Soziales Engagement

Syrisches Ehepaar aus Haltern hilft anderen geflüchteten Menschen

Lama Maraiadi und Abdalslam Almury mussten vor Jahren aus ihrer Heimat fliehen. In Sythen wurden sie in einer Flüchtlingsunterkunft aufgenommen. Jetzt wollen sie ihre Erfahrungen weitergeben.
Lama Maraiadi mit der einjährigen Tochter Mila und Abdalslam Almury mit dem dreieinhalbjährigen Sohn Hazim engagieren sich ehrenamtlich beim Caritasverband Ostvest für Geflohene. © Michaela Kiepe

Mehr als fünf Jahre ist es her, dass Lama Maraiadi und ihr Ehemann Abdalslam Almury aus ihrer Heimat Syrien fliehen mussten. Zu Fuß hatten sie sich auf den Weg in die Türkei gemacht.

Dort wollten sie eigentlich leben, doch das hat nicht funktioniert. Mit einem Schlauchboot ging es übers Meer nach Griechenland.

„Das war sehr gefährlich, und ich habe große Angst gehabt“, berichtet Lama Maraiadi. Mit Bussen sei ihre Flucht in Richtung Deutschland weitergegangen. Das Ziel: eine Flüchtlingsunterkunft in Sythen.

Beide brachten sich selbst Deutsch bei

„Direkt am ersten Tag habe ich angefangen, die deutsche Sprache zu lernen. Weil wir noch keinen Aufenthaltsstatus hatten, konnten wir keine Kurse besuchen“, erinnert sich die 29-Jährige.

Also hätten sie und ihr Mann begonnen, sich die Sprache selbst beizubringen. Unterstützung erhielt das junge Ehepaar dann aber bald von Ehrenamtlichen des Netzwerkes Asylkreis Haltern des Caritasverbands Ostvest.

„Es gab so viele Menschen, die uns in unterschiedlichen Bereichen unterstützt haben. Das hat uns sehr geholfen, in Haltern anzukommen“, erläutert Abdalslam Almury weiter.

Lama Maraiadi studiert Pharmazie in Münster

Und selbst als die Beiden Sythen verlassen mussten und in Unterkünften in Bochum, am Möhnesee und Düsseldorf untergebracht waren, habe sich der Asylkreis dafür eingesetzt, das Paar wieder nach Haltern zurückzuholen.

„Sie haben uns sogar eine Wohnung besorgt“, ist Lama Maraiadi sehr dankbar. Inzwischen spricht das Paar sehr gut deutsch. Lama Maraiadi hat das erforderliche Sprachniveau für die Universität erreicht. Die zweifache Mutter studiert im zweiten Semester in Münster Pharmazie.

Abdalslam Almury ist Maschinenbauingenieur und war in Syrien Dozent an der Universität. „In Deutschland habe ich zunächst zweieinhalb Jahre als Monteur gearbeitet. Dann kam die Coronakrise. In der Zeit habe ich weiter Deutsch gelernt und mich zum technischen Zeichner und Konstrukteur weitergebildet“, berichtet er.

Abdalslam Almury gibt Nachhilfe in Physik und Mathe

Lama Maraiadi und Abdalslam Almury ist es ein Anliegen, die Hilfe, die sie erhalten haben, weiterzugeben. „Bereits in der Unterkunft in Sythen habe ich begonnen, für andere zu übersetzen, denn ich spreche englisch“, berichtet die junge Frau.

Doch damit nicht genug. Sobald ihre Deutschkenntnisse ausreichten, hat sie beim Caritasverband ehrenamtlich unter anderem für andere Geflohene übersetzt. „Wenn neue Familien gekommen sind, war ich bei wichtigen Terminen zum Beispiel bei Arztbesuchen dabei“, erklärt Lama Maraiadi.

Ihr Ehemann hat seine technischen Kenntnisse eingesetzt und Schülerinnen sowie Schülern der Klassen sechs bis neun in Physik oder Mathe Nachhilfe gegeben.

„Wir kennen das Gefühl, neu in diesem Land zu sein“

Und weil sie um die Probleme in einem fremden Land wissen, helfen sie anderen bei der Orientierung. „Wir hatten das Glück, dass wir viel Unterstützung erhalten haben, um uns in Deutschland zurechtzufinden.

Dafür sind wir sehr dankbar. Wir kennen das Gefühl, neu in diesem Land zu sein. Deshalb helfen wir“, erklärt Maraiadi.

Das Ehepaar fühlt sich in Haltern wohl. „Wir haben nicht mehr so viele Sorgen wie vor einigen Jahren“, sagt Maraiadi. Aus den ehemaligen Helfern sind längst Freunde geworden.

Familie und Freunde sind noch in Syrien

„Aber für andere sind wir fremd. Leider gibt es Menschen, die keine Fremden mögen“, berichtet Almury. Auch gebe es vieles, was sie vermissen wie ihre Familien und Freunde, die weiterhin in Syrien unter schwierigen Bedingungen leben.

Deshalb versuchen sie, ihre Angehörigen finanziell zu unterstützen. „Es gibt keine Möglichkeit, zu arbeiten. Meine Mutter und meine Schwester leben seit langer Zeit in einem Zelt.

Es gibt kein Brot und sie haben keinen Strom“, benennt der 35-Jährige die augenblickliche Lage. Sie hätten ein gutes Leben in Syrien gehabt. „Aber wir mussten gehen.“ Und so haben die Beiden nur einen Wunsch für die Zukunft: „Frieden zu haben, damit die Menschen zufrieden sind.“

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