Theater-Projekt macht Mobbing für Halterner Schüler erfahrbar

hzSchikane an Schulen

Jedes sechste Kind in Deutschland wird Opfer von Mobbing. Wie sich das anfühlt und wie man Betroffenen hilft, haben Schüler in der Halterner Alexander-Lebenstein-Realschule selbst erfahren.

Haltern

, 09.03.2020, 16:32 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ohne Zuschauer funktioniert beides nicht – weder ein Theaterstück noch Mobbing. Aber das Theater kann helfen, Mobbing zu überwinden. Dieser Überzeugung ist der „Arbeitskreis soziale Bildung und Beratung“ (asb). Am Montag arbeiteten Mitarbeiter des Projekts „Spotlight – Theater gegen Mobbing“ in der Alexander-Lebenstein-Realschule mit Siebtklässlern an Lösungen, um Mobbing entgegenzutreten.

Das Projekt rückte dabei die vermeintlich Unbeteiligten ins Scheinwerferlicht – die Zuschauer. Sie seien es, die die Macht haben, Mobbing zu beenden, sagte Projektleiterin Tina Bicher. Mit der Form des Theaters habe man die Möglichkeit über das bloße Erklären – Was ist Mobbing? – hinaus zu gehen. „Indem wir klassische Mobbing-Szenen nachstellen, erfahren die Schüler selbst, wie es sich anfühlt, in so einer Situation zu sein“, erklärte Bicher.

Mobbing ist nie auf Augenhöhe

Nahezu immer hätten Mobbing-Betroffene keine Chance, sich selbst daraus zu befreien. Das Machtgefälle sei einfach zu groß. Mobbing ist nämlich eben keine Streiterei auf Augenhöhe und nicht einfach nur Lästerei, sondern das systematische Fertigmachen eines Opfers.

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„Opfer von Mobbing sind auf die Hilfe anderer angewiesen“, sagte Bicher. Oft sind es die Reaktionen oder eben die ausbleibenden Reaktionen der Zuschauer, die die Mobber darin bestärken, weiterzumachen. Es sei wichtig den Mobbern, die Plattform zu entziehen.

Bei dem ganztägigen Workshop sei es in Theater-Szenen deshalb immer wieder darum gegangen, Schüler dafür zu sensibilisieren, Mobbing-Situationen zu erkennen. Und ihnen gleichzeitig Möglichkeiten an die Hand zu geben, selbst aktiv gegen Mobbing vorzugehen, sagte Bicher.

Jedes sechste Kind ist in seiner Schulzeit betroffen

„Unsere Schule ist davon nicht mehr und nicht weniger belastet als andere“, sagte Schulleiter Frank Cremer, „aber jeder Fall ist eine Katastrophe für den Betroffenen und damit einer zu viel.“ Deshalb lohne es sich immer, gegen Mobbing vorzugehen, betont er. Das Projekt konnte dank der Unterstützung des Fördervereins und des Lensing Media Hilfswerks der Halterner Zeitung an die Schule geholt werden.

Etwa jedes sechste Kind ist in Deutschland schon mal von einem Mobbing-Vorfall betroffen gewesen. Das geht aus der Pisa-Studie von 2015 hervor. Häufig endet das systematische Schikanieren nicht mit dem Schellen der Schulglocke. In sozialen Netzwerken und etwa Whatsapp-Gruppen geht es online weiter. Das kann Gemobbte psychisch extrem belasten. Angst zur Schule zu gehen, Schulwechsel und sogar Selbstmord können die Folgen sein.

Informationen und Hilfe

Bist du selbst von Mobbing betroffen, kannst du beim Kinder- und Jugendtelefon der „Nummer gegen Kummer“ Hilfe bekommen unter Tel. 116111.
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