Streit um Zaun in „Biotop“: Kreis droht Halterner mit bis zu 50.000 Euro Bußgeld

hzZaun soll wieder weg

Stuckateur Andreas Wessel hat entlang des alten Prozessionswegs einen Zaun an seiner Grundstücksgrenze errichtet. Dass der jetzt versetzt werden soll, kann der Halterner nicht nachvollziehen.

Haltern

, 27.01.2020, 16:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Für Andreas Wessel hat der ganze Vorgang etwas „von einer Till-Eulenspiegel-Geschichte“. 2009 erwarb er zusammen mit seiner Frau ein bebautes Grundstück am alten Prozessionsweg und errichtete dort ein Wohnhaus mit großer Teich- und Gartenanlage. Schräg gegenüber liegt sein Stuckateurbetrieb.

2014/15 errichtete er an der Grundstücksgrenze einen Maschendrahtzaun, etwa 60 Meter lang, ca. 1,20 Meter hoch. Dieser soll nach dem Willen des Kreises Recklinghausen versetzt werden, denn direkt an der Grundstücksgrenze verläuft der Graben des Unteren Heubachs. Und der soll ein Biotop sein.

Androhung einer Ordnungsverfügung

„Vertreterinnen des Kreises haben mir bei einem Ortstermin gesagt, hier sei ein Lebensraum für Amphibien und Molche, aber der Wasserlauf ist so gut wie trocken“, sagt Andreas Wessel. Da er für die Zaunanlage keine Genehmigung beantragt hatte, schickte ihm der Kreis die Androhung einer Ordnungsverfügung. Wessel habe den Zaun um drei Meter zu versetzen. Die Ordnungswidrigkeit könne mit einem Bußgeld bis zu 50.000 Euro geahndet werden.

Hintergrund ist, „dass nach wasserrechtlichen Schutzvorschriften und unter Wahrung der EU-Wasserrahmenrichtlinie Gewässer als Teil des Naturhaushaltes und als Lebensraum für Tiere und Pflanzen zu schützen sind und jede vermeidbare Beeinträchtigung ihrer ökologischen Funktion zu unterlassen ist“, teilte der Kreis Andreas Wessel und seiner Frau Karin, die Eigentümerin des Grundstücks ist, mit.

Diese ökologische Funktion des Unteren Heubach kann Andreas Wessel aber nicht erkennen. „Nach oben zur Münsterstraße hin verlief er früher völlig flach, war zugewachsen und komplett trocken. Im unteren Bereich führt er nur geringe Wassermengen aufgrund von Einleitungen aus dem Gewerbegebiet Münsterknapp.“

Streit um Zaun in „Biotop“: Kreis droht Halterner mit bis zu 50.000 Euro Bußgeld

Einleitungen aus dem Gewerbegebiet Münsterknapp fließen in den Unteren Heubach. © Jürgen Wolter

Keine Beeinträchtigung der Gewässerunterhaltung

In einer ersten Einschätzung der Unteren Wasserbehörde hieß es auch zunächst: „Eine Beeinträchtigung der Gewässerunterhaltung durch die Zaunanlage sieht der Wasser- und Bodenverband Unterer Heubach nicht. Die Entwicklungsfähigkeit des Gewässers ist durch die Lage an der Straße und die geringe temporäre Wasserführung nur eingeschränkt oder gar nicht möglich.“ Daher sei die Genehmigung der Zaunanlage grundsätzlich möglich.

Um so erstaunter war Andreas Wessel dann über die Ordnungsverfügung. „Danach wurde der obere Bereich ausgekoffert. Später wurde hier die Leitungstrasse für die Windräder verlegt, die Bohrschlämme flossen in den gesamten Bereich“, sagt Wessel, der die Arbeiten fotografisch dokumentiert hat. „Ich kann beim besten Willen nicht erkennen, welche ökologische Funktion dieses Rinnsal haben soll, und warum ich mir den Zaunbau hätte genehmigen lassen müssen.“ Außerdem habe die Stadt Haltern bestätigt, dass sein Zaun nicht bei der jährlichen Säuberung des Grabens störe.

Streit um Zaun in „Biotop“: Kreis droht Halterner mit bis zu 50.000 Euro Bußgeld

Der nahezu trockene Graben neben dem Grundstück von Andreas Wessel. © Jürgen Wolter

Ortstermin mit dem Verwaltungsgericht Gelsenkirchen

Andreas Wessel geht es ums Prinzip. „Es gibt hier an anderen Grundstücken noch sehr viel massivere Zaunanlagen als meine. Außerdem sind teilweise Bereiche bebaut worden, für die ein Leitungsrecht gilt, und die gar nicht hätten bebaut werden dürfen. Wieso muss mein Zaun weg und die anderen nicht?“

Mit anwaltlicher Hilfe hat Andreas Wessel gegen den Bescheid des Kreises Recklinghausen Widerspruch eingelegt. Ende Januar steht ein Ortstermin des Verwaltungsgerichts Gelsenkirchen an, bei dem die Kammer die Lage vor Ort selbst besichtigen will.

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