Trauerbegleiter Stefan Linsen bietet Hilfe auch im Online-Chat an

hzTrauerbegleitung in Haltern

Früher war Stefan Linsen als Psychotherapeut tätig. Dann wurde der Halterner durch einen Zufall Trauerredner. Hilfe bietet er trauernden Angehörigen aber auch im Internet an.

Haltern

, 09.05.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Tod hat viele Gesichter. Und wenn er kommt, sind die Angehörigen betroffen und oft von Trauer überwältigt. Der Halterner Stefan Linsen ist seit 20 Jahren Trauerredner und erzählt bei Beerdigungen die Lebensgeschichten von Verstorbenen.

Viele Jahre war Stefan Linsen als Psychotherapeut mit eigener Praxis tätig. Zudem leitete er eine Diakonie Trauergruppe. Durch einen Zufall wurde er Trauerredner. Ein Bestattungsunternehmer bat ihn, eine Rede bei einer Beerdigung zu halten. Die Rede gefiel den Trauernden und so kamen im Laufe der Jahre immer mehr Trauerreden dazu. Vor 20 Jahren beendete er dann seine Arbeit als Psychotherapeut und wurde hauptberuflicher Trauerredner.

Austausch auch im Internet

Jeden Mittwoch moderiert er auch einen Trauerchat unter www.trauer-chat.de. Der ist für alle Angehörige eines Verstorbenen offen und bietet die Möglichkeit des Austausches. „Jeder hat eine andere Zeit der Trauer und da können die Teilnehmer Dinge aussprechen, die man sonst nicht sagt. Denn die Trauer ist übermächtig und kann manchmal körperlich wehtun“, sagt er.

Wenn Linsen dann Mittwochabends seinen Laptop einschaltet und auf die Internetseite des Trauerchats geht, weiß er nicht, was ihn erwartet. „Da melden sich viele Leute mit unterschiedlichsten Intentionen“, berichtet er. Es chatten Angehörige, bei denen der Tod eines lieben Menschen schon sehr lange zurückliegt, die aber nicht aus ihrer Trauer kommen und „die sich inzwischen zurückgezogen haben, weil ihre Anverwandten das nicht mehr hören können“.

Die jüngste Teilnehmerin des Trauerchats war 15 Jahre alt

Im Chat können sie über ihre Gefühle sprechen, treffen Gleichgesinnte. Häufig werde er von Menschen kontaktiert, die mit ihrem Angehörigen 30 bis 40 Jahre zusammen waren. „Denen fehlt jetzt der vertraute Partner“, so Linsen. „Sowohl morgens beim Frühstück als auch abends neben sich im Bett.“. Aber es gebe auch junge Menschen, die den Chat nutzen. „Die jüngste Teilnehmerin war 15 Jahre alt. Ich habe sie mehrere Jahre begleitet. Sie hatte ihre Eltern bei einem Autounfall verloren“, erzählt er.

Es gebe aber auch Menschen, die über die andere Seite des Verstorbenen sprechen wollen. Das sei dann ein Verstorbener, „der nicht so lieb war, der nach Außen eine andere Fassade hatte, als ihn die Angehörigen kannten. Sei es, dass der Verstorbene getrunken hat, Spieler war oder keine Lust auf die Familie hatte“.

Jeder versteht dort jeden

Linsen bringt als Moderator Trauernde zusammen, die sich dann miteinander austauschen können. Da braucht sich niemand lange erklären, denn jeder verstehe dort jeden. Zudem weist er im Chat auf die verschiedenen Möglichkeiten der Verarbeitung hin - wie Trauergruppen, Trauercafés oder den Gang zu einem Therapeuten. Denn der Chat sei nun mal keine psychologische Beratung.

Im Lauf der Jahre hat er so unzählige Gespräche geführt, Menschen zusammengebracht und in ihrem Schmerz begleitet, wobei er auch Teilnehmer aus Spanien und der Schweiz hatte.

CDs sollen Angehörige durch die Trauerzeit begleiten

Seine Erfahrungen hat er kreativ verarbeitet und zwei CDs mit „Phantasiereisen“ produziert, sowie eine CD „Trauerzeit“, die Angehörige eines Verstorbenen durch die Zeit der Trauer begleitet und hilft, sie zu verarbeiten. Auch eine Kinder-CD mit „Traumreisen“ befindet sich in seinem Repertoire. Angefangen habe er damit, als er vor vielen Jahren VHS-Kurse für autogenes Training durchführte.

Stefan Linsen, Trauerredner aus Haltern am See, hat schon mehrere CDs produziert.

Stefan Linsen, Trauerredner aus Haltern am See, hat schon mehrere CDs produziert. © Andreas Hofmann

„Dabei habe ich mir am Schluss immer eine kleine Geschichte ausgedacht, die ich erzählt habe. Die Teilnehmer baten mich, diese Geschichten doch aufzunehmen“. Linsen nahm den Vorschlag an. „Ich bin dann zu einem Tonstudio gegangen und habe meine Idee vorgetragen“, erzählt der Halterner. Die Ideen für seine CDs entwickelt er zum Beispiel beim Spazierengehen. Momentan arbeite er an einem neuen Projekt, das in einem Jahr fertig sein soll.

In den vergangenen 20 Jahren hat der Halterner inzwischen über 3500 Beerdigungen begleitet.

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