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Von Haltern über Köln an die südamerikanische Küste - Familie Marek lebt in Chile

hzSeit zwei Jahren in Chile

1999 lernte Rebecca Marek ihren Mann in Chile kennen. Nachdem sie lange in Deutschland lebten, wagten sie vor zwei Jahren mit ihren Kindern noch einmal den Schritt zurück nach Südamerika.

Haltern

, 25.05.2019 / Lesedauer: 5 min

Schon länger hatten die gebürtige Halternerin Rebecca Marek und ihr Mann nach einer größeren Wohnung in Köln gesucht. Doch „wir haben nichts Passendes gefunden“, sagt die 46-Jährige, die ihre Jugend in Haltern verbrachte. Zudem musste sich ihr Mann beruflich umorientieren, erzählt sie. Am Ende entschied sich das Ehepaar für einen auf den ersten Blick ungewöhnlichen Umzug: Gemeinsam mit ihren zwei Kindern zogen die beiden nach Chile, in die Küstenstadt Viña del Mar.

Allerdings war der Schritt nach Südamerika für Rebecca Marek und ihre Familie nicht ganz so ungewöhnlich, wie er vielleicht auf Außenstehende scheint. Denn ihr Mann Sebastián Rivera ist gebürtiger Chilene. Die zweifache Mutter lernte ihren späteren Ehemann 1999 in Chile kennen. Zwei Jahre später zogen sie dann gemeinsam nach Deutschland. Doch schon damals waren sich die beiden einig, irgendwann wieder nach Chile ziehen zu wollen.

Das ist Rebecca Marek

Die 46-jährige Rebecca Marek ist in Haltern aufgewachsen und hat 1992 ihr Abitur am Joseph-König-Gymnasium gemacht. 1999 lernte sie ihren heutigen Mann Sebastián Rivera in Chile kennen. 2001 gingen sie zusammen nach Deutschland. Mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern lebte sie in Köln. Von dort zog die Familie dann 2017 nach Chile. Aktuell arbeitet sie als Beraterin für Deutsch als Fremdsprache an der Deutschen Schule Valparaíso.

„Viel später wäre das wohl nicht mehr gegangen“, erklärt Rebecca Marek mit Blick auf ihre nun schon 13-jährige Tochter. Je älter die Kinder, desto schwieriger sei es, sie aus ihrer gewohnten Umgebung herauszureißen oder gar mit ihnen ins Ausland zu ziehen. Für ihre beiden Kinder sei die Anfangszeit in Chile dann auch schwierig gewesen, erzählt sie. Zuerst gingen beide auf eine chilenische Schule. Dort „waren sie die einzigen Ausländer“.

Dadurch konnten ihr Sohn und ihre Tochter aber auch schnell ihr Spanisch verbessern. „Sie konnte ja eigentlich schon gut Spanisch verstehen“, sagt Rebecca Marek. „Aber das Niveau und der Wortschatz in der Schule ist noch mal ganz anders als das, was man mit seinem Vater im Alltag spricht.“ Nach einem halben Jahr wechselten die beiden dann auf die Deutsche Schule Valparaíso, an der Rebecca Marek heute als Beraterin für Deutsch als Fremdsprache arbeitet.

Überraschender neuer Kollege

Im Februar bekam Rebecca Marek einen neuen Kollegen aus Deutschland. Es war der erste Arbeitstag nach den Ferien, erinnert sie sich. „Ich wusste, dass ein neuer Kollege kommt. Aber ich hatte keine Ahnung, dass der aus Haltern kommt.“ Ihr neuer Kollege war der mit seiner Familie gerade aus Haltern weggezogene Sebastian Amendt. „Das war schon ein sehr netter Zufall“, sagt sie.

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Über zwei Jahre ist es nun schon her, dass sich Rebecca Marek und ihr Mann entschieden, nach Chile zurückzukehren. Seit Anfang 2017 lebt die vierköpfige Familie in Viña del Mar. Doch warum gerade die chilenische Küstenstadt? „Ich wollte immer mal am Meer leben“, erzählt sie. Die Stadt zählt in Chile zu den Städten mit der besten Lebensqualität und ist dazu noch recht nah an der Hauptstadt Santiago. Für die ehemalige Halternerin war die Eingewöhnung nicht besonders schwer. „Ich kannte Chile ja schon und bin generell jemand, der sich relativ leicht zurechtfindet.“

Häuser sind nicht für den Winter gemacht

Viele denken bei Südamerika zuerst an heiße Temperaturen und immer fröhliche Menschen. Doch beides trifft auf Chile nicht ganz zu, erzählt sie. „Chile ist sehr lang und hat ganz unterschiedliche Klimazonen. Viña hat ein sehr gemäßigtes Klima.“ Am Morgen sei es meist auch noch etwas kühler. Auch in den heißesten Monaten werde es meist nicht wärmer als 25 Grad. Doch das reicht der ehemaligen Halternerin auch: „Es ist herrlich, weil es nicht zu heiß ist.“

Von Haltern über Köln an die südamerikanische Küste - Familie Marek lebt in Chile

Familie Marek macht in Viña del Mar gerne Ausflüge an den naheliegenden Strand. © Privat

Der Winter ist für sie allerdings teilweise „fürchterlich“. Auch wenn die Temperaturen eher mit denen des deutschen Herbstes zu vergleichen sind, sei es oft in den Wohnungen kalt. Denn für die kälteren Temperaturen „sind die Häuser nicht gemacht“. Eine schlechte Dämmung macht es deutlich schwieriger, die eigene Wohnung warm zu halten. Mit Wärmeflaschen im Bett sowie Pullovern und Wollsocken rette sie sich durch den „zum Glück kurzen Winter“.

