Unmut bei Halterner Unternehmern: Soforthilfe war keine wirkliche Hilfe

hzRückzahlung Soforthilfe

Mit der Corona-Soforthilfe sollten Engpässe bei Unternehmen und Selbstständigen überbrückt werden. Jetzt fordert das Land auch in Haltern Geld zurück - in nicht unerheblichem Ausmaß.

Haltern

, 14.07.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Viele Halterner Unternehmer und Selbstständige bekommen derzeit eine Mail vom Land NRW. Sofern ihnen in der Corona-Krise die Einnahmen weggebrochen sind und sie die Soforthilfe beantragt haben, wird jetzt Kassensturz gemacht: Mit dem Effekt, dass viele erhebliche Anteile der Fördermittel zurückzahlen müssen und sich fragen, ob das alles überhaupt etwas gebracht hat.

Eine Branche, die es besonders hart getroffen hat und die noch immer nicht aus der Krise kommt, ist die Veranstaltungsbranche. Ludger Beermann betreibt in Haltern die Veranstaltungsagentur Leo-Events und Marketing. „Seit Beginn der Pandemie sind bei uns 84 geplante Veranstaltungen ausgefallen“, sagt er. „Ich habe seitdem keine Einnahmen mehr, musste meine Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken.“

Viele Kosten werden nicht angerechnet

Beermann beantragte für sein Unternehmen die Soforthilfe des Landes - und ist jetzt entsetzt, dass er viele Kosten nicht angeben kann und „einen nicht unerheblichen Anteil“ wie er sagt, zurückzahlen muss. „Beiträge für Versicherungen und Abgaben, die im Januar für das ganze Jahr abgebucht wurden, werden zum Beispiel nicht angerechnet. Ich war davon ausgegangen, dass ich sie anteilig für die drei Fördermonate ansetzen könnte“, nennt er ein Beispiel.

84 Veranstaltungen, die Ludger Beermann geplant hatte, fielen aus.

84 Veranstaltungen, die Ludger Beermann geplant hatte, fielen aus. © Schulte-Lünzum

Lediglich einen Anteil der Betriebskosten kann Beermann geltend machen, sämtlichen Lebenshaltungskosten durfte er aber, auch ohne Einkünfte, nicht von der Soforthilfe bestreiten. Dafür müsse er Hartz IV beantragen, lautete die amtliche Antwort zu Beginn des Corona-Lockdowns auf seine diesbezügliche Anfrage.

Großveranstaltungen bleiben weiter verboten, Beermann versucht, mit dem Sommer am Schloss Sythen gerade eine erste kleinere mit Sicherheitskonzept wieder zu realisieren. „Ansonsten sind wir die Branche, die als erste dicht machen musste und als letzte wieder starten kann“, sagt er. Alle Künstler, Caterer, Techniker und viele andere seien davon betroffen. „Viele werden es nicht überleben, und die Soforthilfe war keine wirkliche Hilfe.“

„Eine Rückmeldung ist verpflichtend“

Die Soforthilfe des Landes konnte von Unternehmen und Freiberuflern mit maximal 50 Angestellten beantragt werden, wenn die Einnahmen um mehr als 50 Prozent weggebrochen waren. Sie war zeitlich auf drei Monate befristet. „Mit der Mail möchte das Land daran erinnern, dass der Anteil der Soforthilfe, der im Förderzeitraum nicht für betriebliche Ausgaben verwendet wurde, zurückerstattet werden muss. Eine Rückmeldung über das Formular im Link ist verpflichtend. Die Mail wird allen Zuwendungsempfängern ungefähr 3 Monate nach Antragstellung zugesendet“, heißt es auf der Homepage des Landes NRW.

Eine Hilfe sei das Geld letztlich nicht gewesen, wenn jetzt so hohe Anteile zurückgezahlt werden müssten, sagt auch Günter van Buer vom Modehaus van Buer. Die Erwartungen, die anfangs geweckt wurden, sieht er inzwischen als nicht erfüllt an.

„Das ist keine Hilfe, das ist ein zinsloses Darlehen“

Das sieht Peter Heckmann (Modehaus Heckmann, Modewerk) ähnlich: „Bei den Kriterien, die jetzt angelegt werden, war es letztlich ein zinsloses Darlehen, aber keine Soforthilfe. Darunter hatte ich mir etwas anderes vorgestellt“, sagt er und nennt einige Beispiele. Der Wareneingang sei auch während der Corona-Schließung weiter gelaufen „Die Rechnungen mussten bezahlt werden, sie werden aber nicht angerechnet, wenn sie früher datiert sind. Bei uns kommt die Ware zu Beginn des Jahres.“

„Das war keine Hilfe, sondern eher ein zinsloses Darlehen“, findet Peter Heckmann.

„Das war keine Hilfe, sondern eher ein zinsloses Darlehen“, findet Peter Heckmann. © Jürgen Wolter

Gleiches gelte für die Personalkosten. Zwar sei ein Teil der Belegschaft in Kurzarbeit gewesen, aber nicht alle Mitarbeiter. „Wir haben mit kleinerer Besetzung hinter den Kulissen weiter gearbeitet“, so Peter Heckmann. „Auch diese Personalkosten werden nicht angerechnet. So hat das letzten Endes alles nichts gebracht.“

Peter Heckmann hofft, dass auf Verbandsebene nachjustiert werden kann und sich einige Kriterien noch ändern werden. „Ansonsten ist für viele von uns ein hohes defizitäres Ergebnis zu erwarten.“ Einige Unternehmen seien bereits jetzt von Insolvenz betroffen. „Auch wenn es da vielleicht zum Teil schon vorher Probleme gab, hat die Krise wie ein Brandbeschleuniger gewirkt.“

Gastronomen warten noch ab

Marianne Teltrop und die Halterner Gastronomen warten noch auf die Mail des Landes.

Marianne Teltrop und die Halterner Gastronomen warten noch auf die Mail des Landes. © Foto: Jürgen Wolter

Auch viele Halterner Gastronomen hatten die Soforthilfe beantragt. Bei den meisten sind aber bisher keine Mails des Landes eingegangen, etwa bei Christoph Peters oder Matthias Pfeiffer. Das bestätigt auch Marianne Teltrop. „Allerdings haben wir schon einen Hinweis vom Hotel und Gaststättenverband bekommen, dass da noch was auf uns zukommt“, sagt sie. „Es bleibt weiter spannend“.

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