Straßen.NRW bekämpft Eichenprozessionsspinner in Haltern mit Biozid

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Der Landesbetrieb Straßenbau setzt ein Biozid ein, um den Eichenprozessionsspinner zu bekämpfen. Diese Methode ist nicht unumstritten. Die Stadt Haltern verzichtet bisher darauf.

Haltern

, 15.10.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Stadt Haltern hat bisher noch nicht zu Bioziden (Chemikalien oder Mikroorganismen zur Bekämpfung von Schädlingen) gegriffen, um den Eichenprozessionsspinner im Stadtgebiet zu bekämpfen. Vogel- und Fledermausarten sollten nicht gefährdet werden, heißt es zur Begründung.

Der Landesbetrieb Straßenbau Nordrhein-Westfalen meldet nun Erfolg im Kampf gegen die Giftraupe, weil ein Biozid verwendet wurde.

„Wir können eine erste positive Bilanz ziehen: Die frühe Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners hat einen starken Befall in den meisten Regionen verhindert“, sagt Straßen.NRW-Direktor Dr. Sascha Kaiser mit Blick auf die abgelaufene EPS-Saison. „Vor allem die Anschaffung von Turbinenspritzen hat uns in die Lage versetzt, zielgenau gegen die gefährlichen Raupen vorzugehen.“

Eine Sprecherin der Behörde bestätigte, dass die neuen Spritzen inklusive Biozid im März und April in Haltern zum Einsatz kamen. Wie ein Foto zeigt, auch in einem sensiblen Bereich.

Bäume werden mit Biozid besprüht

Darauf ist zu sehen, wie von einem Fahrzeug aus die Bäume entlang des Stockwieser Damms in Richtung Sythen besprüht werden. Die Bäume bilden den Außenrand des Naturschutzgebietes Truppenübungsplatz Borkenberge. Es gehört zu den wertvollsten Heide- und Moorgebieten Nordrhein-Westfalens und steht als FFH-Gebiet (Fauna-Flora-Habitat) und EU-Vogelschutzgebiet unter höchstem europäischem Naturschutz.

Einsatz am Stockwieser Damm in Richtung Sythen

Einsatz am Stockwieser Damm in Richtung Sythen © Landesbetrieb Straßenbau Nordrhein-Westfalen

Laut Umweltbundesamt ist der Biozid-Einsatz zur Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners „in naturschutzrechtlich geschützten Gebieten grundsätzlich zu vermeiden.“ Der Landesbetrieb Straßenbau stimme seine Einsätze mit den zuständigen Umweltbehörden ab. Davon sei auch bei der Sprühaktion in Haltern auszugehen, erklärte eine Sprecherin der Behörde auf Nachfrage.

Die gewählte Methode habe Erfolg gebracht, denn die Straßen- und Autobahnmeistereien hätten durchschnittlich 70 bis 90 Prozent weniger Nester aufgefunden. Dabei seien die Witterungsbedingungen für die weitere Ausbreitung der Raupe in diesem Jahr sehr günstig gewesen.

Das Konzept zeigt erste Erfolge

„Unser Konzept, die Raupen schon in einem frühen Larvenstadium zu bekämpfen, geht auf“, sagt Gerhard Schmidt, im Straßen.NRW-Betriebssitz Gelsenkirchen für die Themen Gehölz- und Grünpflege zuständig.

Ab dem dritten Larvenstadium bilden die EPS-Raupen für den Menschen gefährliche Brennhaare aus. In großen Nestern hängen die Raupen dann an den Eichen, dem bevorzugten Wirtsbaum der Spinner. „Für Verkehrsteilnehmer, vor allem für Fußgänger und Radfahrer, geht davon eine Gefahr aus“, sagt Schmidt.

Der Landesbetrieb habe bei der Bekämpfung Bereiche, in denen sich viele Fußgänger oder Radfahrer aufhalten, nach oben auf die Prioritätenliste gesetzt, führte eine Sprecherin der Behörde aus. Dazu gehörten in Haltern beispielsweise die Straßen rund um den Stausee.

Auch andere Arten werden durch Methode gefährdet

In Bereichen, in denen schon 2019 ein hoher Befall mit der Raupe aufgefallen war, sei das zugelassene Biozid zwei Mal versprüht worden. Der BUND kritisiert, dass Biozide gegen den Eichenprozessionsspinner auch gegen andere Raupen und Schmetterlingsarten wirken (und damit auch auf Vögel und Fledermäuse Einfluss nehmen).

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Der Landesbetrieb Straßenbau geht aber davon aus, dass er das Biozid so frühzeitig ausgebracht hat, dass andere Arten nicht gefährdet wurden, weil ihr Entwicklungsverlauf später im Jahr beginne. Das Mittel, das der Betrieb verwende, sei auch in der ökologischen Landwirtschaft erlaubt, ist einem Medienbericht aus dem Münsterland zu entnehmen.

Im nächsten Jahr soll das Biozid wieder zum Einsatz kommen, kündigt eine Sprecherin des Landesbetriebs am Mittwoch an. Zunächst würden dann die Bereiche in Haltern und der Region geprüft, in denen in den beiden Vorjahren der Befall mit Eichenprozessionsspinnern beobachtet wurde.

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