stadt Haltern die Maßnahmen?

hzCorona-Bekämpfung

21 Halterner sind akut an Corona erkrankt. Soll oder darf die Stadtverwaltung deshalb strengere Maßnahmen verhängen, um die Infektionszahlen einzudämmen?

Haltern

, 02.10.2020, 17:10 Uhr / Lesedauer: 2 min

Landrat Cay Süberkrüb wünscht sich als Chef der Kreisverwaltung bei der Bekämpfung von Corona mehr Kompetenzen. „Wir können den Bürgern nicht plausibel erklären, warum nichts unternommen wird, um die Infektionen einzudämmen“, wirft er dem NRW-Gesundheitsministerium vor und fordert Änderungen in der Verordnung. Dabei hat er Gladbeck im Blick mit aktuell 101 Infizierten und Haltern mit 21. Doch Bürgermeister Bodo Klimpel findet, dass beide Städte nicht vergleichbar sind.

„In Haltern können wir das Infektionsgeschehen nicht an einem Hotspot festmachen“, sagte Bodo Klimpel auf Nachfrage. In der Flächengemeinde Haltern kämen auf zehn Quadratkilometern 1,5 Infizierte, in dicht besiedelten Städten wie Gladbeck lebten sie dagegen auf vergleichbar kleinem Raum zusammen.

„Schärfere Maßnahmen sind nicht zu begründen“

Zurzeit gibt es in Sythen sechs Infizierte, in der Innenstadt vier, die übrigen verteilen sich auf die Ortsteile Hullern, Lippramsdorf, Bossendorf und Lavesum. In einer großflächigen Stadt wie Haltern sei im Übrigen die absolute Zahl der Infizierten aussagekräftiger als die Inzidenzzahl (die Infektionen der letzten sieben Tage pro 100.000 Einwohner), findet der Bürgermeister. Derzeit könne er schärfere Maßnahmen nicht begründen.

Die Stadtverwaltung appelliert allerdings angesichts der aktuellen Entwicklungen an das Verantwortungsbewusstsein aller Bürger. Jeder sollte an Maske, Abstand und Hygiene denken und das Lüften von Räumen nicht vergessen.

Der Kreis ist nicht zufrieden und verhandelt weiter

Eine Sprecherin des Kreises betonte, die Gespräche zwischen Kreisverwaltung und NRW-Gesundheitsministerium würden fortgeführt. Ziel sei, Infektionsketten zu unterbrechen. Dafür müsse es auf der Grundlage eines Gesetzes möglich sein, größere Maßnahmen sofort für ganze Städte anzuordnen. Derzeit fehlt dem Kreis die rechtliche Handhabe, solange nicht die laut Paragraf 15a kreisweite Inzidenz den vom Land festgelegten Schwellenwert 35 beziehungsweise für weitere Maßnahmen 50 erreicht.

Die Pressestelle des Gesundheitsministeriums sagt dagegen, örtliche Ordnungsbehörden könnten auch den Paragrafen 28 des Infektionsschutzgesetzes anwenden und selbst strengere Schutzmaßnahmen anordnen. Das seien aber alles Regeln, die ohnehin schon im Kreis gälten, so die Sprecherin der Kreisverwaltung.

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