Meinung

Volksbank-Entscheidung: Der Rückzug ist unvermeidlich, aber bedauerlich

Wenige Monate nach Filial-Schließungen in drei Ortsteilen sorgt die Volksbank erneut für Schlagzeilen. Sie gibt ihren alten Stammsitz am Merschtor auf. Kein Grund für einen Freudensprung.
Ende Juni schließt die Volksbank ihre Filiale - einst der Hauptsitz der Bank - an der Ecke Merschstraße/Rochfordstraße. © Lukas Runde

Würde man das Rad der Geschichte noch einmal zurückdrehen, dann hätte die Entscheidung der Volksbank aktuell sicherlich anders ausgesehen. 1997 wollte sie ihren vom Halterner Architekten Bernd Kruth gebauten Stammsitz erweitern und dafür den Kärntner Platz bebauen. Das lehnte die Politik ab, im Jahr 2000 erhielt die Bank dafür die Baugenehmigung für ein großes Projekt am Nordwall. Dort zieht das Geldinstitut nun alle Geschäfte zusammen.

Die Schließung der Zweigstelle am Merschtor wird keine Begeisterungsstürme auslösen. Das weiß der Vorstand der Volksbank Südmünsterland Mitte. Kunden der Schließfächer und der Aufsichtsrat sind informiert, erste verärgerte Reaktionen hat es bereits gegeben. Eine Bank, die sich rühmt, nahe an den Menschen in Haltern zu sein, gibt wieder ein Stück persönliche Betreuung auf. Kunden müssen sich von Gewohntem trennen, das ihnen lieb und teuer war. Das ist nicht leicht. Immerhin hat das Haus als ehemalige Schaltzentrale ja auch zusätzlich noch eine emotionale Geschichte.

Aber das dauerhafte Niedrigzinsniveau und die digitale Nutzung von Bankdienstleistungen stellen die Bankenbranche insgesamt vor neue Herausforderungen. Was die Kunden gerade nicht tun sollen, muss die Bank: Sparen. Blickt man über den Zaun, dann liest man ähnliche Schlagzeilen auch in anderen Städten. Doch einen Discounter als Nachfolger in dem repräsentativen Haus kann man sich gerade noch schlecht vorstellen.

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