Meike Ketzner-Wruck (l.) und Jamal Farah beraten im Psychologischen Beratungszentrum in Haltern. © Jürgen Wolter
Psychologische Beratung

Stresslevel steigt: PBZ Haltern spürt Auswirkungen von Corona

Einsamkeit, Angst, Depressionen, Stress und Gewalt: Die Coronasituation führt zu vielen Belastungen im Alltag. Die Beraterinnen des Psychologischen Beratungszentrums in Haltern bieten Hilfe an.

Bei den einen steigt der Stress in der Familie, bei den anderen wächst die Einsamkeit und die Angst: Für viele von uns hat die Corona-Pandemie den Alltag massiv verändert. Häufig verstärkt sie die Verläufe von psychischen Erkrankungen. Das stellen die Beraterinnen des Psychologischen Beratungszentrums (PBZ) in Haltern immer wieder fest.

„Wer sowieso schon in einer schwierigen Lage ist, den trifft diese Pandemie doppelt“, sagt Heike Metzner Wruck, die zusammen mit Silke Masur das PBZ leitet. Häufig hörte sie den Satz: „Und jetzt noch eine neue Belastung.“

Das PBZ Team ist telefonisch über Video-Chat, aber auch weiterhin persönlich für seine Klienten da. „Wir haben festgestellt, dass gerade jetzt viele Menschen das persönliche Gespräch besonders suchen, da im Alltag viele andere Kontakte weggebrochen sind“, sagt Heike Metzner-Wruck.

Alleinlebende leiden verstärkt unter Einsamkeit

„Je nach Lebenssituation stellen sich unterschiedliche Herausforderungen im Alltag mit Corona ein“, sagt Psychologin Jamal Farah, die das Team des PBZ in Haltern vervollständigt. „Alleinlebende leiden besonders unter der Vereinsamung, da alle Kontakte im Alltag wegbrechen. „Es gibt keine Treffen mehr, alle Gruppenaktivitäten und Unternehmungsmöglichkeiten sind weggefallen. Das führt zu einer zunehmenden Isolation“, so Farah.

In Familien mit kleinen Kindern sei dagegen das Stresslevel durch Kitaschließungen und Homeschooling drastisch gestiegen. „Das führt zu einer Zunahme von Konflikten und teilwiese auch zu Gewalt“, berichtet die Psychologin.

Bei Menschen mit Ängsten und Depressionen nimmt das Team des PBZ eine Verstärkung der Symptomatik wahr. Auch chronisch Kranke sind häufig stark betroffen und leiden an verstärkten Ängsten vor dem Virus.

„Ein weiteres Problem stellt die Verlagerung der Arbeit in den privaten Bereich dar“, sagt Meike Ketzner-Wruck. „Homeoffice schafft neue Herausforderungen. Nicht jeder kann sich einen Arbeitsplatz in den eigenen vier Wänden einrichten, Viele, fällt auch das Abschalten nach der Arbeit, die Trennung zwischen Arbeit und Privatem schwer.“

Es gibt auch positive Effekte

Allerdings haben die Beraterinnen auch positive Effekte festgestellt. „Viele Menschen haben auch in der Pandemie ihren Rhythmus gefunden, familiäre Kontakte haben wieder einen größeren Stellenwert gewonnen“, sagt Meike Ketzner-Wruck. Manche Menschen hätten auch in der Natur eine neue Kraftquelle gefunden. Viele hätten die Umgebung neu für sich entdeckt. „Auch neue Hobbys wurden entwickelt, die man allein ausüben kann, zum Beispiel das Fotografieren“, ergänzt Jamal Farah.

Das PBZ befindet sich in Trägerschaft des Vereins zur Förderung psychologischer und sozialer Arbeit in Haltern e.V. Es bietet ein zeitnahes Beratungsangebot. Die Wartezeit beträgt im Durchschnitt zwei Monate, bei niedergelassenen Therapeuten ist sie im Normalfall deutlich länger.

Über den Autor
Redaktion Haltern
Studium der Germanistik, Publizistik und Philosophie an der Ruhr Universität Bochum. Freie Autorentätigkeit für Buchverlage. Freier Journalist im nördlichen Ruhrgebiet für mehrere Zeitungshäuser. „Menschen und ihre Geschichten faszinieren mich nach wie vor. Sie aufzuschreiben und öffentlich zugänglich zu machen, ist und bleibt meine Leidenschaft.“
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Jürgen Wolter

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