Vortrag über psychische Erkrankung: „Die Depression ist überlebbar“

hzTrigon

Ein Vortrag über die Volkskrankheit Depression interessierte am Dienstagabend viele Halterner. Die Veranstaltung von Pro Anima und der Caritas Ostvest ließ Experten und Betroffene zu Wort kommen.

Haltern

, 01.10.2020, 20:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Depressionen sind eine Volkskrankheit. Rund 350 Millionen Menschen leiden weltweit daran, etwa 5 Millionen allein in Deutschland. Frauen sind doppelt so oft betroffen wie Männer. Unter den Auswirkungen leidet oft auch die ganze Familie.“ Mit bedrückenden Fakten eröffnete Kay Esser von pro anima und Fachdienstleiter der Caritas Ostvest, am Dienstagabend die Veranstaltung „Depressionen verstehen“ im Trigon.

Diplomsozialarbeiterin Marion Schorn, hauptamtliche Begleiterin des Präventionsprojekts für junge Erwachsene und Kinder von psychisch- und suchtkranken Eltern pro anima, hatte dazu die Expertinnen Nina Klein und Sabine Fröhlich eingeladen.

Zusatztermin am Vortag

Die große Besucherzahl zeigte, wie sehr auch in Haltern das Thema beschäftigt. Da aufgrund der Coronabeschränkungen die Teilnehmerzahl begrenzt war, die Organisatoren aber möglichst vielen Interessierten die Anwesenheit ermöglichen wollten, wurde zum eigentlichen Termin am Dienstagabend ein Zusatztermin am Vortag angeboten. Beide Vorträge waren gut besucht.

Sabine Fröhlich (r.) führte als Depressionsexpertin und selbst Betroffene neben Journalistin Nina Klein moderierend durch die Veranstaltung.

Sabine Fröhlich (r.) führte als Depressionsexpertin und selbst Betroffene neben Journalistin Nina Klein moderierend durch die Veranstaltung. © Antje Bücker

Nach der Einführung in die Thematik stellte Nina Klein anhand eines Dia-Vortrags ihren Bildband „Mal gut, mehr schlecht“ vor, der in anderthalbjähriger Arbeit entstanden war. Die Journalistin und Fotografin hatte dazu seit 2013 mit neun an Depressionen erkrankten Personen zusammengearbeitet und deren Gedanken und Ängste fotografisch visualisiert.

Krankheit für „Gesunde“ bildlich und sprachlich begreifbar machen

Dabei sind auch von den Betroffenen zahlreiche Fotografien, Kollagen, Zeichnungen und Tagebucheintragungen entstanden, welche die Krankheit für „Gesunde“ bildlich und sprachlich begreifbar machen. „Ich interessiere mich für nichts. Diese Gleichgültigkeit ist der extreme Tiefpunkt!“ (Aussage einer Erkrankten).

Neben dem 2016 mit Hilfe der Deutschen DepressionsLiga e.V. veröffentlichten Fotobuch, ist 2022 eine Ausstellung im Stadtmuseum Münster geplant. Seit 2018 gibt es zudem deutschlandweite Lesereisen mit dem Ziel, Nichtbetroffene anzusprechen, aufzuklären, Solidarität zu zeigen und mit dem Buch eine Gesprächsgrundlage zu schaffen.

Tiefe Betroffenheit beim Publikum

Eine tiefe Betroffenheit beim Publikum blieb nicht aus anhand der künstlerisch großartigen und bewegenden Fotos und der Texte des Bildbandes. Dass die Krankheit äußerst ernst zu nehmen ist, aber es auch Hoffnung auf Heilung gibt, erklärte im Anschluss Sabine Fröhlich. Als Depressionsexpertin und selbst Betroffene führte sie neben Nina Klein moderierend durch die Veranstaltung. Es ist ihr ein Anliegen, das Thema aus der Tabuzone zu holen: „Die Depression ist überlebbar. Aber das muss hart erarbeitet werden.“

Nach dem Vortrag gab es im zweiten Teil der Veranstaltung die Möglichkeit zur Diskussion. Sabine Fröhlich, die auch über ihre eigene psychische Erkrankung sprach, lud mit ihrer Offenheit das Publikum ein, Fragen zu stellen und über ihre Erfahrungen zu sprechen und keine Hemmungen zu haben, sich professionelle Hilfe zu holen. „Es geht uns darum, Depressionen aus der Tabuzone zu holen. Wir möchten Betroffene und Angehörige, Nicht-Betroffene, aber auch Ärzte, Therapeuten und Pflegepersonal, die beruflich mit der Krankheit Depression zu tun haben, ansprechen und Hilfemöglichkeiten vorstellen.“

Als langjähriger Partner stehen den Projektorganisatorinnen die Deutsche DepressionsLiga e.V.und die Barmer unterstützend zur Seite.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt