Auch in Haltern werden Kunden für Backwaren (hier bei Berthold´s Der Naturbäcker) in absehbarer Zeit tiefer in die Tasche greifen müssen. © Antje Bücker
Bäckereien in Haltern

Trotz günstigem Grundpreis: Auch in Haltern werden Brötchen bald teurer

Steigende Rohstoff-Preise sind ein Grund für die Verteuerung von Lebensmitteln. Unser „tägliches Brot“ und Brötchen werden bald auch mehr kosten. Auch in Haltern sind Kunden betroffen.

Lieferschwierigkeiten und steigende Energiepreise sorgen derzeit bei Unternehmern und Verbrauchern für Frust. Bei Waren, die in der Coronakrise boomen, ist die große Nachfrage schuld am Lieferengpass. Was Lebensmittel teurer macht, ist dagegen schwieriger zu erfassen.

„Kleinere Brötchen backen“ will niemand

Die gute Nachricht vorweg: Die Preise für Brot und Brötchen liegen in Haltern noch weit unter denen der umliegenden Städte. „In vielen umliegenden Städten kostet ein einfaches Brötchen mittlerweile 45 Cent“, weiß Bäckermeister Berthold Brinkert. „Hier in Haltern sind die Preise unterdurchschnittlich. Es ist aber letztendlich nicht der Preis, der den Wert von guten Backwaren bestimmt, sondern die Qualität“, sagt er.

Dass sich die Qualität auch in Zukunft nicht ändert, ist den inhabergeführten Bäckereien ein Anliegen. Sie stellen nicht nur selbst her, sondern beziehen auch das Mehl weitgehend aus der Region. Kurze Wege verursachen niedrigere Kosten.

Auf dem Feld von Landwirt Christian Schulte-Althoff (l.) wächst der Roggen, den

Auf dem Feld von Landwirt Christian Schulte-Althoff (l.) wächst der Roggen, den Bäcker Berthold Brinkert (M.) und Martin Heuermann (Ebäko) zuum regionalen RoDi Brot verarbeiten.
Auf dem Feld von Landwirt Christian Schulte-Althoff (l.) wächst der Roggen, den Bäcker Berthold Brinkert (M.) und Martin Heuermann (Ebäko) zuum regionalen RoDi Brot verarbeiten. © Jürgen Wolter © Jürgen Wolter

Auch wer seinen Strom für die Backstuben zumindest zum Teil selbst produziert, kann an diesen Stellen sparen und Kosten geringer halten. Das können aber nicht alle Betriebe. Hinzu kommen die Löhne für Mitarbeiter. „Wir zahlen übertariflich“, betont Berthold Brinkert, „was wir in unsere Mitarbeiter investieren, erhalten wir und unsere Kunden als Leistung auch zurück“.

Preise werden bis zu zehn Prozent erhöht

In den Filialen der Bäckerei Sanders kostet ein Brötchen derzeit 35 Cent, werktags wie sonntags. Theo Sanders fällt es schwer, seine Preise ab November anheben zu müssen, sieht aber keine andere Möglichkeit, die auf ganzer Linie steigenden Produktions- und Lieferkosten abzufangen. „Über das gesamte Sortiment verteilt, werden wir unsere Preise zwischen fünf und zehn Prozent erhöhen müssen“, bedauert er.

„Es kommt immer mal vor, dass bestimmte Posten sich verteuern. Das kann Eier, Zucker, Mehl und Butter, das Verpackungsmaterial, Transporte, CO2-Abgaben, etc. betreffen. Aber das gerade alles auf einmal teurer wird und sich gleichzeitig auch noch die Preise für die Wartungsverträge der technischen Anlagen und Notdienste erhöhen, das ist für uns ein Schlag in die Kniekehlen.“

Kosten explodieren in alle Richtungen

Von einer Kostenexplosion berichtet auch Julia Imping von der gleichnamigen Bäckerei aus Dorsten und Obermeisterin der Bäckerinnung im Kreis Recklinghausen. Ihr Familienunternehmen kann derzeit noch nicht genau sagen, ab wann und wie hoch seine Preiserhöhungen ausfallen werden. „Das müssen wir noch durchkalkulieren. Wir rechnen aber damit, dass es auch bei uns in den nächsten Wochen so weit sein wird. Wie die Kundschaft darauf reagiert, wird sich zeigen.“

Bäcker Christoph Balke in Haltern kann zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen, ob und in welchem Maße es Preisanpassungen in seinem Betrieb geben werde. Auch die Einkaufsgenossenschaft könne auf Nachfrage noch nicht sagen, wo sich zum Beispiel Getreidepreise für die neue Ernte angliedern würden, teilt er mit. In den Filialen der Bäckerei Berthold´s Der Naturbäcker werden erstmalig nach vier Jahren die Preise erhöht; im Durchschnitt wird jedes Brötchen fünf Cent teurer.

Womöglich werden Kunden jetzt eher auf das Reservebrötchen zum Frühstück verzichten. „Aber trotz aller Engpässe“, versichern die Bäcker – „die Versorgung mit frischem Brot und Brötchen wird weiterhin gesichert bleiben.“

Individuelle unternehmerische Entscheidung

Daniel Schneider, Hauptgeschäftsführer vom Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks, erklärt: „Geringere Ernten können Auswirkungen auf die Preisentwicklung haben, da es jedoch mehrere Wege der Beschaffung gibt, müssen sich kurzfristige Preissteigerungen nicht unmittelbar auf die Verkaufspreise auswirken. Viele Bäcker haben langfristige Lieferkontrakte ausgehandelt. Grundsätzlich können wir jedoch aus wettbewerbsrechtlichen Gründen keine konkreten Aussagen zu eventuellen Rohstoffknappheiten und grundsätzlichen Preisentwicklungen sagen.“

Lohn- und Energiekosten als Preistreiber

Daniel Schneider, Hauptgeschäftsführer vom Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks betont Folgendes: „Wenn Bäcker tatsächlich Preise erhöhen müssen, ist dies eine individuelle unternehmerische Entscheidung und beruht in der Regel auf insgesamt steigenden Kostenstrukturen. Großer Kostenfaktor sind bei den Handwerksbäckern die Lohn- und Energiekosten.“ Auch diese seien bekanntlich zuletzt ebenfalls stark gestiegen. „So sind zum Beispiel Handwerksbäcker im Gegensatz zu den ‚Brotfabriken‘ nicht von der EEG-Umlage befreit, was ein echter Wettbewerbsnachteil ist, da es Energie verhältnismäßig verteuert.“

Über die Autorin
Journalistin und Fotografin wollte ich schon während der Schulzeit werden. Trotzdem bin ich erst nach vielen Umwegen zur Zeitung gekommen. Die Berichterstattung über die Ereignisse in der großen weiten Welt haben meinen Horizont erweitert, der Lokaljournalismus meinen Blick auf die wesentlichen Dinge vor der eigenen Haustür.
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Antje Bücker

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