Der Tourismus in Haltern am See litt im Jahr 2020 unter Corona. © Jürgen Wolter
Tourismus in Haltern

Tourismus in Haltern litt unter Corona: Einbrüche um bis zu 90 Prozent

Die durch das Coronavirus ausgelöste Wirtschaftskrise trifft viele. Richtig hart hat es auch die Tourismus-Branche in Haltern getroffen. Teilweise sanken die Zahlen rapide.

Es gab natürlich Rieseneinbrüche“, sagt Andrea Böing, Fachbereich Freizeit und Tourismus bei der Stadtagentur Haltern. Die Seestadt, eine lebendige Touristenstadt in Nordrhein-Westfalen, hatte im Jahr 2020 mit den Folgen der Coronavirus-Pandemie zu kämpfen. Das zeigen die Ankunfts- und Übernachtungszahlen der Beherbergungsstatistik zwischen März und November. „Die Zahlen für den Dezember liegen noch nicht vor“, sagt Böing. Aber auch in diesem Monat sei mit einem erneut starken Einbruch aufgrund des harten Lockdowns zu rechnen.

Mit dem ersten Lockdown im März kam es zu einer riesigen Stornierungswelle in Haltern. Der Tourismus der Seestadt brach zusammen. Das geht aus den Zahlen der Stadtagentur hervor. 2417 Gäste besuchten damals noch die Seestadt. Das bedeutete einen Einbruch von 55,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat.

Auch die Übernachtungen in Haltern sanken rapide. 5387 Übernachtungen bedeuteten einen Einbruch von 50,6 Prozent. Im April gestaltete sich die Situation noch extremer: 233 Gäste im Monat waren ganze 96,1 Prozent weniger als im April 2019.

Als sich die Situation in Deutschland im Mai 2020 beruhigte und die Infiziertenzahlen sanken, lief auch langsam der Tourismus wieder an. Allerdings nicht so schnell, wie von den Hoteliers und Gastronomen gewünscht. „Wir hatten damit gerechnet, dass im Mai viele Gäste kommen“, sagt Andrea Böing.

Der Gedanke: „Die Leute wollen aus ihren Häusern, die Unsicherheit für einen Auslandsurlaub ist aber zu groß“, lag nahe. Man dachte, die Bürger würden einen Inlandsurlaub buchen. „Leider ging es nicht direkt von 0 auf 100 los“, so Böing.

In der Statistik tauchen die Beherbergungsbetriebe ab zehn Betten in Haltern einschließlich den Campingplätzen ab zehn Stellplätzen auf. Ausgenommen sind kleinere Gasthäuser und Ferienwohnungen mit weniger als zehn Betten.

Dennoch entspannte sich die Situation von Mai bis Juli allmählich. Im Juli erreichte vor allem die Auslastung der Übernachtungen sowie der Auslastungsgrad der Betten einen Jahreshöhepunkt. 13.058 Übernachtungen konnte die Stadt vermelden. 4935 Gäste kamen im Juli nach Haltern. Die angebotenen Betten waren zu 39,8 Prozent ausgelastet.

Gäste-Höchstwert in Haltern im August

Der Trend setzte sich auch im August weiter fort. 5773 Gäste bedeuteten den Jahreshöchstwert in Haltern. Mit 14,5 Prozent zum Vorjahresmonat fiel der Einbruch auch am geringsten im Vergleich zu den anderen Monaten aus.

Erst im Oktober kam es zu einem erneuten Einbruch. Um 46,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat sank die Zahl der Gäste der Seestadt (3555) und der Übernachtungen (8668). Die Betten waren nur noch zu 24,5 Prozent ausgelastet. „Mit den im Oktober wieder steigenden Corona-Zahlen ging auch der Tourismus wieder zurück“, so Böing.

Mit dem erneuten Lockdown zum 1. November hin brachen die Tourismus-Zahlen in Haltern dann wieder – ähnlich wie im März – völlig ein. 476 Gäste bedeuteten einen Rückgang um 91,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Auch die 1109 Übernachtungen bewegen sich in einem ähnlichen Rahmen: -90,3 Prozent im Vergleich zum November 2019. Der Auslastungsgrad der Betten lag bei gerade einmal 5,2 Prozent.

Hoffnung liegt auf dem Impfstoff

Ob sich die Situation im Jahr 2021 verbessert, lässt sich noch nicht absehen. Auch für den Januar werden niedrige Gäste-Zahlen in Haltern erwartet. Hoffnung

setzt Andrea Böing in den Impfstoff. „Wir hoffen, dass sich die Situation mit der Impfung wieder beruhigt“, sagt sie.

Sollte wieder normaler Tourismus möglich sein, rechne sie auch wieder mit einem Anstieg der Gäste in Haltern. „Die Übernachtungszahlen waren in den Vorjahren bis Corona immer weiter angestiegen“, sagt sie. Einen Grund, warum sich dieser Trend drehen sollte, wenn die Pandemie überstanden ist, sehe sie nicht.

Einige Hartgesottene hätten auch bereits gebucht. Bereits für April sind einige Betten für Touristen belegt, „auch wenn wir nicht wissen, ob wir die nicht doch wieder stornieren müssen“, so Böing.

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