Von Nazis für geisteskrank erklärt und ermordet: Bernhard Leo Peters bekommt Stolperstein

hzEuthanasie-Opfer

Künstler Gunter Demnig setzt in Lavesum den ersten Stolperstein. Er erinnert an Bernhard Leo Peters, der wegen seiner Epilepsie als geisteskrank eingestuft und von den Nazis ermordert wurde.

Lavesum

, 25.11.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bernhard Leo Peters war 31 Jahre alt, als er in der Tötungsanstalt Hadamar ermordet wurde. In der Nacht vom 24. auf den 25. Oktober 1943 fiel er den systematischen Krankenmorden der Nationalsozialisten zum Opfer. Auf Anregung seines Neffen Hermann Kleine Büning wird ab Sommer 2020 ein Stolperstein vor dem Elternhaus an der Kastanienstraße 2 in Haltern-Lavesum verlegt. Vom Schicksal seines Onkels erfuhr Hermann Kleine Büning aus Münster nur durch Zufall.

„Als ich die Geschichte meiner Vorfahren, der Familien Peters und Hiltrop, aus Anlass des 85. Geburtstages meiner Mutter recherchierte, stieß ich im Stammbaum auf den Namen Bernhard Leo Peters“, erinnert sich Hermann Kleine Büning. „Ich wusste gar nichts von meinem Onkel.“ In der Familie wurde nicht über ihn gesprochen, denn die Mutter Mathilde machte sich zeitlebens Vorwürfe, dass sie ihren Sohn ins Krankenhaus gegeben hatte.

Attest des Hausarztes mit fatalen Folgen

Bernhard Leo Peters, geboren am 30. April 1912, kam als siebtes Kind von Wilhelm Melchior Peters und Mathilde, geborene Hiltrop, zur Welt. Das Paar hatte vier Mädchen und fünf Jungen. Bernhard Leo besuchte bis zur siebten Klasse die Lavesumer Volksschule, dann arbeitete er zeitweise in der Forstwirtschaft oder half seinem Vater in der Landwirtschaft.

Kurz nach seinem 20. Lebensjahr bekam er in unregelmäßigen Abständen leichte bis schwere epileptische Anfälle. Das Attest des Hausarztes lieferte ihn den Nationalsozialisten und ihrem Programm zur Reinhaltung des gesunden Volkskörpers aus.

Der Hausarzt bescheinigte eine Erbkrankheit, was letztlich die Zwangssterilisation zur Folge hatte. Obwohl der Vater mehrfach erklärte hatte, dass sowohl in seiner Familie als auch in der seiner Frau keine Erbkrankheiten bekannt seien und dass sein Sohn nie allein das Haus verließe und immer unter familiärer Aufsicht stehe, ordnete das Erbgesundheitsobergericht Hamm die Unfruchtbarmachung wegen „erblicher Fallsucht“ an. Diese wurde 1937 im Knappenschaftkrankenhaus Recklinghausen durchgeführt. Der Leidensweg von Bernhard Leo Peters setzte sich fort.

Aufnahme in Heilanstalt Münster

Der Vater starb, die Mutter lebte mit ihrem Sohn und der jüngsten Tochter Mathilde (später verheiratete Kleine Büning) allein zu Hause. Die epileptischen Anfälle nahmen zu, Mutter und Tochter waren überfordert. Bernhard war folglich häufiger im Halterner Krankenhaus. Man wies ihn in die Heilanstalt Münster ein. Hermann Kleine Büning weiß: „Die Mutter schickte Päckchen und Briefe, regelmäßige Besuche zeugen davon, dass die Familie sich weiterhin sehr um den Kranken sorgte.“

Im Juni 1943 wurde Bernhard Leo mit einem Sammeltransport von Münster in die Landesheilanstalt Eichberg gebracht, von dort nach Hadamar. Seine Schwester Mathilde fuhr ihm nach, erhielt aber von der Anstaltsleitung unmissverständlich den Hinweis, unangemeldete Besuche seien unerwünscht.

Sie brachte Bernhards Wunsch mit nach Hause: „Holt mich bitte hier sofort ab!“ Doch er entkam der Tötungsanstalt nicht. Die Patienten wurden entweder mit Überdosen von Medikamenten getötet oder man ließ sie verhungern.

Überführung nach Lavesum

Die Familie erwirkte kurz nach dem Tod die Überführung nach Lavesum. Zur Auflage wurde gemacht, dass der verschlossene Sarg nicht mehr geöffnet werden dürfe.

Der Ausschuss Schule, Kultur und Sport folgte einstimmig der Anregung von Hermann Kleine Büning, mit einem Stolperstein an das Euthanasie-Opfer Bernhard Leo Peters zu erinnern. „Diese schnelle und einmütige Entscheidung der Halterner Politik hat mich sehr bewegt, genauso wie mich das Schicksal meines Onkels innerlich sehr berührt hat“, sagte er gegenüber der Halterner Zeitung.

Erstmals wird ein Stolperstein in einem Ortsteil Halterns verlegt. In der Innenstadt sind sie seit 2005 zum Andenken an die jüdischen Holocaustopfer zu finden.

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