Trockene Sommer beeinflussen die Trinkwasserversorgung

hzWasserbilanz

Die trockenen Sommer stellen die Gelsenwasser AG vor neue Herausforderungen bei der Trinkwasserversorgung. Das Unternehmen legte jetzt die Jahresbilanz vor und diskutiert neue Ansätze.

Haltern

, 23.06.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Sommer 2019 war nach den Aufzeichnungen des Deutschen Wetterdienstes der bisher drittwärmste. Die Gelsenwasser AG musste die Herausforderung von hohem Verbrauch bei sehr niedrigen Regenmengen bewältigen. Auf der Jahreshauptversammlung wurden jetzt genaue Zahlen im Wasserwirtschaftsbericht vorgelegt.

Bereits das Vorjahr 2018 machte durch Hitzerekorde, eine über acht Monate anhaltende Trockenheit und einen hohen Wasserbedarf von sich reden. Die nassen Monate Dezember 2018 und Januar bis März 2019 brachten dann die lange erwarteten Niederschläge, um die Talsperren wieder zu füllen, geht aus dem Bericht hervor.

Wie schon im Jahr 2018 bestand auch 2019 eine lange Trockenphase (April bis September) mit unterdurchschnittlichen Niederschlägen. Nur der Oktober 2019 war überdurchschnittlich nass und verbesserte die Wasserbilanz. So fiel im Wasserwirtschaftsjahr 2019 an der Messstation Haltern mit insgesamt 739 Litern pro Quadratmeter sogar eine geringfügig überdurchschnittliche Regenmenge (Mittelwert 725 Liter pro Quadratmeter). Niederschlagsreich waren auch die beiden Folgemonate November und Dezember 2019.

Grundwasserstände sanken deutlich

Für das Grundwasser und die Böden reichten die Niederschläge in 2019 aber nicht aus. Die zu trockenen Monate von April 2019 bis September 2019, in denen nur rund 66 Prozent der üblichen Niederschläge fielen, ließen die Grundwasserstände weiter sinken und erhöhten die extreme Bodentrockenheit. Daher wurden im Jahr 2019 an rund zwanzig Prozent der Messstellen der Gelsenwasser AG die tiefsten Grundwasserstände seit dem Beginn der Aufzeichnung gemessen.

Die ergiebigen Niederschläge von Oktober bis Dezember 2019 reichten nicht aus, um zu einer durchgreifenden Erholung der Grundwasserstände beizutragen. Die Niederschläge glichen zunächst das Defizit im Bodenwasserhaushalt aus. Mit den zum Teil sehr ergiebigen Niederschlägen von Januar bis März 2020 ist eine Entspannung bei der Bodentrockenheit und den Grundwasserständen eingetreten.

Insbesondere der Februar war niederschlagsreich. An der Messstation Haltern fiel mehr als das Dreifache der sonst üblichen Regenmenge. Die Messungen zeigen in Februar und März 2020 daher mehrheitlich eine deutliche Erholung der Grundwasserstände.

Höchster Wasserverbrauch am 24. Juli 2019

Mit der großen Hitze insbesondere im Juli 2019 ging ein hoher Wasserbedarf einher. So stieg der personenbezogene Wasserbedarf im letzten Jahr von 127 auf 131 Liter pro Kopf und Tag, nachdem in den Jahrzehnten zuvor ein stetiger Rückgang zu beobachten war. Der Spitzentag für die Wasserabgabe war der 24. Juli 2019 mit 384.376 Kubikmeter Trinkwasser allein im Wasserwerk Haltern.

Das Niedrigwassermanagement in den Talsperren Haltern und Hullern stand daher besonders im Fokus. Im Zulauf zur Talsperre Haltern wurden die niedrigen Abflussmengen in der Stever durch die Einspeisung von Kanalwasser aus dem Dortmund-Ems-Kanal ergänzt, insgesamt rund 5,8 Mio. Kubikmeter. Hierdurch wurde das Absinken des Wasserspiegels der Talsperre Haltern verzögert. Der in 2019 erreichte Niedrigwasserstand lag aber noch oberhalb der Tiefststände aus den Jahren 2018 und dem Trockenjahr 1976, in dem der bisher erreichte Minimalwasserspiegel gemessen wurde. Infolge der hohen Niederschläge von Oktober bis Dezember 2019 füllten sich die Talsperren Haltern und Hullern wieder und erreichten ihre Vollstau-Ziele.

Klimaexperten zufolge werden die vergangenen beiden Jahre nicht die letzten mit extremen Witterungsereignissen gewesen sein. Die Gelsenwasser AG geht deshalb davon aus, dass es eine der wichtigsten Aufgaben der Zukunft sein wird, die zur Verfügung stehenden Werkzeuge, wie ein angepasstes Niedrigwasser- und Talsperren-Management und Verbundlösungen bei Wasserwerken, weiter zu verbessern.

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