Die Blaue Brücke über die Stever ist schön, aber alltagsuntauglich. © Archiv
Meinung

Steverbrücke: Stadt Haltern kommt nicht mit einem blauen Auge davon

Die Steverbrücke am Walzenwehr ist seit Wochen gesperrt. Jetzt müssen Halterns Politiker über die Zukunft des maroden Bauwerks entscheiden. Dazu ein Kommentar.

Hat die Stadt vor 14 Jahren die Katze im Sack gekauft? Hat sie sich in ihrem Tatendrang, die Distanz zwischen Stadt und See wohlgefällig zu überbrücken, von filigraner Optik blenden lassen? Ja, das hat sie. Doch mit der Brücke zum Schnäppchen-Preis hat sie ihr blaues Wunder erlebt.

Das Bauwerk ist weder robust noch wirtschaftlich. Es hat sein Haltbarkeitsdatum schneller überschritten, als die Stadt es genießen konnte.

Die Freude über eine optisch wirklich schöne, blau gestrichene Brücke mit Blick auf Stausee und Stever währte nicht lange. Bereits kurz nach Eröffnung musste nachgebessert werden, weil die Brücke die Radfahrer und Fußgänger aufgrund ihrer Schwingungen schwindelerregend übers Wasser setzte. Die ersten Mängel zeigten sich wie lästige und peinliche Pickel. Immer wieder – bei Laufveranstaltungen oder am 1. Mai – musste die Brücke gesperrt werden: Sie hält große Gruppen nicht aus. Im Handwerk nennt man das „Pfusch am Bau“.

Wer letztlich etwas versäumt hat, ist heute schwer nachvollziehbar. Die Verantwortlichen, angefangen vom Bremer Brückenbauer bis hin zum Münsteraner Prüfstatiker sind nicht mehr greifbar. Warum Prüfungen nicht so genau genommen wurden, deutete sich im Bauausschuss an: Die Traglast der Brücke ist so gering, dass Untersuchungen unmöglich oder viel zu teuer sind.

Aber Nachkarten hilft nicht weiter: Die Brücke ist hinfällig, es muss etwas geschehen. Egal, wie die Entscheidung im Rathaus ausfällt: die Rechnung für Reparatur oder Abriss und Neubau zahlt in jedem Falle der Steuerzahler.

Ein Gutachter soll nun klären, was mehr Sinn macht: Sanierung oder Abriss. Millionen werden so oder so verbaut, es sei denn, die Stadt verzichtet künftig auf den Brückenschlag über die Stever. Mit einem blauen Auge jedenfalls kommt die Stadt nicht davon.

Die Brücke hat keine Doppelgänger. Warum wohl?

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Redaktion Haltern
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Elisabeth Schrief
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