Auf der Intensivstation des Sixtus-Hospitals ist man für Covid-Patienten gerüstet, im Moment werde dort aber niemand wegen der Virus-Infektion behandelt. © Halterner Zeitung (Archiv)
Corona-Pandemie

Triage im Sixtus-Hospital Haltern: „Hoffentlich niemals!“

Auf die immer bedrohlichere Corona-Welle mit Rekord-Infektionszahlen reagiert Chefarzt Dr. Lars Heining aus dem Sixtus-Hospital mit einem dringenden Appell: Impfen, impfen, impfen.

Aktuell sind in Haltern 91 Erwachsene und Kinder mit dem Corona-Virus infiziert, das sind 14 mehr als einen Tag zuvor am 18. November. „Die Lage nimmt an Dramatik zu“, sagt Dr. Lars Heining, Chefarzt im Katholischen Klinikum Ruhrgebiet Nord und Leiter der Pneumologie. In Haltern sei die Lage allerdings etwas entspannter als in den anderen drei KKRN-Häusern. Und doch: Wird in den kommenden Wochen eine stark steigende Zahl von krankenhaus- oder sogar intensivpflichtigen Patienten zu versorgen sein, könnte die Triage zum Thema werden.

Zurzeit werde, so Dr. Heining, kein Patient auf der Intensivstation behandelt. Allerdings sei gerade ein 84-Jähriger im Zusammenhang mit einer Covid-Erkrankung gestorben. Er war zweimal geimpft und hätte jetzt geboostert werden müssen. Aktuell werden im Sixtus-Hospital zwei Corona-Patienten mit Sauerstoff-Bedarf auf einer normalen Station versorgt. Ihnen gehe es den Umständen entsprechend gut.

Auch im Halterner Krankenhaus fehlt Pflegepersonal

Gleichwohl sind die Intensivbetten in Haltern derzeit alle mit anderweitig erkrankten Patienten belegt. Im Sixtus-Hospital verfügt die Intensivstation über acht Betten, weitere zusätzliche Plätze für Covid-Erkrankte können auf der Weaning-Station (Langzeitpatienten werden hier langsam von der Beatmungsmaschine entwöhnt) belegt werden. Allerdings mussten von sechs möglichen Betten zwei gesperrt werden, weil das Pflegepersonal fehlt.

Seit der ersten Welle Anfang 2020 gibt es in der KKRN einen betriebsstätten-übergreifenden Krisenstab, der regelmäßig – mindestens einmal wöchentlich – tagt, um die aktuellen Entwicklungen im Hinblick auf die Auswirkungen der Pandemie auf die vier Häuser zu bewerten, berichtet Guido Bunten, der kaufmännische Direktor. Aktuell sei man nicht gezwungen, elektive, also planbare, Eingriffe zu verschieben.

Eine Triage wäre ein Horrorszenario für das KKRN

Eine direkte Triage hat es aktuell in der KKRN GmbH bislang nicht gegeben. Dazu Guido Bunten: „Allerdings handelt es sich um eine latente Triage, wenn man OPs verlegen oder auch die Intensivstationen bei den Kreisleitstellen abmelden muss, wenn keine Aufnahmemöglichkeiten mehr bestehen.“ Er hoffe wie alle, dass insbesondere die Ausweitung der Impfkampagne dazu führe, dass niemals eine Entscheidung getroffen werden muss, welcher Patient nun als erster an ein freies Beatmungsgerät komme.

Das Sixtus-Hospital in Haltern gehört zum KKRN-Klinikverbund.
Das Sixtus-Hospital in Haltern gehört zum KKRN-Klinikverbund. © www.blossey.eu © www.blossey.eu

Zur Erklärung: Eine Triage bedeutet, dass bei Notfallpatienten die Dringlichkeit der Behandlung einzuschätzen ist. Fachkräfte müssen innerhalb weniger Minuten erkennen, wie wichtig eine sofortige Behandlung ist. Mediziner entscheiden also darüber, wer sofort behandelt wird und wer nicht.

83 Corona-Patienten in Krankenhäusern des Kreises

Im gesamten Kreis werden derzeit 83 Corona-Patienten in Krankenhäusern betreut, 19 davon intensiv-medizinisch. „Häufig infizieren sich chronisch Kranke, Ungeimpfte oder Personen, die es nicht mehr zum Boostern geschafft haben“, erklärt Dr. Heining. Er rät allen über 18 Jahren dringend, sich impfen zu lassen. Und außerdem: „Die 2Gplus-Regel ist absolut richtig und sinnvoll. Und am besten meidet man größere Veranstaltungen.“

Die Lage im Sixtus-Hospital sei gerade zwar angespannt, aber schaffbar, betont Dr. Heining. „Wir sind handlungsfähig, auch weil unsere vier Häuser sich untereinander helfen können.“ Nur der Mangel an Pflegekräften zeichne sich als dauerhaftes Problem ab.

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Elisabeth Schrief

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