Taubenzüchter wehren sich gegen Anschuldigungen

16.11.2007 / Lesedauer: 3 min

Haltern Eine Pressemitteilung des Landestierschutzverbandes NRW sorgt momentan bei Brieftaubenzüchtern für Empörung. Anfang November hatte der Verband erklärt, dass bei so genannten Katastrophenflügen bis zu 90 Prozent der Tauben nicht ihren Schlag erreichen würden. Gegen diese Aussage wehren sich auch die Halterner Züchter vehement.

"40 Jahre her"

"Ich kann mich nur an einen richtigen Katastrophenflug erinnern. Das war aber 1961 im dänischen Viborg. Da kamen nur annähernd die Hälfte der Tiere wieder in den Schlag zurück. Das ist zum einen über 40 Jahre her, zum anderen ist die Zahl von 90 Prozent maßlos übertrieben", ärgert sich Hans Schmitz-Linneweber, Pressewart der RV Aliso Haltern. Selbst der letzte "schwere" Flug, bei dem es eine Verlustrate von 10 bis 15 Prozent gab, liege für den Bereich Haltern über 20 Jahre zurück. Schmitz-Linneweber ist seit mehr als 40 Jahren Mitglied des Verbandes Deutscher Taubenzüchter und nimmt als Delegierter auch an Sitzungen des Regionalverbandes Vest-Emscher-Lippe teil. "Wir schlagen uns dort dauernd mit solchen Angriffen herum. Gerade im Bereich des Schutzes der Brieftauben wird vom Bundesverband immer etwas getan, Fortbildungen angeboten, ständig weiter geschult", sieht der Pressewart kaum einen Bereich, der aus Tierschutz-Gründen nicht berücksichtigt wird.

Dr. Ralf Unna vom NRW-Landestierschutzverband im Tierschutzbeirat der Landesregierung forderte in der Pressemitteilung zusätzlich, dass Wettbewerbe mit Brieftauben unter Aufsicht von Amtstierärzten gestellt werden müssten. Auch in diesem Punkt kann Schmitz-Linneweber nicht viel Sinnvolles erkennen: "Es geht doch meist um die Wetterlage, die einen Flug erschweren kann, da ist doch ein Arzt kein Experte." Wichtig seien die Flugleiter, die für das Auflassen der Tauben zuständig sind. "Und die werden vom Regionalverband extra ausgebildet", erklärt der Halterner.

Aus der Luft gegriffen

"Die Tauben werden regelmäßig von Tierärzten untersucht und sind auf dem Transport optimal versorgt", erklärt Stephan Schniederjan, 2. Vorsitzender der RV Aliso. Auch er kann die Pressemitteilung kaum nachvollziehen. "Die hohe Prozentzahl ist aus der Luft gegriffen, die Flugleiter wissen genau, wann sie Tauben auflassen können und wann nicht", so Schniederjan weiter. Dafür gebe es sogar spezielle Wetterberichte für Flüge. "Wenn es da in irgendeiner Art und Weise Bedenken gibt, dann findet der Flug erst gar nicht statt." DM

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