Dem Klischee des stets gut gelaunten Südamerikaners widerspricht sie ebenfalls ein wenig. „Es gibt hier wie überall sehr freundliche und offenherzige Menschen, aber man sieht eben auch rücksichtsloses und egoistisches Verhalten“, erzählt sie.

Politisch gespalten

Chile ist auch so viele Jahre nach der Diktatur, die 1989 endete, immer noch sehr gespalten. „Es gibt sehr unversöhnliche Positionen und das beeinflusst auch die Stimmung im Land.“ Auch das staatliche Vorsorgesystem wurde unter der Diktatur weitestgehend zurückgefahren. „Wer es sich eben leisten kann, versucht, privat vorzusorgen. Das kostet natürlich.“ Viele Familien würden sich auch verschulden, um ihren Kindern den Unterricht auf einer privaten Schule zu ermöglichen. Denn das ist fast eine Voraussetzung, um später an einer guten Universität studieren zu können.

Von Haltern über Köln an die südamerikanische Küste - Familie Marek lebt in Chile

Ihren Mann Sebastián Rivera lernte Rebecca Marek 1999 in Chile kennen. © Privat

Die Lebenshaltungskosten in den Großstädten sind ungefähr so hoch wie in Deutschland, wenn man vergleichbar leben will. Der Durchschnittslohn liegt allerdings nur bei einem Drittel des deutschen. Einen wie hier üblichen Lebensstandard könne sich also nicht jeder leisten, erzählt sie. Aber absolute Armut, wie es sie in einigen anderen südamerikanischen Ländern gibt, „ist in Chile zum Glück sehr selten“.

Chilenische Bürokratie sorgt für Frust

Unterschiede zum Leben in Deutschland gibt es noch einige weitere, erzählt sie. „Obwohl Viña del Mar eine Großstadt ist, ist die Infrastruktur nicht so ausgebaut und das kulturelle Angebot nicht ganz so groß wie in deutschen Großstädten.“

Als sie nach einiger Zeit mal wieder in Köln war, sei ihr vor allem aufgefallen, wie sauber die Stadt ist. Dabei habe sie Köln bis dahin nie als wirklich sauber empfunden, gesteht sie mit einem Lachen.

Alles sei auch „ein bisschen mehr durcheinander“ und weniger geordnet, sagt sie. Was sie ein wenig stört, ist die chilenische Bürokratie. „Hier ist es unheimlich bürokratisch, aber gleichzeitig funktionieren viele Dinge nicht sofort“, so die 46-Jährige.

Rebecca Mareks Kinder lieben Haltern

Für sie, so erzählt sie, hat das Leben in beiden Ländern seine Vor- und Nachteile. „Im Moment passt es für uns hier. Wir haben gute Arbeitsstellen, eine schöne Wohnung, die Möglichkeit, mit den Kindern Chiles tolle Landschaften zu entdecken und ein insgesamt wirklich tolles Klima“, sagt sie. „Das macht Freizeitaktivitäten deutlich besser planbar“, sagt sie. Auch das Meer „bringt noch mal eine andere Atmosphäre in die Stadt.“ Mal eben nachmittags an den Strand zu gehen, fühle sich dann an wie ein kleiner Urlaub.

„Aber das kann man am Halterner Seeufer natürlich auch haben, wenn das Wetter stimmt.“ Zuletzt waren sie und ihre Familie im vergangenen Sommer in Haltern zu Besuch. Denn neben ihrer Mutter leben hier auch noch ihre Schwester, die selbst fünf Kinder hat, und ihr Bruder mit einem Kind sowie eine Tante und eine Cousine mit Kindern. „Wir sind eine richtige Großfamilie. Bei Festen im engsten Familienkreis kommen leicht 30 Leute zusammen“ erzählt sie lachend.

Besonders ihrer 13-jährigen Tochter und ihrem 10-jährigen Sohn habe es die Seestadt angetan, verrät sie. „Meine Kinder lieben Haltern.“ Rebecca Marek selbst schätzt vor allem das Idyllische an Haltern, das „viele gemeinschaftliche Zusammenleben“ und einige ihrer Freunde, die noch immer hier leben.

Gastfamilien gesucht

Der Austausch zwischen Haltern und Viña del Mar soll weiter fortgesetzt werden. Im vergangenen Winter verbrachten zwei Schüler mehrere Monate in Haltern. Nun findet der Gegenbesuch von zwei Schülerinnen aus Haltern im kommenden Spätsommer statt. Die nächsten chilenischen Austauschschüler sind von Dezember bis Februar in Deutschland. Dafür sucht die Deutsche Schule Valparaíso noch Gastfamilien. Schüler und Schülerinnen aus Haltern und Umgebung haben dann im Laufe des kommenden Jahres die Möglichkeit zu einem Gegenbesuch. Wer sich vorstellen kann, eine oder einen chilenische/n Jugendliche/n aufzunehmen, kann sich direkt mit Rebecca Marek in Verbindung setzen: r.marek@dsvalpo.cl
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