Ein riesiger Baum ist auf André Schreibers Auto gekracht. © Guido Bludau
Weseler Straße

Straßen.NRW zu Baumsturz in Lippramsdorf: „Der Baum galt als unauffällig“

Ein Baum stürzt in Lippramsdorf auf eine Bundesstraße. Zwei Frauen kommen in ihrem Auto mit großem Schrecken davon. Ein Fahrzeug wird schwer beschädigt. Die zuständige Behörde nimmt Stellung.

André Schreiber sitzt im Wohnzimmer, als er am Ostermontag gegen 15 Uhr einen lauten Knall vernimmt. Dann hört der Lippramsdorfer Menschen schreien. Er rennt hinaus auf die Straße. Als erstes sieht er seinen Ford Mustang, den er auf seinem Grundstück an der Weseler Straße geparkt hat. Das komplette Heck des Liebhaberfahrzeugs ist unter einem gewaltigen Baum begraben.

Dann fallen André Schreiber die beiden Frauen auf, die mitten auf der Bundesstraße stehen – ausgebremst von dem gewaltigen Baum, der vermutlich nach Windböen umgestürzt war und nun die komplette Fahrbahn blockiert.

In letzter Sekunde hatte die 26-jährige Marlerin ihr Fahrzeug mit einer Vollbremsung zum Stillstand bringen können. Der Koloss war um Haaresbreite auf ihrem Auto gelandet. Die Fahrzeugführerin und ihre Mutter, die auf dem Beifahrersitz saß, sind geschockt.

Eine 26-Jährige und ihre Mutter aus Marl hatten großes Glück. Um Haaresbreite verpasste der umstürzende Baum ihren Wagen.
Eine 26-Jährige und ihre Mutter aus Marl hatten großes Glück. Um Haaresbreite verpasste der umstürzende Baum ihren Wagen. © Guido Bludau © Guido Bludau

Auch André Schreiber sitzt der Schreck in den Knochen. „Wir hatten Glück, dass wir zu dem Zeitpunkt nicht gerade mit den Hunden draußen waren oder Menschen vor dem Haus standen“, sagt er im Gespräch mit der Halterner Zeitung. Der schwergewichtige Baum hätte sie schwer verletzen können.

Baum geriet im Laufe der Zeit in Schräglage

Seit neun Jahren wohnt André Schreiber in dem Haus an der Weseler Straße. Nach und nach sei der Baum immer mehr in Schräglage geraten, erzählt er. Am 20. März habe er dies auch Straßen.NRW gemeldet. „Ich hatte Sorge – der Baum neigte sich immer mehr in Richtung unseres Grundstücks“, sagt Schreiber. Der Landesbetrieb Straßen.NRW ist zuständig für die Unterhaltung, Wartung und Pflege der Bundesstraße 58. Dazu zählen auch die Straßenbäume.

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Baum auf B 58 in Lippramsdorf gestürzt

Ein Vertreter von Straßen.NRW sei dann auch eine Woche später tatsächlich vor Ort gewesen und habe den Baum mit gut einem Meter Durchmesser begutachtet. Der Mann habe angekündigt, einen weiteren Experten zur Weseler Straße schicken zu wollen. „Ja, so ist das“, sagt André Schreiber ein wenig resigniert. Denn getan hatte sich seitdem nichts.

Mit dem gesamten Wurzelwerk löste sich der Baum aus der Erde. „Er war unauffällig“, sagt eine Sprecherin des Landesbetriebs Straßen.NRW.
Mit dem gesamten Wurzelwerk löste sich der Baum aus der Erde. „Er war unauffällig“, sagt eine Sprecherin des Landesbetriebs Straßen.NRW. © Guido Bludau © Guido Bludau

Bis Ostermontag schließlich, als der Baum auf die Straße krachte. Polizei und Feuerwehr waren schnell vor Ort, hatten die Unfallstelle gesichert und Mitarbeiter des städtischen Bauhofs alarmiert. Denn außerhalb der Werktage hat Straßen NRW – ausgenommen der Winterdienst – keinen Bereitschaftsdienst. Das teilte die Halterner Stadtsprecherin Sophia Hoffmeier mit. In solchen Fällen komme eine Regelung mit der Stadt Haltern zum Zuge, nach der der Bauhof außerhalb der normalen Dienstzeiten von Straßen.NRW auf deren Straßen tätig werden müsse. So auch am Ostermontag. Die Einsätze werden dann im Anschluss in Rechnung gestellt.

Bauhof-Mitarbeiter waren knapp drei Stunden im Einsatz

Knapp drei Stunden lang seien drei Bauhof-Mitarbeiter mit ihren Kettensägen und anderem schweren Gerät, darunter auch ein Bagger, im Einsatz gewesen, hieß es. Wie Hoffmeier weiter ausführte, sei der Stadt nicht bekannt gewesen, dass der Baum nicht mehr sicher gestanden habe. „Dann hätte die Stadt Straßen.NRW informiert, um drohende Gefahr abzuwenden“, sagt sie. Straßen.NRW sei grundsätzlich gesetzlich dazu verpflichtet, zweimal im Jahr Baumkontrollen im eigenen Zuständigkeitsbereich durchzuführen.

Landesbetrieb hat die Schadensregulierung eingeleitet

Unterdessen betont der Landesbetrieb, wie sicher der Baum gestanden habe. „Es gab kein Indiz dafür, dass der Baum umstürzen könnte“, erklärte Sprecherin Nilgün Ulbrich auf Anfrage. Eine Neigung, wie André Schreiber sie beobachtet habe, sei keineswegs ein Hinweis auf eine Gefährdung. Straßen.NRW habe keinen Handlungsbedarf gesehen, betonte Ulbrich und bestätigte die Sichtung durch einen Mitarbeiter der Straßenmeisterei am 23. März. „Es gab kein sichtbares Wurzelwerk, keinen aufgelockerten Boden – der Baum galt bei uns als unauffällig“, so die Sprecherin.

Die Schadensregulierung indes hat der Landesbetrieb nach eigenen Angaben bereits in die Wege geleitet. „Um sämtliche Schäden, die durch den umgestürzten Baum entstanden sind, wird sich unsere Versicherung kümmern“, versprach Nilgün Ulbrich. „Das nimmt jetzt seinen ganz normalen Lauf.“

Über die Autorin
Redaktion Haltern
Geboren in Dülmen, Journalistin, seit 1992 im Medienhaus Lensing - von Münster (Münstersche Zeitung) über Dortmund (Mantelredaktion Ruhr Nachrichten) nach Haltern am See. Diplom-Pädagogin und überzeugte Münsterländerin. Begeistert sich für die Menschen und das Geschehen vor Ort.
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Ingrid Wielens
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