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Unbekannte schießen auf die Notunterkunft in Sythen

Fremdenfeindlicher Hintergrund

Nur sieben Flüchtlinge leben derzeit in der Landesnotunterkunft in Sythen. Es herrschte eine ruhige Stimmung, friedlich. Bis am Freitagabend Schüsse fallen.

HALTERN

, 07.12.2015 / Lesedauer: 3 min
Unbekannte schießen auf die Notunterkunft in Sythen

Auf die Notunterkunft in Haltern-Sythen ist geschossen worden.

Wie am Montag bekannt wurde, fuhren zwei bisher unbekannte Männer am Freitagabend gegen 21 Uhr vor der Unterkunft vor, stiegen aus und brüllten fremdenfeindliche Parolen. „Dann stiegen sie wieder in ihren Wagen ein und gaben beim Fahren Schüsse ab“, erklärt Polizeipressesprecher Michael Franz. Wie oft genau geschossen wurde, möchte er nicht sagen. Anhand mehrerer Patronenhülsen, die die Polizei auf der Zufahrt zur Unterkunft fand, kann sie auf eine Schreckschusspistole schließen.

"Bösartiger Angriff"

„Aber das weiß man ja zunächst nicht, es hätten ja auch scharfe Waffen sein können“, sagt DRK-Kreisvorstand Christoph Schlütermann, den seine Mitarbeiter umgehend informiert hatten. Scharf verurteilt er die Tat. „Das ist kein dummer Jungenstreich, sondern ein bösartiger Angriff auf die Flüchtlinge und die Mitarbeiter. Einfach nur abscheulich.“ Die Flüchtlinge selbst hätten den Angriff zum Glück nicht mitbekommen, sagt Schlütermann. Das DRK ist in der Notunterkunft für die Versorgung der Flüchtlinge zuständig.

Gedanke an Feuerwerks-Kracher

Betreuer Sven Winkeldey, der am Freitagabend Dienst hatte, saß in seinem Büro, als die Schüsse fielen. „Zunächst waren mein Kollege und ich verwirrt, dachten, es seien vielleicht Kracher von einem Feuerwerk. Es war ja Freitagabend.“ Draußen habe sie dann das Wachpersonal aufgeklärt. „Zunächst denkt man da gar nicht drüber nach. Aber nach Feierabend geht einem das Erlebte dann durch den Kopf und auch durch Mark und Bein. Man fragt sich: Was, wenn es wirklich eine scharfe Waffe gewesen wäre...“

Konsequenzen aus dem Angriff

Verhindern könne man solche Angriffe leider nicht, ist sich Schlütermann sicher. „Wir haben hier ein umzäuntes Gelände. Es ist beleuchtet. Und jeweils acht Security-Kräfte sind Tag und Nacht vor Ort, patrouillieren stündlich. Aber wer so etwas vor hat, den hält das alles nicht ab.“

Die Polizei, die seit Bestehen des Camps dort Streife fährt und mit den Sicherheitskräften und Schlütermann in Kontakt steht, will ihre Kontrollen verstärken, Personen und Fahrzeuge noch intensiver beobachten, sagt Polizeipressesprecher Michael Franz.

Der Staatsschutz hat die Ermittlungen gegen die beiden Männer aufgenommen. Ein fremdenfeindlicher Hintergrund werde aufgrund der gerufenen Parolen angenommen, so Franz.

Klimpel: "Hoffentlich ein Einzelfall"

Bürgermeister Bodo Klimpel zeigt sich entsetzt von dem Vorfall. „Ich frage mich, was in den Köpfen der Menschen vorgeht, die sich solche Ausraster erlauben. Erst am 6. November haben zahlreiche Halterner Bürger beim Sternmarsch des Bündnisses gegen Rechts ihre Meinung klar zum Ausdruck gebracht, dass wir hier in der Stadt keinen Platz haben für diese dumpfen rechten Parolen und Machenschaften. Ich wünsche mir, dass dies hoffentlich ein Einzelfall bleibt und bedanke mich bei den Mitgliedern des Security-Dienstes. Es zeigt sich, wie wichtig es ist, dass vor dieser Unterkunft der Sicherheitsdienst seine Arbeit ausübt.“

 

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