Friseurmeisterin Sabrina Pietsch (r.) muss von ihren Kunden keinen negativen Schnelltest verlangen. © Jürgen Woilter

Verwirrende Corona-Regeln: Darf man in Haltern nur mit Test zum Friseur?

Die Corona-Notbremse für den Kreis Recklinghausen verunsichert eine Halterner Friseurin. Sie fragt bei der Stadt, ob ihre Kunden nun einen Test benötigen und erhält eine falsche Antwort.

Schutzverordnung, Brückenlockdown, Notbremse: Die Regeln in der Corona-Pandemie haben sich in den letzten Wochen gefühlt täglich geändert. Selbst Menschen, die sich beruflich mit dem Thema beschäftigen und alle Veränderungen im Blick haben müssen, können dabei durcheinandergeraten.

Das zeigt ein Vorfall von Mittwoch (14. April), bei dem sich die Friseurmeisterin Sabrina Pietsch beim Halterner Ordnungsamt nach den aktuell gültigen Regeln für ihr Handwerk erkundigte. Wie ihre Kunden, so war auch sie selbst verwirrt. Muss beim Betreten ihres Salons am Disselhof nun ein negativer Test vom Besucher vorgelegt werden oder nicht? Auch bei den Kollegen in Haltern nahm Sabrina Pietsch Verunsicherung über diese Frage wahr.

Sabrina Pietsch rief bei der Stadt Haltern an

Deshalb rief sie bei der Stadt Haltern an und erhielt hier aus dem zuständigen Ordnungsamt die Auskunft, dass das Land die Corona-Notbremse für den Kreis Recklinghausen angeordnet habe und deshalb jeder Kunde eines Friseursalons in Haltern einen Schnelltest mit negativem Ergebnis vorlegen müsse.

Sabrina Pietsch, die ihren Salon seit September am Disselhof betreibt und vorher 13 Jahre lang an der Mühlenstraße ansässig war, informierte ihre Terminkunden über eine Statusmeldung auf WhatsApp über die vermeintliche Neuregelung. Sie gab der Halterner Zeitung außerdem die Anregung, über das Thema zu berichten, damit alle Kollegen ihres Handwerks und ihre Kunden Bescheid wissen.

Eine Nachfrage der Redaktion im Ordnungsamt regte dort zur neuerlichen Recherche an. Die Stadt stellte danach klar, dass Friseure zur Grundversorgung gezählt und deshalb trotz sogenannter Notbremse im Kreis Recklinghausen keine Schnelltests von ihren Kunden verlangt werden.

Die Corona-Notbremse verschärft die Regeln

Das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales hat Montag (29. März) auf Grundlage der neuen Coronaschutz-Verordnung die Corona-Notbremse für den Kreis Recklinghausen angeordnet, weil die 7-Tages-Inzidenz der Neuinfektionen seit mindestens drei Tagen in Folge über dem Wert von 100 lag (am Mittwoch erreichte der Wert 160,7).

Sabrina Pietsch ist am Mittwoch erleichtert, dass sie von ihren Kunden doch keinen Test verlangen muss. Sie hat eine neue Statusmeldung auf WhatsApp nachgeschoben, um Entwarnung zu geben. Als Soloselbstständige sei sie bisher relativ glimpflich durch die Krise gekommen, sagt sie. Und: „Wer weiß, wie lange die aktuelle Regelung gilt. Bis nächste Woche vielleicht.“

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Redaktion Haltern
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Silvia Wiethoff